Gläubiger als Marionetten im Spiel der staatlichen Schuldenliquidation

Gläubiger als Marionetten im Spiel der staatlichen Schuldenliquidation

Die Staaten und ihre Zentralbanken sind schnell dabei, wenn es darum geht, die Vorteile der quantitativen Lockerung und der beinahen Nullzinspolitik für das Wirtschaftswachstum zu propagieren. Dass diese Politik ihnen aber auch ermöglicht, Geld zu Konditionen aufzunehmen, die deutlich unter dem sonst geltenden Marktzins liegen, verschweigen sie.

Dauerhaft niedrige Zinsen sind angesichts der außerordentlich hohen Schuldenlast, unter der die Industrienationen leiden, ohne Zweifel ein wichtiges geldpolitisches Instrument. Sie sind entscheidend in Fällen, in denen die private Verschuldung sehr hoch ist und sie können zur Stimulierung der Ausgaben von Privathaushalten und Unternehmen beitragen. Kurzfristig kann ein Staat dank niedriger Zinsen seine Schulden billiger bedienen und so auf härtere Fiskalmaßnahmen verzichten. Diese wären anderenfalls nötig, um das Steueraufkommen, dass zur Deckung höherer Zinszahlungen erforderlich ist, zu generieren.

Gläubiger werden von "unsichtbarer Steuer" getroffen

Wenn sich die Notenbanken aktiv um ein negatives Realzinsniveau bemühen, folgt daraus, dass sie den Anlegern negative Realrenditen aufbürden. Faktisch unterwerfen sie die Gläubiger einer unsichtbaren Steuer und erzwingen damit eine Umverteilung des Vermögens von jenen, die keine sofortigen Ausgaben planen, zu denen, die ihr Vermögen jetzt investieren.

Indem negative Zinsen den realen Wert der öffentlichen Schulden erodieren bzw. vernichten, tragen sie neben einer moderaten Inflation auch zu einer Reduzierung der Staatsschuldenquote bei. Sofern die Schulden in Binnenwährung denominiert sind. In ihrer Studie über die Liquidation von Staatsschulden über negative Zinsen haben Carmen Reinhart und Belen Sbrancia herausgefunden, dass die Realzinsen in den untersuchten Industrieländern zwischen 1945 und 1980 rund die Hälfte der Zeit über negativ waren. In den USA und Großbritannien schlug die Schuldenliquidation über negative Realzinsen pro Jahr mit durchschnittlich drei bis vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu Buche, so die Schätzung der beiden Ökonominnen. Jährliche Defizitreduzierungen in einem solchen Ausmaß summieren sich im Laufe eines Jahrzehnts auch ohne Aufzinsung rasch zu einem Schuldenstand, der gemessen am BIP um 30 bis 40 Prozent niedriger ausfällt.

Devisenmärkte als neue Finanzpolizei

Die Preisverzerrungen bei einigen finanziellen Vermögenswerten, mit denen das labile Finanzsystem der Industrieländer gestützt werden soll, sind eine weitere Folge der beinahen Nullzinspolitik. Diese Unsicherheit hat neben den verhaltenen Wachstumsaussichten die Anleger ein zu hohes Vertrauen in traditionelle „sichere Häfen“ wie Staatsanleihen setzen lassen.

Viele Regierungen haben mittels quantitativer Lockerung massiv am eigenen Rentenmarkt interveniert, so dass die Aufgabe der Überwachung staatlichen Finanzverhaltens mittlerweile zunehmend von den Devisenmärkten statt den globalen Bondmärkten wahrgenommen wird.

Achillesferse Europa

Die Aktien-Anleger sollten insbesondere die labile Verfassung Europas nicht aus dem Blick verlieren. In Europa könnte die Vermögenskonfiszierung zur Rettung zypriotischer Banken noch Folgen für das breitere Finanzsystem haben. Die lange andauernde Regierungsbildung in Italien spiegelt die Ernüchterung und die ablehnende Haltung gegenüber Reformen wider, die jedoch zur Wiederherstellung des Wachstums notwendig sind. Frankreich schrumpft unterdessen im Zuge sinkender Exporte und steigender Schulden.

Das Vertrauen der Anleger in die Notenbanken ist jedenfalls zu groß, denn sie sind weder allwissend noch allmächtig. Es darf bezweifelt werden, ob es sinnvoll ist, in einer ohnehin schon überschuldeten Welt, die Staatsanleihenkäufe weiter auszuweiten, wie es viele Institutionen gerade tun. Die Inflationsraten sind nicht besorgniserregend, aber die realen Renditen – sprich das, was nach Abzug der Inflation effektiv als Rendite verbleibt – sind bei vielen Staatsanleihen negativ. Es ist eine Situation und eine Anamolie, die nicht ewig anhalten kann.

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