"Geld zu drucken, ist für die EZB ein Ding der Unmöglichkeit"

"Geld zu drucken, ist für die EZB ein Ding der Unmöglichkeit"

Nachdem EZB-Präsident Mario Draghi Liquidität ins Bankensystem gepumpt und die Zinsen auf ein Rekordtief gesenkt hat, gehen ihm allmählich die Instrumente zur Senkung der Fremdkapitalkosten aus, sagen Bondstrategen. Aber er wird sie möglicherweise gar nicht benötigen. Denn die EZB segelt im Windschatten der Fed und der Bank of Japan.

Zwar hat Draghi am 6. Mai gesagt, er sei bereit, erneut zu handeln und er könnte in Betracht ziehen, die Banken für Gelder, die sie bei der Notenbank parken, zur Kasse zu bitten. Aber seine Amtskollegen in Japan und den USA drucken Geld, was hilft, die Renditen in Europa zu drücken, da sich internationale Investoren auf der Suche nach höheren Renditen in Spanien und Italien umschauen.

“Sie wissen, dass ein Teil der Lockerung für sie von anderen Zentralbanken erledigt wird. Wenn die japanische Notenbank sagt, dass sie die Liquidität erhöht, trägt das dazu bei, die Kernrenditen nach unten zu drücken”, sagt Steven Major, Leiter weltweite Analyse Festverzinsliche bei HSBC Holdings in London. “Die EZB weiß, dass sie in gewisser Weise im Windschatten der Politik der japanischen und US- amerikanischen Notenbank segelt.”

Spanische Bonds, die als Stimmungsbarometer für die europäische Schuldenkrise gelten, haben seit dem 4. April eine Rally hingelegt, als die japanische Notenbank sagte, sie werde die Bondkäufe ausweiten, um die Deflation zu bekämpfen. Sie kommen auf einen Ertrag von 4,1 Prozent, verglichen mit Verlusten für japanische Bonds, US-Treasuries und deutsche Bundesanleihen, wie aus den von Bloomberg und der European Federation of Financial Analysts Societies erstellten Indizes hervorgeht.

Die Bank of Japan (BOJ) hat im vergangenen Monat angekündigt, sie wolle die monatlichen Anleihekäufe auf mindestens 7 Billionen Yen ausweiten (53 Mrd. Euro). Die Federal Reserve erwirbt jeden Monat Bonds im Volumen von 85 Mrd. Dollar, während die Bank of England in der vergangenen Woche ihr Bondkaufziel unverändert bei 375 Mrd. Pfund beließ.

Eine Reihe von EZB-Bondkäufen, die im März 2012 ausgesetzt wurden, hat die Geldmenge nicht erhöht, weil die Notenbank diese im gleichen Volumen neutralisiert hat, um zu gewährleisten, dass sie keine Inflationsgefahr darstellen.

Quantitative Lockerung à la Fed geht nicht

“Der grundlegende Punkt bei der EZB im Gegensatz zur Fed, der Bank of England oder der BOJ ist, dass es gewisse Dinge gibt, die sie nicht tun kann”, sagt Marc Ostwald, Stratege für Festverzinsliche bei Monument Securities Ltd. in London. Eine quantitative Lockerung, bei der die Notenbank für den Kauf von Wertpapieren Geld druckt, sei “ein Ding der Unmöglichkeit”, erläutert er.

Die Renditen der zehnjährigen spanischen Anleihen sind zwischen dem 4. April und 2. Mai, dem Tag als die EZB ihren Hauptrefinanzierungssatz auf ein Rekordtief von 0,5 Prozent senkte, um 87 Basispunkte gefallen. Der Risikoaufschlag gegenüber Bundesanleihen hat sich von 367 Basispunkten am 4. April auf 289 Basispunkte verringert.

Die Aussichten, dass japanische Investoren im Ausland nach höheren Erträgen Ausschau halten, und die EZB-Zinssenkung haben dazu beigetragen, die zehnjährigen französischen Bondrenditen auf ein Rekordtief von 1,66 Prozent am 2. Mai zu drücken. Die belgischen Fremdkapitalkosten im Zehn-Jahres-Bereich sind ebenfalls auf ein Euro-Ära-Rekordtief von 1,90 Prozent am 3. Mai gefallen.

Aus Daten des Finanzministeriums geht hervor, dass japanische Fondsmanager in den zwei Wochen bis zum 3. Mai Nettokäufer ausländischer Bonds waren, nachdem sie in den sechs Wochen bis 19. April ihre Positionen reduziert hatten. Das war die längste Phase von Nettoverkäufen seit Januar 2010.

Negativer Einlagenzins?

Das soll jedoch nicht heißen, dass die Maßnahmen von Draghi nicht der Haupteinflussfaktor am Bondmarkt waren. Im November und Dezember 2011, bei seinen ersten beiden EZB-Ratssitzungen als Präsident, senkte er den Leitzins. Als die Krise sich verschlimmerte, pumpte er über zwei Tranchen so genannter längerfristiger Refinanzierungsgeschäfte eine Billion Euro ins Bankensystem. Des weiteren sicherte der EZB-Chef am 26. Juli zu, dass die Währungshüter alles Nötige zum Erhalt der Währungsunion tun werden. Im September wurde dann ein Bondkaufplan mit dem Namen geldpolitische Outright-Geschäfte (OMT) bekannt gegeben, welcher der EZB den Kauf von kurzfristigen Papieren von Euroraum-Ländern, die sich einem Hilfsprogramm unterwerfen, ermöglicht.

Draghi sagte in diesem Monat, die EZB habe eine “unvoreingenommene Haltung” gegenüber der Möglichkeit den Einlagesatz erstmals unter null zu senken. Eine solche Maßnahme könnte die Banken ermutigen, Gelder eher auszuleihen als sie bei der Notenbank zu parken.

Aber das könnte auch die Rentabilität der Banken über niedrigere Geldmarktsätze beeinträchtigen, was möglicherweise das Kreditangebot für Unternehmen und private Haushalte weiter reduzieren könnte.

Die Zinssenkungen werden zwar weniger effektiv, da die Zinsen gegen null gehen, räumte EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch am 8. Mai ein. Aber die Notenbank habe noch “Werkzeuge in ihrem Werkzeugkasten”, die der “Situation angemessen” wären.

Die Notenbank erwägt Optionen zur Wiederbelebung des Marktes für forderungsbesicherte Wertpapiere und zur Förderung von Krediten an kleine und mittelgroße Unternehmen zusammen mit der Europäischen Kommission und der Europäischen Investitionsbank.

“Es ist weniger eine Frage, was sie noch in ihrem Werkzeugkasten haben, sondern was sie zu nutzen bereit sind”, erläutert Owen Callan, Analyst bei Danske Bank A/S in Dublin. “Ich glaube nicht, dass es negative Zinsen geben wird, angesichts der unbeabsichtigten Folgen. Ich sehe nicht, wie negative Zinsen oder eine weitere Zinssenkung helfen würden.”

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