Eskalation am spanischen Anleihenmarkt

Eskalation am spanischen Anleihenmarkt

Aus Furcht vor einer Verschärfung der spanischen Finanzmisere haben Anleger am Montag Anleihen des Landes in großem Stil verkauft.

Die Renditen der richtungsweisenden zehnjährigen Anleihen stiegen auf bis zu 7,596 Prozent. Die Zweifel an der Zahlungsfähigkeit der Regierung in Madrid trieben auch die Preise für Kreditausfall-Versicherungen (CDS) in die Höhe. Die Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets spanischer Bonds kostete mit 630.000 Euro so viel wie noch nie.

"Was als spanische Bankenrettung begann, ähnelt immer stärker einer möglichen Staatsrettung", sagte Devisenstratege Jeremy Stretch von der Bank CIBC. Der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos schloss einen Antrag auf umfassende EU-Hilfen für sein Land allerdings aus.

Spanien soll für seine maroden Banken, die unter einem Berg fauler Immobilienkredite leiden, von der EU bis zu 100 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt bekommen. Da aber immer mehr Regionen über Hilfsanträge bei der Zentralregierung in Madrid nachdächten, werde Spanien wohl kaum darum herumkommen, den EU-Rettungsfonds anzuzapfen, betonte Zinsstratege Norbert Aul von RBC Capital Markets.

Kredite werden fällig

Nach Valencia benötigt offenbar auch die Provinz Murcia Geld aus Madrid, um sich über Wasser zu halten. Die 17 autonomen Regionen Spaniens müssen in diesem Jahr etwa 36 Milliarden Euro ihrer fällig werdenden Verbindlichkeiten refinanzieren und rund 15 Milliarden Euro aufbringen, um Haushaltslöcher zu stopfen. Die Lokalregierungen sind praktisch von den Finanzmärkten ausgeschlossen, da sie die hohen Zinsen nicht tragen können.

Die spanische Zentralregierung muss nach Reuters-Daten ihren Anleihe-Gläubigern Ende des Monats 20 Milliarden Euro zahlen. Weitere 25 Milliarden Euro werden im Oktober fällig. Für Dienstag ist die Emission drei- und sechsmonatigen Anleihen geplant.

Im Sog der fallenden Kurse spanischer Anleihen gaben auch die italienischen Bonds nach. Die Rendite der Zehnjährigen stiegen auf 6,382 Prozent. Die dortigen Provinzen schlugen wegen ihrer Finanznot ebenfalls Alarm. Sie warnten davor, den Schulbetrieb nicht mehr aufrechterhalten zu können.

Euro geht in die Knie

Neben der prekären Finanzlage Spaniens sorgte die wieder voll entbrannte Diskussion um eine mögliche Pleite Griechenlands für Verkaufsdruck beim Euro. "Es sieht nicht gut aus für Griechenland", sagte ein Börsianer. Er bezweifle, dass der hoch verschuldete Mittelmeer-Anrainer in der Euro-Zone bleiben könne. Medienberichten zufolge schwindet unter den Geldgebern die Bereitschaft, Griechenland mit weiteren Milliarden unter die Arme zu greifen. 

Die Gemeinschaftswährung fiel zeitweise auf ein Zwei-Jahres-Tief von 1,2080 Dollar. Auf ihrer Suche nach sicheren Anlagen griffen Investoren erneut zu deutschen Papieren. Der Bund-Future stieg um 49 Ticks auf 146,26 Punkte und lag damit nur noch knapp 60 Ticks unter seiner bisherigen Bestmarke. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel im Gegenzug auf ein Rekordtief von 1,126 Prozent. Diejenige der zweijährigen war mit bis zu minus 0,076 Prozent den zweiten Tag in Folge negativ.

Das Online-Portal Bondcube vermittelt Anleihenhändler untereinander. Die deutsche Börse sieht darin ein lukratives Geschäftsmodell.
 

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