Fed reitet die Welle des billigen Geldes

Fed reitet die Welle des billigen Geldes

Doch hinter den Kulissen hat in der Federal Reserve längst eine hitzige Debatte darum begonnen, wie lange der im Kampf gegen die Krise eingeschlagene ultraexpansive geldpolitische Kurs noch fortgesetzt werden sollte.

Einerseits sind Fed-Chef Ben Bernanke, seine Stellvertreterin Janet Yellen und die große Mehrheit im entscheidenden Offenmarktausschuss (FOMC) überzeugt, dass ihr Weg auf Sicht ohne Alternative ist. Andererseits formiert sich langsam aber sicher der Widerstand - bislang jedoch nur unter den in diesem Jahr nicht stimmberechtigten FOMC-Mitgliedern.

Erst in den vergangenen Tagen äußerten Richard Fisher, der Chef des Fed-Ablegers in Dallas, und sein Kollege aus Philadelphia, Charles Plosser Kritik an Bernankes Kurs. Sie wollen die dritte Ankaufrunde für Staatsanleihen seit 2008/09 möglichst schnell beenden - bis Ende des Jahres. Allerdings ist das nicht nur wegen der Mehrheitsverhältnisse im FOMC eher Wunschdenken, das so schnell wohl nicht erfüllt werden dürfte. Knackpunkt für die Fed ist und bleibt nämlich der Arbeitsmarkt zwischen Chicago und Los Angeles. Die Arbeitslosenquote ist mit 7,7 Prozent noch immer viel zu hoch, fiel zuletzt aber immerhin etwas weiter in Richtung 6,5 Prozent. Bis zu diesem Niveau will Bernanke mindestens noch frisches Geld in die Wirtschaft pumpen.

Zu wenig Jobs

Grund für diese positive Entwicklung ist allerdings weniger, dass ausreichend neue Arbeitsplätze entstehen, sondern dass immer mehr Amerikaner die Suche nach einem Job aufgeben und deshalb nicht mehr in der Statistik auftauchen. Allerdings: im Februar schufen die Firmen in der weltgrößten Volkswirtschaft stolze 236.000 Stellen. Doch das dürfte Bernanke nicht reichen. Das sieht auch Christoph Balz so, der die Zentralbank der USA für die Commerzbank beobachtet: "Wir schätzen, dass die Fed schon ein monatliches Beschäftigungsplus von dauerhaft über 200.000 sehen möchte, bevor sie die Käufe verringert. Dies ist derzeit noch nicht der Fall." Hinzu kommt die Unsicherheit, wie sich die automatischen Kürzungen im Bundeshaushalt auf die Wirtschaft auswirken. Diese traten kürzlich in Kraft, weil sich das fast hoffnungslos gespaltene politische Washington bislang nicht auf einen Sparkurs verständigen konnte.

Weitet man den Blick über den Arbeitsmarkt hinaus, tut sich aber durchaus etwas zwischen San Francisco und New York. Für viele Ökonomen besonders erfreulich ist dabei die Belebung der Ausrüstungsinvestitionen, die im vergangenen Jahr sehr stark eingebrochen waren - vermutlich wegen der von der Krise in Europa ausgehenden Verunsicherung, die weltweit die Industrie erfasste. Doch die guten Nachrichten dürften nach Einschätzung der Analysten der Postbank nicht ausreichen, um Bernanke von seinem eingeschlagenen Weg abzubringen: "Von den zuletzt recht guten Konjunkturdaten dürfte sich die US-Notenbank nicht in ihrem expansiven Kurs beirren lassen, zumal ihr die sehr mäßige Teuerungsrate ausreichend Raum lässt, die konjunkturelle Entwicklung der USA zu unterstützen."

Welle billigen Geldes

An den Finanzmärkten herrscht ohnehin die Meinung vor, dass die Fed den Geldhahn noch länger weit geöffnet lassen wird. Zwar wissen die Investoren natürlich, dass Bernanke eines Tages die Börsenparty jäh beenden wird und auch muss. Doch bis dafür die Zeit reif ist, ist dürfte der Dow Jones -Index an der Wall Street weiter auf einer Welle billigen Geldes von einem Rekord zum nächsten surfen, zumindest wenn nicht eine Verschärfung der Krise in Europa dazwischen kommt: zuletzt stieg er zehn Tage in Folge - die längste Gewinnserie seit 1996. Vincent Reinhart, früher Mitarbeiter der US-Notenbank und heute Volkswirt bei der US-Großbank Morgan Stanley, glaubt: "Die Notenbanker werden den Finanzmärkten versichern wollen, dass eine schnelle Wende in der Geldpolitik nicht bevorsteht."

Eine Kompromisslinie für beide Lager innerhalb der Fed könnte sein, die Bondkäufe gegen Jahresende nicht abrupt zu beenden, sondern langsam auslaufen zu lassen: Bernanke und die "Tauben" genannten Befürworter einer lockeren Geldpolitik könnten dann den Stimulus für die US-Wirtschaft noch so lange wie möglich am Leben erhalten. Das Lager der "Falken", die schnellstmöglich den Fuß vom geldpolitischen Gaspedal nehmen möchten, könnte sich zur selben Zeit dann über den "Einstieg in den Ausstieg" aus der aus ihrer Sicht zu lockeren Geldpolitik freuen. Bis Bernanke damit beginnt seine Medizin für die Wirtschaft tatsächlich abzusetzen, dürften aber wohl noch einige Monate ins Land gehen.

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