Griechenland – "Wer auf den Euro-Austritt gesetzt hat, wettet jetzt auf die Erfolgsstory”

Griechenland – "Wer auf den Euro-Austritt gesetzt hat, wettet jetzt auf die Erfolgsstory”

Die Finanzierungskosten sprechen jedoch eine andere Sprache und deuten an, dass die Rückkehr an den Kapitalmarkt verfrüht sein könnte. Auch Analysten zeigen sich skeptisch.

Die Rendite der von der Umschuldung betroffenen zehnjährigen Staatsanleihen ist am Mittwoch erstmals seit Oktober 2010 wieder unter die Marke von neun Prozent gefallen, während Griechenland die Absicht bekundet, dem Beispiel Irlands und Portugals zu folgen. Die Analysten von Nomura International sind der Meinung, dass die Rendite unter sechs Prozent fallen müsste, damit die Mittelaufnahme am Markt erschwinglich wird.

“Es gibt ein paar eindeutig negative Faktoren, die Hürden für die Marktrückkehr Griechenlands darstellen könnten und die es bei Portugal und Irland nicht gab”, sagt Michael Michaelides, Zinsstratege der Royal Bank of Scotland in London. “Ausschlaggebend ist, dass Griechenland tatsächlich zahlungsunfähig war. Das gestaltet die Vermarktung schwierig und erschwert es, ausländische Investoren an Bord zu holen.”

Der Zugang zum Kapitalmarkt ist Griechenland seit März 2010 versperrt. Damals wurde das Land zum Epizentrum der europäischen Schuldenkrise, die sich jüngst auch auf Zypern ausgeweitet hat. Letztes Jahr musste Griechenland die größte Restrukturierung von Staatsanleihen in der Geschichte vornehmen. Und bei den Wahlen gewannen jene Parteien Stimmen hinzu, die die Bedingungen der 240 Mrd. Euro schweren Hilfspakete ablehnten, was Spekulationen über einen Austritt des Landes aus der Europäischen Währungsunion anheizte.

Wahnsinns-Rally

Am 31. Mai 2012 war die Rendite der griechischen Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit auf 30,83 Prozent geschossen und hatte ein Allzeithoch markiert. Seitdem ist sie massiv gesunken: Am Mittwoch gegen Mittag rentierten die Bonds mit 8,18 Prozent.

Damit liegt die Rendite der zehnjährigen Hellas-Anleihen aber noch immer vergleichsweise hoch. Irische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit rentieren mit 3,45 Prozent und portugiesische Papiere mit 5,49 Prozent. Beide Länder wollen im kommenden Jahr aus ihren Rettungsprogrammen aussteigen.

Griechenland befindet sich im sechsten Rezessionsjahr. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im ersten Jahresviertel auf Jahressicht um 5,3 Prozent und die Arbeitslosenquote ist mit 27 Prozent die höchste in Europa.

Besseres Rating

Es ist aber nicht zu leugnen, dass Griechenland schon große Schritte voran gemacht hat. Fitch Ratings hob die Bonitätsnote des Landes am Dienstag um eine Stufe auf “B-” an und verwies auch auf die “klaren” Erfolge bei der Neuausrichtung der Wirtschaft. Die Euro-Finanzminister sprachen dem Land “beträchtliche Fortschritte bei der Umsetzung der Haushalts-und Strukturreformen” zu, als sie am 13. Mai grünes Licht für die Freigabe der nächsten Kredittranche über 7,5 Mrd. Euro gaben.

Die Regierung in Athen sieht zudem Anzeichen einer wirtschaftlichen Belebung und verweist auf den höchsten Stand beim Geschäftsklimaindex seit über drei Jahren, die sinkenden Preise und die wieder steigenden Einlagen im Bankensystem. Die EU-Kommission erwartet, dass die griechische Wirtschaft 2014 um 0,6 Prozent wachsen wird.

“Es ist notwendig, dass sich der jüngste Trend guter Konjunkturdaten und wirtschaftlicher Erholung fortsetzt und sich auch im politischen Bereich widerspiegelt”, sagt Nomura-Analyst Lefteris Farmakis in London. “Wenn all diese Voraussetzungen erfüllt sind, könnten die Renditen auf ein Niveau kommen, bei dem das Land die Emission kleinvolumiger neuer Anleihen erwägen kann.”

Der griechische Regierungschef Antonis Samaras erklärte in dieser Woche, durch die Emission von Staatsanleihen im kommenden Jahr werde den ausländischen Investoren “Entwarnung” signalisiert. Es zeige, dass das Land wieder auf die Beine komme. “Die Personen, die auf einen Austritt Griechenlands aus dem Euroraum gesetzt haben, wetten jetzt auf die griechische Erfolgsstory”, sagte Samaras in Athen.

Unwahrscheinlich, aber sag niemals nie

Die Bonitätsnoten von Griechenland und Portugal beziehungsweise Irland klaffen derzeit noch weit auseinander. Moody’s Investors Service stuft Griechenland mit “C” ein, der niedrigsten Stufe im Ramsch-Bereich. Das Rating von Portugal liegt acht Stufen höher bei “Ba3” und Irland wird mit “Ba1” nur knapp unterhalb der Güteklasse Investmentgrade benotet.

Irland hatte im März erstmals seit 2010 wieder ein zehnjähriges Papier begeben. Auch Portugal platzierte vergangene Woche über Banken zehnjährige Anleihen. Nach Angaben der Schuldenagentur in Lissabon stieß die erste Emission in dem Laufzeitbereich seit dem Rettungspaket im Jahr 2011 im Ausland auf ein “massives Interesse”.

“Eine Marktrückkehr erscheint gegenwärtig unwahrscheinlich”, meint Michaelides von RBS mit Blick auf Griechenland. “Allerdings haben wir vor einem Jahr auch nicht für möglich gehalten, dass Portugal in diesem Jahr so viele Mittel am Anleihemarkt aufnimmt. Man sollte also niemals nie sagen.”

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