EU will London die Libor-Kontrolle entziehen

EU will London die Libor-Kontrolle entziehen

Die Europäische Union erwägt, die Aufsicht über den von einem Manipulationsskandal erschütterten Interbankensatz Libor der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA zu übertragen.

16 weltweit aktive Institute sind an der Feststellung des überaus wichtigen Interbanken-Zinssatzes beteiligt, auf dem unzählige Wertpapier-Geschäfte basieren. Die Geldhäuser schätzen dabei, zu welchen Konditionen sie sich von anderen Banken Geld leihen können. Das Prozedere ist aber, wie sich gezeigt hat, anfällig für Tricksereien. So soll der Libor zwischen 2007 und 2010 immer wieder manipuliert worden sein.

Regulierung des Libor soll von Großbritannien nach Paris verlegt werden

Nun schlägt die Europäische Kommission vor, die Regulierung des Libor von Großbritannien an die in Paris angesiedelte ESMA zu verlegen, die künftig Manipulationen des wichtigen Interbanken-Zinssatzes unterbinden soll. Der für den Finanzmarkt zuständige EU-Kommissar Michel Barnier will nach einem noch unveröffentlichten Gesetzentwurf alle bedeutenden Indizes von der ESMA überwachen lassen. Dazu dürften neben dem Libor (London Interbank Offered Rate) auch der Euribor, aber etwa auch Öl-Indizes gehören. Damit würde Barnier dem europaweit wichtigsten Finanzplatz London die Aufsicht entziehen. Dort ist überhaupt erst seit April eine Behörde für die Überwachung des Libor zuständig. Bis dahin war er unkontrolliert von einer Bankenvereinigung ermittelt worden.

"Indizes sind weltweit von Bedeutung. Sie sollten auch auf europäischer Ebene beaufsichtigt werden", sagte ein mit Barniers Entwurf vertrauter EU-Beamter am Donnerstag. In der Finanzkrise war der Interbanken-Markt lange Zeit weitgehend ausgetrocknet - trotzdem meldeten die Banken Zinssätze, die zum Teil bewusst geschönt waren. So wurde der Libor zwischen 2007 und 2010 manipuliert. Einige Banken wie UBS, Barclays und RBS wurden deswegen bereits zu hohen Strafzahlungen verdonnert. Gegen mehr als ein Dutzend Institute wird noch ermittelt, darunter auch die Deutsche Bank.

Die EU dringt auf eine grundlegende Reform des Systems. Doch der Libor lässt sich nicht schnell ersetzen, weil Finanzprodukte im Billionen-Volumen darauf basieren - von Wohnbaukrediten bis zu Kreditkarten-Zinsen. Für die Übergangszeit haben die ESMA und die EU-Bankenaufsicht EBA am Donnerstag Regeln aufgestellt, die eine Manipulation von Libor und Euribor verhindern sollen. "Die Grundsätze geben Teilnehmern und Nutzern der Indizes in der EU Klarheit, was von ihnen in diesem kritischen Handlungsfeld erwartet wird", sagte ESMA-Chef Steven Maijoor. EBA-Chef Andrea Enria sprach von einer "Zwischenlösung".

Unter anderem fordern die EU-Behörden, dass die gemeldeten Zinssätze auf tatsächlichen und überprüfbaren Transaktionen beruhen. Das schwebt vielen Aufsehern auch für ein System vor, das Libor und Euribor später ersetzen soll. Zudem sollen sich die Banken überlegen, was sie machen, wenn der Markt wieder einmal austrocknet oder die Übermittlung der Daten gestört ist.

Das Regelwerk sieht auch Sanktionen für Missbrauch vor. Viele Banken hatten eingestanden, dass sie der Libor-Meldung nicht genügend Beachtung geschenkt hatten, so dass Händler die Daten manipulieren konnten. Mehrere deutsche Landesbanken sowie die niederländische Rabobank waren aus der Erhebung des Euribor ausgestiegen, weil sie rechtliche Risiken fürchten.

Das Online-Portal Bondcube vermittelt Anleihenhändler untereinander. Die deutsche Börse sieht darin ein lukratives Geschäftsmodell.
 

Anleihen

Die Deutsche Börse beteiligt sich an einem Dating-Portal für Anleihenhändler

Die Diskontairline Ryanair will eine Anleihe zur Finanzierung neuer Flugzeuge ausgeben.
#Ryanair
 

Anleihen

Ryanair nimmt Kurs auf die Börse: Anleihe zur Finanzierung neuer Jets

Deutschlands zweitgrößte Airline hat eine Anleihe aufgestockt, um die Schrumpfkur bezahlen zu können
#Air Berlin
 

Anleihen

Air Berlin holt sich 75 Millionen