"Draghi missbraucht das Euro-System"

"Draghi missbraucht das Euro-System"

Die Probleme der Euro-Krisenstaaten würden so nicht gelöst. Harte Worte fanden auch Österreichs Banker. Michaeh Ikrath, Generalsekretär des österreichischen Sparkassenverbands, ortet etwa eine "kalte Enteignung der Sparer".

Der Chef des Münchner Ifo-Instiuts übte harsche Kritik an EZB-Präsident Mario Draghi. "Draghi missbraucht das Euro-System, indem er den Südländern Billigkredite gibt, die sie am Kapitalmarkt so nicht bekommen würden", sagte der Ökonom der "Bild"-Zeitung (Samstag). Die Rettung der Krisenländer sei nicht Aufgabe der EZB, sondern des dafür vorgesehenen Rettungsschirms.

Mittlerweile seien fünf Jahre verstrichen, ohne dass sich die Wettbewerbsfähigkeit in den Krisen-Staaten nennenswert verbessert habe, monierte Sinn. "Damit die Euro-Krisenländer mehr sparen und dringend überfällige Reformen umsetzen, brauchen sie höhere Zinsen, die ihrem höheren Konkursrisiko angemessen sind, nicht niedrigere Zinsen."

Auch der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), Michael Hüther, hatte betont, die aktuellen Probleme in Südeuropa seien nicht durch Zinssenkungen zu lösen. "Denn das Problem liegt in den Bilanzen der dortigen Banken, die immer noch viel Müll da drin haben. Und man muss deshalb die Bilanzen bereinigen."

Am Donnerstag hatten Europas Währungshüter den Leitzins von 0,5 auf das historische Tief von 0,25 Prozent gesenkt. EZB-Präsident Draghi hatte den Schritt mit der niedrigen Inflationserwartung und der zögerlichen Konjunkturerholung begründet. Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite und Investitionen und kurbeln so die Wirtschaft an. Allerdings gab es nach der EZB-Entscheidung zahlreiche kritische Stimmen. Das niedrige Zinsniveau entwertet Geldanlagen und stellt etwa Lebensversicherer vor große Probleme, angemessene Überschüsse für ihre Kunden zu erwirtschaften. Zudem droht eine Blasenbildung am Immobilienmarkt.

Zumindest hier gibt Sinn aber Entwarnung. Der Immobilienboom in Deutschland werde zwar in den nächsten Jahren anhalten, sagte er der "Wirtschaftswoche". Gleichzeitig widersprach er aber Warnungen, der Markt sei überhitzt. "Noch immer sind die deutschen Preise im internationalen Vergleich nicht sonderlich hoch." Keine deutsche Stadt halte dem Vergleich mit Paris oder London stand. Den Boom stoppen könnte erst ein Ende der Niedrigzinspolitik der EZB. "Aber solange der Euro existiert, ist das nicht zu erwarten."

Greenspan: Euro nur mit politischer Union zu retten

Der langjährige Chef der US-Notenbank, Alan Greenspan, äußerte sich skeptisch zur Zukunft der Gemeinschaftswährung. "Der Euro ist nur mit einer politischen Union zu retten", sagte Greenspan der "Welt am Sonntag". Er glaube nicht daran, dass ein gemeinsamer Wirtschafts- und Währungsraum auf Dauer funktionieren könne, wenn er aus 17 Ländern mit 17 unterschiedlichen Sozialsystemen bestehe. "Die Eurozone braucht eine vollständige politische Union, entweder von allen Staaten oder nur von einem Kerneuropa. Das ist der einzige Weg, wenn die Eurozone nicht auseinanderfliegen soll", sagte Greenspan.

Der ehemalige Chef der Federal Reserve (Fed) äußerte Zweifel, dass es zu einer politischen Union in Europa kommen werde. "Die deutsch-deutsche Wiedervereinigung zeigt, wie schwer selbst in einem gemeinsamen Staat die kulturelle Angleichung ist."

Nowotny Teil von "Revolte" gegen Zinssenkung

Im Vorfeld der Zinssenkung am Montag hat es nach einem Bericht der "Financial Times" sogar eine Sechs-Mann-"Revolte" gegeben, der auch Österreichs Notenbankchef Ewald Nowotny angehört hat. Angeführt sei die Truppe von zwei deutschen EZB-Ratsmitgliedern worden. Außerdem hätten auch der österreichische EZB-Rat Nowotny und der Niederländer Klaas Knot gegen die Zinssenkung gestimmt.

Bei der OeNB in Wien wollte man den Bericht nicht kommentieren: "Abstimmungsergebnisse werden nicht bekanntgegeben", sagte ein Sprecher Nowotnys.

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