Fed, EZB und Bank of England experimentieren – und der Markt ist die Laborratte

Fed, EZB und Bank of England experimentieren – und der Markt ist die Laborratte

Die Anleihenotierungen haben in den vergangenen drei Monaten deutliche Kursausschläge verzeichnet. Die Rendite zehnjähriger Treasuries etwa bewegte sich in einer Spanne von 1,63 bis 2,74 Prozent - der schnellste Renditeanstieg seit 2010. Fed-Chef Bernanke tat sich schwer, den Märkten ein klareres Bild zu geben, wann die Notenbank ihr Anleihekaufprogramm reduzieren und schließlich einstellen werde.

“Wenn das eine Wissenschaft ist, dann sind wir die Versuchskaninchen im Labor”, sagte Vincent Reinhart, leitender Volkswirt bei Morgan Stanley in New York, der von 2001 bis 2007 bei der Fed als Chefstratege für die Geldpolitik arbeitete.

Weitere Zwischenfälle in der Kommunikation sind wahrscheinlich. EZB und Bank of England mühen sich, ihre Botschaften im Markt zu platzieren, sagte Gilles Moec, Co- Chefvolkswirt für die Europäische Wirtschaft bei der Deutschen Bank AG und ein ehemaliger Notenbanker der Banque de France. “Das Potenzial für zeitweilige Pannen im Dialog zwischen Notenbanken und Markt ist erheblich”, sagte Moec.

Alle drei Notenbanken haben in dieser Woche separate Treffen. Die Fed tagt am Dienstag und am Mittwoch. Die EZB und die Bank von England geben am Donnerstag ihre geldpolitischen Beschlüsse bekannt.

EZB-Präsident Mario Draghi sagte am 4. Juli, die Notenbank erwarte, dass der Leitzins für einen längeren Zeitraum auf dem gegenwärtigen oder einem niedrigeren Niveau verharren werde. Der Hauptrefinanzierungssatz liegt derzeit bei 0,5 Prozent, der Einlagensatz bei null Prozent.

Die Bank von England unter der Führung ihres neuen Notenbankgouverneurs Mark Carney teilte am selben Tag mit, die Erwartungen im Markt mit Blick auf eine restriktivere Geldpolitik seien nicht gerechtfertigt. Die britische Notenbank überlegt derzeit, wie sie die Markterwartungen lenken soll. Der Ausgang dieser Überlegungen werde erhebliche Bedeutung für die geldpolitische Diskussion der Währungshüter im August haben, teilte sie mit.

Abkoppelung von den USA

Die Eurozone und Großbritannien setzen auf die von der Fed verfolgte Strategie einer Lenkung der Markterwartungen. Damit wollen sie die enge Koppelung ihrer Anleihemärkte an denjenigen der USA locker, vermutet Nathan Sheets, Leiter internationale Volkswirtschaft bei Citigroup Inc. in New York. “Die US-Wirtschaft ist der Volkswirtschaft in Großbritannien und in der Eurozone sowohl im Konjunkturzyklus als auch von der Stärke der Erholung her weit voraus”, sagte Sheets, der zuvor Direktor für internationale Finanzangelegenheiten bei der Fed war. “Etwas höhere Renditen in den USA sind angemessen, aber es ist schwer zu sagen, ob höhere Zinsen für Großbritannien und die Eurozone angemessen wären.”

Die Prognosen von Sheets und seinen Kollegen bei der Citigroup lassen vermuten, dass die Rechnung von EZB und Bank von England, ihre Märkte vom Einfluss der USA abzuschirmen, zum Teil aufgehen wird. Sie erwarten für das vierte Quartal 2014 eine durchschnittliche Rendite bei zehnjährigen Bundesanleihen von 1,8 Prozent und bei britischen Gilts gleicher Laufzeit von 2,75 Prozent. Bei US-Treasuries rechnen die Analysten mit einem stärkeren Zinsschub auf durchschnittlich 3,25 Prozent im vierten Quartal 2014.

Die Rendite zehnjähriger Treasuries lag am Dienstag bei 2,58 Prozent, zehnjährige Gilts rentierten 2,31 Prozent und zehnjährige Bundesanleihen rentierten 1,66 Prozent.

Die US-Notenbank hatte 2003 damit begonnen, den Märkten mit Ausblicken Anhaltspunkte zur Orientierung an die Hand zu geben. Damals teilte die Fed mit, die Geldpolitik könne für “eine erhebliche Zeitspanne” locker bleiben, nachdem die Fed zuvor die Leitzinsen auf das damalige Rekordtief von einem Prozent gesenkt hatte.

Die Fed entwickelte den Ansatz in der Finanzkrise und danach weiter. Es ging ihr darum, außerhalb der Senkung der Leitzinsen auf nahe Null Mittel und Wege zu finden, die Konjunktur zu beleben.

Eine Gefahr für die Glaubwürdigkeit

Die Bank von England (BoE), deren neuer Notenbankgouverneur Mark Carney zuvor in der Bank of Canada ebenfalls mit der Kommunikation von Prognosen begonnen hatte, wird einem Gesuch des britischen Schatzkanzlers George Osborne folgen und bei der Präsentation der Quartalsprognose zur Wirtschaftsentwicklung am 7. August Schwellenwerte und Ausblicke liefern, wie aus dem Protokoll des BoE-Treffens vom 3. und 4. Juli hervorgeht. Damit sind Hinweise zur Umsetzung der neuen Kommunikationsstrategie eher am 7. August zu erwarten als bei der Bekanntgabe der Zinsentscheidung am 1. August.

Ein Problem mit der Orientierung im Rahmen von Ausblicken besteht darin, dass sie eine Gefahr für die Glaubwürdigkeit der Notenbanken darstellen können. Denn es entsteht dabei möglicherweise der Eindruck, dass die Notenbankpolitik sich an einem einzelnen Indikator ausrichtet, während etwa ein zeitlicher Rahmen von unerwarteten Ereignissen durcheinander gewirbelt werden kann.

“Notenbanken haben keine Ahnung, was in der Zukunft passieren wird. Wer sich also in eine bestimmte Richtung festlegt, geht Risiken ein”, sagte Jonathan Loynes, Chefvolkswirt Europa bei Capital Economics Ltd. in London. “Wenn sich die Lage anders entwickelt als angenommen, ergibt sich daraus möglicherweise eine neue Sicht. Das Ergebnis wäre dann, dass jeglicher Ausblick, der vorgelegt wird, mit einem Mangel an Glaubwürdigkeit behaftet ist.”

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