Draghi und die Krise: Dieses Mal wird alles anders

Draghi und die Krise: Dieses Mal wird alles anders

Das zweite Bondkaufprogramm wird, geht es nach EZB-Chef Mario Draghi, funktionieren. Und die Anleiherenditen signalisieren, dass die Investoren seiner Meinung sind.

Die EZB nimmt nun den zweiten Anlauf, die seit drei Jahren währende Schuldenkrise über Bondkäufe zu bewältigen. Aber diesmal fordert Draghi von den Regierungen angeschlagener Staaten, dass sie vor EZB-Bondkäufen, die in unbegrenzter Höhe stattfinden können, zuerst Sparmaßnahmen zustimmen.

Das Ziel ist es, den Euro intakt zu halten, indem die Fremdkapitalkosten in krisengeplagten Volkswirtschaften wie Spanien gedrückt werden und der von Draghi als “fragmentiert” bezeichnete Währungsblock vereint wird. Anleger signalisierten Zustimmung zu seiner Einschätzung, dass der Plan funktionieren wird und drückten die Renditen von zehnjährigen spanischen Anleihen auf ein Acht-Wochen-Tief.

Kontrolle über die Lage

“Das ist das erste Mal, dass die EZB offenbar Kontrolle über die Lage gewinnt”, sagt Johannes Jooste, leitender Stratege bei Merrill Lynch Wealth Management in London. “Die erste Reaktion des Marktes signalisiert Vertrauen in Draghi.”

Die Bekanntgabe des Bondkaufprogramms mit der Bezeichnung Outright Monetary Transactions (OMT) kam etwa einen Monat, nachdem Draghi seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel gesetzt hatte. Der Italiener hatte versprochen, die EZB werde “alles Notwendige” tun, um Spekulationen über ein Auseinanderbrechen des Euroraums entgegenzutreten.

Das Vertrauen in den EZB-Chef hat sich ausgezahlt. Investoren, die auf sein Versprechen vom 2. August setzten, haben seitdem mit spanischen Anleihen einen Ertrag von 6,4 Prozent eingefahren und eben so viel mit italienischen Papieren verdient, wie aus Indizes von Bank of America Merrill Lynch hervorgeht. Die Rendite von zehnjährigen spanischen Anleihen ist am Freitag erstmals seit dem 25. Mai unter sechs Prozent gesunken.

Die steigenden Renditen würden die Fähigkeit der EZB beeinträchtigen, ihre Geldpolitik an alle 17 Volkswirtschaften zu kanalisieren und die Region der Gefahr eines stärkeren Konjunktureinbruchs aussetzen, erklärte Draghi, als er seinen Plan vorstellte.

Im Hinblick auf Spanien und sein Heimatland Italien sagte Draghi, dass die EZB bereit sei, so viele kurzfristige Anleihen wie nötig zu kaufen. Voraussetzung sei jedoch, dass die Länder vorher fiskalpolitischen Auflagen und Überprüfungen zustimmen, wobei auch der Internationale Währungsfonds eingebunden werden soll. Um die Unterstützung von privaten Anleihegläubigern zu gewinnen, wird die EZB das gleiche Ausfallrisiko wie andere Bondinvestoren akzeptieren und Einzelheiten ihrer Käufe bekannt geben.

Mängel des ersten Programms sollen behoben werden

“Die EZB hat einen Prozess begonnen, der wahrscheinlich einen Wendepunkt in der Euroraum-Krise darstellt”, sagt Holger Schmieding, Chefökonom bei der Berenberg Bank in London. “Die EZB wird das Notwendige tun, um den Euro zu bewahren.”

Mit der Neugestaltung des Bondkaufprogramms sollen die Mängel des nun offiziell eingestellten Securities Markets Program (SMP) beseitigt werden, mit dem die EZB für etwa 220 Mrd. Euro griechische, irische, portugiesische, italienische und spanische Staatsanleihen gekauft hat.

Die EZB hofft, dass sie durch Aufgabe ihrer Vorrangstellung als Gläubiger und durch Auflagen für die Staaten die Investoren von der Glaubwürdigkeit jeglicher Intervention überzeugen kann, so dass diese sich ihren Käufen anschließen, erläutert James Nixon, Chef-Europa-Ökonom bei Société Générale SA in London. Die EZB behält sich das Recht vor, Bondkäufe zu beenden, wenn die Regierungen ihren Teil der Abmachung nicht einhalten.

Teile des Puzzles fehlen

Ob Draghi den Weg für eine Lösung der Krise geebnet hat, wird letztlich von den Regierungen abhängen, sagt Andrew Bosomworth, Fondsmanager bei Pacific Investment Management Co. in München. Spanien, die viertgrößte Wirtschaft im Euroraum, sträubt sich dagegen, einen Antrag auf Hilfen zu stellen. Das Land scheut wohl vor den zu erwartenden Auflagen und einer Einbindung des IWF zurück, sagt Malcolm Barr, Ökonom bei JPMorgan Chase & Co. Etwa 85 Prozent der Befragten einer weltweiten Umfrage von Bloomberg in dieser Woche gehen jedoch davon aus, dass Spanien innerhalb eines Jahres Hilfe beantragen wird, da die toxische Kombination aus Rezession, angeschlagenen Banken und fiskalpolitischen Problemen der Regionen das Haushaltsdefizit aufblähen werden.

“Die EZB hat uns weitere drei Jahre Zeit verschafft, sagte Bosomworth, der früher bei der EZB beschäftigt war, gegenüber Bloomberg Television. “Es gibt aber noch einige andere Teile in dem Puzzle, die fehlen.”

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