“Es gibt viele Spieler im Markt, die es juckt, auf die QE-Ausstiegs-Story zu spekulieren”

“Es gibt viele Spieler im Markt, die es juckt, auf die QE-Ausstiegs-Story zu spekulieren”

Viele Investoren juckt sicherlich der Finger: Die Fed belebt mit ihren Aussagen über einen möglicherweise bevorstehenden Exit von der ultralockeren Geldpolitik die Spekulation auf steigende Renditen bei US-Staatsanleihen. Doch wer glaubt, dass die Blase platzt und mit dem "Shorten" der Bonds (spekulieren auf fallende Kurse) das schnelle Geld zu verdienen ist, könnte sich täuschen: Die Fed dürfte alles tun, damit ihr der Markt nicht davonläuft.

US-Staatsanleihen haben im April laut U.S. Treasury Index von Merrill Lynch einschließlich Zinsen 1,27 Prozent verloren - der stärkste Verlust seit Dezember 2010. Zugleich sind die Erwartungen der Investoren zur Inflation zurückgegangen, Anleihestrategen senken ihre Prognosen für die Renditen zehnjähriger US-Staatspapiere und Optionen auf Zins-Swaps künden von Preisschwankungen, die nur knapp über dem Sechs-Jahres-Tief im April liegen.

Eine Arbeitslosenquote von 7,5 Prozent, Schätzungen für das geringste Haushaltsdefizit seit 2008 und eine Inflationsrate von 1,1 Prozent halten Renditen und Volatilität niedrig, obwohl Investoren sich wegen der Politik der US-Notenbank Sorgen machen. Fed-Chef Ben S. Bernanke und einige seiner Kollegen sind uneins, wann die Bondkäufe der Zentralbank im Umfang von 85 Mrd. Dollar monatlich zurückgefahren werden sollen. US-Präsident Barack Obama braucht niedrige Zinsen, um die Wirtschaft zu stützen, die laut Prognose dieses Jahr um zwei Prozent wachsen soll, was unter dem Durchschnitt der letzten 20 Jahre von 2,5 Prozent liegen würde.

“Wir erwarten, dass sich die Dinge in den kommenden zwei Monaten seitwärts entwickeln, bei niedrigerer Volatilität als in diesem Monat”, sagte Gary Droscoski, Vermögensverwalter bei GAM USA in New York in einem Telefoninterview am 22. Mai. “Wir geben nichts auf das jüngste Gerede über eine Neubewertung am Bondmarkt.”

Inflationserwartungen gehen zurück

Während die Renditen zehnjähriger Treasuries letzte Woche erstmals seit März auf über zwei Prozent stiegen, haben 75 von Bloomberg befragte Strategen ihre mittlere Voraussage für die Rendite zum Jahresende von 2,25 Prozent im April auf 2,15 Prozent gesenkt. Inflationsgeschützte Treasuries zeigen, dass Investoren in den kommenden zehn Jahren mit einem durchschnittlichen Anstieg der Verbraucherpreise von 2,26 Prozent rechnen, weniger als die 2,64 Prozent, die im September erwartet wurden.

Kommentare aus der Notenbank zeigen, dass deren Mitglieder noch keinen Konsens darüber erreicht haben, wann und wie das Bondkaufprogramm zurückgefahren werden soll, mit dem das Wachstum gefördert und die Arbeitslosigkeit gesenkt werden sollen. Charles Plosser, Präsident der Philadelphia-Fed, hat gefordert, die Anreize bereits zur nächsten Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed im Juni zu reduzieren, während Bernanke und der Präsident der Federal Reserve Bank of New York, William C. Dudley, betonten, dass ein voreiliger Ausstieg das Risiko berge, dass das Wachstum behindert wird und die Investoren in Unruhe geraten. “Eine starke Marktkorrektur” sei eine wahrscheinliche Folge, wenn die Fed “sehr plötzlich und unerwartet handle”, um die Geldpolitik zu straffen, sagte Bernanke letzte Woche.

Sollte die Rendite der zehnjährigen Treasuries wie vorausgesagt steigen, würden die Investoren Verluste erleiden. Ein Anleger, der für 10 Mio. Dollar zehnjährige Bonds bei Renditen wie in der vergangenen Woche kauft, würde 49.000 Dollar verlieren, wenn die Rendite bis Jahresende auf 2,2 Prozent steigen würde.

Die 21 Primärhändler, die US-Wertpapiere direkt mit der Fed handeln, prognostizierten im April, dass die quantitativen Lockerungen der Notenbank im zweiten Quartal 2014 enden werden, und die Mehrheit von ihnen erwartet die erste Zinsanhebung im Jahr 2015.

Fed handelt methodisch

“Es gibt viele Spieler im Markt, die es juckt, auf die QE-Ausstiegs-Story zu spekulieren”, sagte Thomas Graff von Brown Advisory in Baltimore in einem Telefoninterview am 21. Mai “Die Leute sind scharf darauf, diese Wette zu machen - zu ihrem eigenen Schaden. Die Fed handelt viel methodischer, viel überlegter, als Händler ihr zutrauen.”

“Wenn die Fed signalisiert, dass sie die Käufe einstellt, dann wäre das wahrscheinlich auch ein Signal an die Investoren, dass die Wirtschaft auf dem Weg der Gesundung ist, und das würde natürlich zu höheren Zinsen führen”, sagte Joe Ramos, Renten-Portfoliomanager bei Lazard Asset Management in New York bei einem Interview am 20. Mai. Er erwartet, dass die Rendite zehnjähriger Bonds allmählich auf drei Prozent steigt, wenn die Fed beginnt, ihre Bondkäufe zurückzuschrauben.

“Da die Inflationserwartungen und sogar die tatsächliche Inflation weiter sehr niedrig ist, gibt es kein Anzeichen, dass man mit der Reduzierung der Akkommodierung sehr schnell sein muss”, sagte Ira Jersey, Zinsstratege bei der Credit Suisse Group in New York, bei einem Telefoninterview am 17. Mai.

Die Währungshüter “scheinen im Moment alles zu tun, um die Bedeutung des Zurückfahrens herunterzureden, denn sie wollen ganz sicher gehen, dass ihnen der Markt bei der Bewertung der nächsten währungspolitischen Schritte nicht davonläuft”, sagte Francis Yared, Leiter Europäische Zinsstrategie bei Deutsche Bank in London, in einem Telefoninterview am 20. Mai. Die Bank prognostiziert für Ende des Jahres eine Rendite zehnjähriger Papiere von 2,25 Prozent.

“Zurückfahren bedeutet einfach nur, dass die Fed weniger Lockerungen durchführt”, so Yared. “Die Fed sollte das hinkriegen, ohne größere Störungen am Markt zu verursachen.”

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