"Ganz klar gibt es Angst im Markt"

"Ganz klar gibt es Angst im Markt"

Die Finanzierungskosten für die Unternehmen - von den kreditwürdigsten bis zu den bonitätsschwächsten - sind die sechste Woche in Folge gestiegen, auf 3,79 Prozent, wie Indizes von Bank of America Merrill Lynch zeigen. Das ist die längste Phase steigender Renditen seit 2008.

In Anbetracht der höheren Finanzierungskosten hat der brasilianische Anlagenbauer Odebrecht in der vergangenen Woche eine geplante Anleihe zurückgestellt und der US-amerikanische Kerzenhersteller Yankee Candle Co sagte eine Emission ab. Weltweit sank das Emissionsvolumen in der Woche bis zum 14. Juni auf ein Fünf-Monats-Tief von 43,2 Mrd. Dollar, zeigen Daten, die Bloomberg zusammengestellt hat. Der wöchentliche Durchschnitt für dieses Jahr liegt dagegen bei 80,7 Mrd. Dollar.

Sechs Wochen, nachdem sich die Unternehmen die niedrigsten Zinsen aller Zeiten sichern konnten, schwindet die Emissionstätigkeit, denn die Investoren gehen von einem Anstieg des Renditeniveaus aus. Auslöser war, dass die US-Notenbank Federal Reserve erwägt, ihre monatlichen Anleihekäufe im Gesamtvolumen von 85 Mrd. Dollar zu reduzieren. Das veranlasste Anleihe-Fonds aus Festverzinslichen auszusteigen und sorgte für den zweiten monatlichen Verlust bei den Schuldverschreibungen von Unternehmen. Die bislang erzielten Gewinne in diesem Jahr sind damit weggeschmolzen.

“Viele Leute sind auf dem falschen Fuß erwischt worden”, sagt Kathy Jones, Strategin für Festverzinsliches bei Charles Schwab in New York in einem Telefoninterview mit Bloomberg. Die Emittenten “sehen eine große Volatilität und niemand will die Konditionen in einem relativ illiquiden Markt festlegen”, ergänzte sie.

Die Renditen von Unternehmensanleihen sind laut Bank of America Merrill Lynch Global Corporate & High Yield Index von einem Rekordtief bei 3,09 Prozent am 2. Mai um 0,4 Prozentpunkte gestiegen. “Ganz klar gibt es Angst im Markt”, sagt Sabur Moini, Vermögensverwalter bei Payden & Rygel in Los Angeles, in einem Telefoninterview. “Keiner ist sich wirklich sicher, in welche Richtung sich die Zinsen bewegen werden.”

Die relativen Renditen von Unternehmenspapieren aus den USA, Europa und Asien erhöhten sich in der vergangenen Woche um fünf Basispunkte auf 148 Basispunkte - der höchste Wert seit dem 8. April, wie der Bank of America Merrill Lynch Global Corporate Index zeigt. Die Renditen stiegen von 2,7835 Prozent am 7. Juni auf 2,7847 Prozent.

Meisten Finanzierungsprogramme sind bereits abgeschlossen

Die Emissionen, im Volumen von 1,9 Billionen Dollar in diesem Jahr, verlangsamen sich. Gleichwohl liegt das Volumen noch höher als mit 1,8 Mrd. Dollar im Vorjahreszeitraum. Im Juni kamen Unternehmensanleihen für 104,7 Mrd. Dollar an den Markt, im Vergleich zu 120 Mrd. Dollar im Juni 2012. In dem Jahr erreichten die Anleiheemissionen das Rekordvolumen von 3,97 Billionen Dollar.

“Wir lagen auf Rekordkurs, bis die Dinge in der vergangenen Woche mit einem Kreischen zum Stehen kamen”, sagt Edward Marrinan, Makro-Credit-Stratege bei RBS Securities in Stamford, Connecticut, in einem Telefoninterview. “Die meisten Emittenten sind deutlich voran gekommen, wenn sie nicht gar ihre Finanzierungsprogramme abgeschlossen haben”, fügte er an.

“Es wird einige Emittenten geben, die sagen: ’Das hätten wir auch für 50 Basispunkte weniger tun können’”, sagt Jones von Charles Schwab, “aber letztlich sind die Zinsen immer noch ziemlich niedrig.” Am 12. Juni erreichten die Renditen 3,5675 Prozent. Das war der höchste Wert seit September, liegt aber immer noch deutlich unter dem Durchschnitt von 5,05 Prozent von 2005 bis Ende 2006, wie Indizes von Bank of America Merrill Lynch zeigen.

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