Goldman Sachs, Deutsche Bank und Notenbanker sehen Ende der US-Anleihekäufe

Goldman Sachs, Deutsche Bank und Notenbanker sehen Ende der US-Anleihekäufe

Die US-Notenbank Federal Reserve könnte nach Einschätzung von Chefvolkswirt Jan Hatzius von Goldman Sachs bereits im September eine Reduzierung ihrer Anleihekäufe bekanntgeben, vorausgesetzt Beschäftigung und Inflation nehmen ausreichend zu. In die selbe Kerbe schlagen indes auch Joseph LaVorgna von der Deutsche Bank und mehrere US-Notenbanker.

Während die offizielle Goldman-Prognose weiterhin davon ausgeht, dass die Fed bis Dezember warten wird, bevor sie ihr 85 Milliarden Dollar monatlich umfassendes Anleihekaufprogramm zurückfährt, erklärte Hatzius am Montag, es könne auch schon früher zu einer Reduzierung kommen. “Ein Auslaufen im September ist sicherlich möglich”, sagte Hatzius in einem Interview mit Bloomberg TV auf der Global Macro Conference von Goldman Sachs in London.

Spekulationen, dass eine Erholung der US-Wirtschaft der Fed eine Reduzierung ihrer geldpolitischen Stützungsmaßnahmen ermöglichen wird, haben die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit April 2012 getrieben, ungeachtet der Warnung von Notenbankchef Ben S. Bernanke vor einem zu frühen Abbau des Programms.

"Es geht um das Gesamtbild"

Die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Volkswirtschaft in den nächsten Quartalen rund zwei Prozent wachsen und die Inflationsrate dabei “deutlich unter” dem Zielwert bleiben wird, werde die Fed voraussichtlich veranlassen, bis Dezember abzuwarten, erläuterte Hatzius. Zu einem früheren Rückzug könnte es kommen, wenn die Zahl der Beschäftigten regelmäßig um über 200.000 monatlich ansteige oder die Inflation ohne Berücksichtigung der Preise für Nahrungsmittel und Energie anziehe. “Es ist definitiv ein Mosaik aus verschiedenen Indikatoren”, betonte Hatzius. “Es geht um das Gesamtbild.”

Was Hatzius nicht erwartet, ist eine Wiederholung des Jahres 1994, als ein plötzlicher deutlicher Anstieg der Leitzinsen viele Investoren überraschte. Zwischen Februar 1994 und Februar 1995 hob die Fed ihren Leitzinssatz von einem damals rekordtiefen Wert von drei Prozent auf sechs Prozent an. Die Rendite der 30-jährigen Treasuries kletterte von unter sechs Prozent Ende 1993 auf über acht Prozent Ende 1994.
Aktuell seien Beschäftigung und Inflation niedriger als damals, und die Fed sei transparenter geworden und kommuniziere ihre Pläne den Finanzmärkten bessert, argumentiert Hatzius. “Wir rechnen nicht mit einem neuen 1994.”

Auch US-Chefvolkswirt der Deutsche Bank meldet sich zu Wort

Auf ein vorzeitiges Ende der aggressiven US-Geldpolitik setzt auch Joseph LaVorgna, US-Chefvolkswirt bei der Deutsche Bank. Laut seinen Aussagen wird die US-Notenbank Federal Reserve ihre monatlichen Anleihekäufe im September voraussichtlich um annähernd ein Drittel reduzieren. Zunächst werde die Fed ihre Käufe um 25 Milliarden Dollar verringern, wovon zehn Milliarden Dollar auf Hypothekenanleihen und 15 Milliarden Dollar auf Treasuries entfallen. Damit ginge das monatliche Kaufvolumen von derzeit 85 Milliarden Dollar auf nur noch 60 Milliarden Dollar zurück, schrieb LaVorgna am Dienstag in einer Mitteilung an seine Kunden.

