"Es gibt noch immer viele Banken, für die mehr Liquidität von der EZB nützlich wäre"

"Es gibt noch immer viele Banken, für die mehr Liquidität von der EZB nützlich wäre"

Nahezu drei von vier Ökonomen prognostizieren, dass Draghi Liquiditätsmaßnahmen wie längerfristige Refinanzierungsgeschäfte (LTRO) auf den Weg bringt. Gleichzeitig geht die Mehrheit der Befragten davon aus, dass der Leitzins bis in die erste Hälfte 2015 hinein unverändert bleiben wird.

Die EZB hält den Leitzins schon seit Mai 2013 auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent. Derzeit überlegen die Währungshüter, wie sie die aufkeimende Wirtschaftserholung in der Eurozone unterstützen können, während sich die Banken bei Kreditvergabe eher zurückhalten. Draghi hat nun Erwartungen an eine neue LTRO-Runde durch seine vor kurzem getätigten Äußerungen geschürt, die EZB sei entsprechend der Notwendigkeit zum Handeln bereit, um die Geldmarktsätze im Zaum zu halten.

“Solange sich die weichen Indikatoren verbessern und die harten Daten entsprechend folgen, gibt es für die EZB keinen Grund zur Zinssenkung”, sagt Carsten Brzeski, Volkswirt bei ING Groep NV in Brüssel. “Ein neues LTRO könnte mehrere Dinge auf einmal lösen. Es könnte möglichen Liquiditätsengpässen entgegenwirken, könnte die Geldmarktsätze drücken. Und am wichtigsten, es würde helfen, die Markterwartungen im Griff zu behalten.”

Neue Maßnahmen scheinen fix

In einer Umfrage unter 43 Volkswirten zu Liquiditätsoptionen sagen 74 Prozent, dass die EZB wohl neue Maßnahmen einleiten wird - wobei 25 Volkswirte ein LTRO als ein mögliches Instrument bezeichneten. In einer weiteren Umfrage unter 46 Ökonomen prognostizierten 89 Prozent, dass der Leitzins erst einmal unverändert bleiben dürfte.

“Es gibt noch immer viele Banken, für die mehr Liquidität von der EZB nützlich wäre”, sagte Cyrus De La Rubia, Chefvolkswirt bei der HSH Nordbank AG in Hamburg. Zwar würden deutsche und französische Banken seiner Meinung nach wohl von neuen Langfristkrediten Abstand nehmen, doch Finanzdienstleister in schuldenbeladenen Ländern seien empfänglicher.

Die EZB hatte Erwartung auf höhere Zinsen unter anderem durch ihr Versprechen aus dem Juli eingegrenzt, die Kreditkosten für einen längeren Zeitraum niedrig zu halten - ohne einen zeitlichen Rahmen zu nennen. Diesen Schritt halten 68 Prozent der Volkswirte bislang für effektiv.

Die Marktzinsen könnten jedoch wieder unter Aufwärtsdruck geraten, weil viele Banken ihre dreijährigen LTROs - die Ende 2011 und Anfang 2012 von der EZB vergeben worden waren - an die Zentralbank zurückzahlen. Damals hatte es eine Kreditklemme in der Region gegeben. Die so genannte Überschussliquidität war in dieser Woche auf 222 Mrd. Euro geschrumpft. Ende Januar, als die Banken erstmals ihre ursprünglichen LTROs frühzeitig zurückzahlen durften, lag die Überschussliquidität noch bei 590 Mrd. Euro.

“Ein drittes LTRO steht nicht außer Frage”, meint auch Christopher Matthies, Analyst bei der Sparkasse Südholstein in Neumünster. “Wir betrachten es zu diesem Zeitpunkt als wahrscheinlicher als eine Zinssenkung.”

EZB-Direktoriumsmitglied Benoit Coeuré hatte am Mittwoch dieser Woche in einer Rede in Genf gesagt, die Debatte um neue Langfristtender sei keine dringende. “Solange sich die Geldmarktsätze nicht bewegen, sehe ich keinen Handlungsbedarf”, erklärte er. “Es ist eine wichtige Diskussion, es ist eine andauernde Diskussion im Rat, aber es ist keine dringende Diskussion.”

Draghi hat erklärt, dass die Daten das Bild einer graduellen Erholung ausgehend von einem niedrigem Niveau” in den Volkswirtschaften der Eurozone bestätigen.

Die Inflation in der Region lag im September bei 1,1 Prozent, verglichen mit 2,6 Prozent vor einem Jahr. Die EZB geht davon aus, dass die Preissteigerungsrate 2013 im Schnitt bei 1,5 Prozent und 2014 im Schnitt bei 1,3 Prozent liegen wird. Die EZB hat ein Inflationsziel von knapp unter zwei Prozent.

Laut Volkswirt Frederik Ducrozet von Crédit Agricole SA in Paris sollte die EZB “theoretisch” zwar den Leitzins senken. Ein solcher Schritt sei aber wohl unwahrscheinlich, “solange sich die Konjunktur verbessert und die Inflation auf niedrigem Niveau liegt”.

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