Fed, EZB & Co 2013 zwischen Rezession und Druckerpresse

Fed, EZB & Co 2013 zwischen Rezession und Druckerpresse

Nie waren die Währungshüter so mächtig und zugleich ohnmächtig, und selten so stark unter Druck durch Politik und Finanzmärkte. Es folgt eine Übersicht über die Herausforderungen, vor denen die Zentralbanker in Europa, den USA und Japan stehen:

Europäische Zentralbank (EZB):

EZB-Präsident Mario Draghi kann mit Lorbeeren bedacht ins neue Jahr starten - gerade erst wurde er von der "Financial Times" zur Person des Jahres 2012 gekürt. Seine wichtigste Herausforderung: Wie reagiert die Notenbank unter der Führung des Italieners auf die Rezession in vielen Teilen der Euro-Zone? An der Zinsschraube kann er bei einem bereits rekordniedrigen Leitzins von 0,75 Prozent so gut wie nicht mehr drehen. Ob es, wie von vielen Ökonomen erwartet, in den ersten Monaten des neuen Jahres aber auf Druck der Zentralbanker aus südlichen Ländern doch zu einer Zinssenkung kommt, bleibt abzuwarten.

Abwarten heißt die Devise auch in der Schuldenkrise: Denn ob und wann die Notenbanker mit unbegrenzten Staatsanleihenkäufen überschuldeten Ländern unter die Arme greifen, hängt davon ab, ob diese unter den Rettungsschirm ESM schlüpfen. Sollte Spanien diesen Schritt wagen, wird Draghi Bonds der Südeuropäer in großem Stil auf die EZB-Bilanz nehmen müssen. Schon heute ist klar, dass es dann erneut zum Schlagabtausch mit den Deutschen kommen wird - allen voran mit Bundesbank-Chef Jens Weidmann. Der dürfte auch im neuen Jahr Draghi immer wieder daran erinnern, dass es für die Deutschen Grenzen gibt, welches Waffenarsenal eine Notenbank einsetzen und welche Risiken sie eingehen darf.

In der mindestens ebenso wichtigen Frage der Bankenaufsicht schließt sich das nächste Konfliktfeld nahtlos an. Zwar ist inzwischen klar, dass die größten 130 bis 150 Banken in Europa künftig direkt von der EZB kontrolliert werden und die übrigen Geldhäuser in der Obhut der nationalen Aufseher bleiben. Doch die Bundesbank hegt weiter Zweifel daran, ob die Struktur der Aufsicht auch europarechtlich auf solidem Fundament steht und es nicht zu einer Vermischung von Geldpolitik und Bankenaufsicht kommt. Für Weidmann steht dabei nicht weniger auf dem Spiel als die Unabhängigkeit der Zentralbank.

Federal Reserve (FED):

Die Fed feiert im kommenden Jahr ein besonderes Jubiläum: Die mächtigste Notenbank der Welt wird 100 Jahre alt. Seit dem 23. Dezember 1913 sorgt die halb staatlich, halb privatwirtschaftlich organisierte Zentralbank dafür, dass der Finanzkreislauf der weltgrößten Volkswirtschaft reibungslos funktioniert. Sie hat zahllose Krisen überstanden und steht doch zum Jubiläum wegen ihrer Politik in der seit 2007 tobenden Krise so stark in der Kritik wie selten.

Fed-Chef Ben Bernanke, der mit der Wiederwahl von Barack Obama zum Präsidenten im November noch mal mit einem blauen Auge davon gekommen ist, hat mittlerweile den Autopiloten eingestellt und will den Leitzins so lange bei null Prozent halten, bis die Arbeitslosenquote bei 6,5 Prozent liegt. Das dürfte dauern. Die Fed selbst rechnet nicht damit, dass der Schlüsselzins vor Mitte 2015 steigt.

Bis dahin läuft Bernankes Notenpresse also mindestens auf vollen Touren. Niemand kann wirklich sagen, ob die Strategie des früheren Princeton-Ökonomen auch aufgeht, die Finanzkrise mit immer mehr Liquidität quasi zu ertränken. Für Bernanke sind erste kleine Erfolge im Jahr 2013 allerdings Pflicht. Ansonsten dürfte es für Obama schwer werden, seinen Wählern verständlich zu machen, warum er Bernanke 2014 für eine dritte Amtszeit an der Spitze der Notenbank belässt - vorausgesetzt der will noch.

Bank of England (BOE):

Die nach der schwedischen Riksbank zweitälteste Zentralbank der Welt steht im kommenden Jahr vor einem ganz besonderen Machtwechsel. Erstmals wird im Juli mit Mark Carney nicht mehr ein Brite auf dem Chefsessel der ehrwürdigen Institution im Herzen Londons Platz nehmen. Der Kanadier ersetzt Sir Mervyn King, der nach zwei Amtszeiten in den Ruhestand geht. Carney übernimmt das Ruder an der Themse in einer schwierigen Zeit. Die Krise in Großbritannien ist alles andere als gelöst. Und die erst 1997 überhaupt in die Unabhängigkeit entlassene Zentralbank ist zudem ab 2013 mit einer immensen Machtfülle ausgestattet, wie sie bislang undenkbar war. Als Oberaufseher über die Banken am Finanzplatz London dürfte es für Carney von Vorteil sein, dass er an den neuen Regeln für die Branche mitgeschrieben hat: als Chef des von den G20-Ländern mit der Reform des Finanzsektors betrauten Financial Stability Board (FSB). Als Gouverneur der Bank von England kann er das neue Regelwerk nun im Praxistest erproben.

Bank of Japan (BOJ):

Japans Zentralbank hat mit dem Erdrutschsieg des künftigen Ministerpräsidenten Shinzo Abe und seiner konservativen LDP de facto ihre Unabhängigkeit verloren. Wie Reuters erfuhr, wird die Zentralbank noch in dieser Woche ihre ohnehin bereits ultralaxe Geldpolitik weiter lockern und noch mehr Geld in die Wirtschaft pumpen. Spätestens im Januar wird der von nun an wohl am Gängelband Abes hängende Notenbankchef Masaaki Shirakawa dann wohl auch das Inflationsziel auf zwei Prozent anheben und damit dem Wunsch des neuen starken Mannes nachkommen. Abe hatte einen ungewöhnlichen Wahlkampf gemacht und mit massiven Forderungen an die Notenbank bei den Wählern punkten können. Japan befindet sich seit vielen Jahren in einer Spirale aus Wirtschaftflaute und Deflation. Ob noch mehr billiges Geld der Notenbank ab 2013 die Wende bringt, wird sich zeigen.

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