“Die Geldpolitiker steuern weiterhin auf eine Reduzierung bei ihrer Sitzung im September hin”, so LaVorgna. “Das setzt voraus, dass die Abwärtsbewegung bei den Anträgen auf Arbeitslosenhilfe weiter anhält und wir in diesem Sommer mehr Einstellungen beobachten.”
Bis Jahresende dürfte die Fed ihre Anleihekäufe vollständig gestoppt haben, indem sie bei ihren Sitzungen im Oktober und Dezember das Volumen jeweils um 30 Milliarden Dollar kürzt, so die Prognose der Deutschen Bank. Die Bank ist einer der 21 Primärhändler, die direkt mit der Fed Geschäfte machen.

Fed-Vorsitzender Ben S. Bernanke hatte am 22. Mai erklärt, die Notenbank könne einen Abbau des Bondkaufprogramms innerhalb “der nächsten Sitzungen” erwägen, wenn die Geldpolitiker überzeugt seien, dass die Verbesserung in der Wirtschaft anhalten werde. Die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung sind auf 354.000 gefallen, wie Daten des Arbeitsministeriums vom 30. Mai zeigen. Vor zwölf Monaten lagen sie noch bei 382.000 und vor zwei Jahren sogar bei 418.000.

Bis Ende 2014 ist auch eine Zinsanhebung der Fed möglich, so die Prognose der Deutschen Bank.

Auch US-Notenbanker sind für Reduzierung der Staatsanleihenkäufe

Neben den prominenten Vertretern aus dem Bankensektor haben indes wieder einmal US-Notenbanker ein langsames Zudrehen des Geldhahnes in den USA gefordert. Die Präsidentin der Fed von Kansas, Esther George, sagte am Dienstag laut Redetext, dass das Tempo bei den Staatsanleihenkäufen gedrosselt werden solle. Das sei kein Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik, sondern eine Maßnahme, um die Finanzmärkte von ihrer Abhängigkeit von billigem Geld zu entwöhnen. "Ein langsameres Tempo bei den Ankäufen bedeutet, dass man weniger Gas gibt, nicht, dass man auf die Bremse tritt." Allerdings musste George die Rede wegen Unwohlseins kurzfristig absagen.

Auch der Präsident der Fed von Dallas, Richard Fisher, forderte eine Überprüfung der Geldpolitik und möglicherweise Änderungen an den massiven Konjunkturstützen. Die Kurse an der New Yorker Börse gaben nach, auch der deutsche Leitindex DAX lag im Minus.

George befürchtet, dass gefährliche Blasen auftreten, wenn die Fed zu lange an ihren massiven Konjunkturstützen festhält. Es bestehe die Gefahr von Instabilität im Finanzsystem und Inflationsdruck in der Zukunft. Am Markt werde die ultralockere Geldpolitik inzwischen als "konventionell" bewertet, sagte sie. "Als Ergebnis werden einige Sektoren der Wirtschaft zunehmend abhängig von Zinsen nahe Null und der quantitativen Lockerung." Fisher sagte, die Verantwortlichen dürften sich nicht von den Märkten die Richtung vorgeben lassen. "Menschenskinder, wir können nicht in der Furcht leben, dass der Markt unglücklich sein wird, weil wir ihm nicht das Geld-Kokain geben."

George und Fisher gelten als Kritiker des Ankaufprogramms. George, die im Unterschied zu Fisher im maßgeblichen Offenmarkt-Ausschuss der Federal Reserve stimmberechtigt ist, spricht sich seit Monaten für ein langsameres Tempo aus. Zuletzt hatte aber auch Notenbankchef Ben Bernanke angekündigt, auf die Bremse zu treten, wenn die Wirtschaft an Kraft gewinnt. Experten gehen davon aus, dass in einem ersten Schritt das Volumen der Staatsanleihenkäufe gedrosselt wird. "Dabei dürfen wir nicht vergessen: Wir reden hier nicht von einer Reduzierung der Überschuss-Liquidität, sondern lediglich von einem etwas geringeren Zufluss weiterer Liquidität", sagte Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank.

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