Die rosarote Welt der "Ramsch"-Anleihen

Die Risikoprämien der Hochzinspapiere im Vergleich zu Anleihen der Kategorie Investmentgrade sind auf den niedrigsten Stand seit den Anfängen der weltweiten Finanzkrise gesunken.

Die rosarote Welt der "Ramsch"-Anleihen

Emittenten mit einem “Ramsch-Rating” wie beispielsweise der Autobauer Renault, der französische Telekomausrüster Alcatel-Lucent und die portugiesische Telecom SGPS zahlen durchschnittlich 3,25 Prozentpunkte mehr als die Emittenten der sichersten Papiere, wie aus Daten von Bank of America Merrill Lynch hervorgeht. Im März 2009 lag der Risikoaufschlag noch bei einem Höchstwert von 20,7 Prozentpunkten.

Die risikoreichsten Unternehmensanleihen legen - wie auch die Staatsanleihen und der Euro - eine Rally hin, nachdem die Fiskalkrise und die Gefahr eines Auseinanderfallens des Euroraums nachlassen. EZB-Präsident Mario Draghi zeigt eine größere Bereitschaft als sein Vorgänger Jean-Claude Trichet, die Ressourcen der EZB für eine Stärkung des Finanzsystems einzusetzen. “Angesichts der relativ niedrigen Zahlungsausfälle zieht es Investoren zu risikoreicheren Namen”, sagt Thomas Rahman, Kreditstratege bei Ria Capital in Edinburgh.

Ausfallquote nahe des Allzeittiefs

Nachdem die Zentralbanken das weltweite Finanzsystem mit billigem Geld geflutet haben, befindet sich die Ausfallquote für Unternehmensanleihen in der Nähe eines Allzeittiefs, was das Vertrauen der Anleger, auf risikoreichere Vermögenswerte zu spekulieren, gestärkt hat. Die Ausfallquote in Europa ist im vierten Quartal 2012 auf 1,8 Prozent gesunken, verglichen mit einer weltweiten Rate von 2,6 Prozent, schrieb Moody’s Investors Service am 9. Januar in einer Studie. Die weltweite Rate könnte in diesem Jahr auf drei Prozent steigen, sagt Moody’s, was immer noch niedriger als der Durchschnitt seit 1983 von 4,8 Prozent wäre. Das hat dazu beigetragen, dass die Rendite von Junkbonds von zwölf Prozent zu Anfang des vergangenen Jahres auf 5,3 Prozent gesunken ist.

In diesem Jahr haben Unternehmen bisher Hochzinspapiere im Volumen von 3,5 Mrd. Euro begeben, mehr als zehnmal so viel wie im selben Zeitraum 2012, zeigen Bloomberg-Daten. Hochzinsanleihen verzeichneten im vergangenen Jahr die beste Entwicklung unter den Unternehmensbonds, sie kamen auf einen Ertrag von 18,8 Prozent, verglichen mit 10,6 Prozent für Papiere der Gütekategorie Investmentgrade, wie aus Indexdaten von Bank of America Merrill Lynch hervorgeht. Die Ramsch-Anleihen schlugen auch weltweite Staatsanleihen, die im vergangenen Jahr ein Plus von 4,5 Prozent aufwiesen.

Unternehmen mit einer “Ramsch“-Bewertung werden von Moody’s Investors Service niedriger als “Baa3” eingestuft und von Standard & Poor’s und Fitch Ratings niedriger als “BBB-”.

In Europa hat sich das Vertrauen gebessert, seit Draghi im Juli sagte, die EZB sei bereit, innerhalb ihres Mandats alles Notwendige zum Erhalt des Euro zu tun. Seitdem hat die europäische Gemeinschaftswährung gegenüber den 31 weltweit am meisten gehandelten Währungen zugelegt.

Novomatic ist mit von der Partie

Die erste Gesellschaft im Hochzinsbereich, die in diesem Jahr in Europa mit Bonds an den Markt kam, war Fresenius. Die in Bad Homburg beheimatete Gesellschaft wird von S&P und Fitch mit “BB+" benotet und begab am 10. Januar eine im Juli 2020 fällige Anleihe im Volumen von 500 Mio. Euro mit einem Kupon von 2,875 Prozent, zeigen Bloomberg-Daten. Die österreichische Novomatic, der weltweit zweitgrößte Hersteller von Spielautomaten, nahm am 16. Januar 250 Mio. Euro über eine sechsjährige Anleihe mit einer Verzinsung von vier Prozent auf, so Bloomberg-Daten. Es war für die bonitätsmäßig nicht eingestufte Gesellschaft die billigste Finanzierung seit mehr als sieben Jahren. Der Risikoaufschlag der Papiere gegenüber dem Swapsatz hat sich seit der Emission um elf Basispunkte auf 278 Basispunkte verringert.

Die 2017 fällige und mit 4,625 Prozent verzinste Anleihe von Renault rentiert 289 Basispunkte über dem als Benchmark verwendeten Swapsatz, verglichen mit 388 Basispunkten am 1. Oktober, zeigen Bloomberg-Daten.

Die Kosten für die Absicherung gegen einen Zahlungsausfall bei europäischen Hochzins-Emittenten nähern sich dem niedrigsten Wert seit 18 Monaten. Der Markit iTraxx Crossover Index von Kreditausfallswaps auf 50 größtenteils mit Junk eingestuften Emittenten ist seit Ende 2012 um 59 Basispunkte auf 423 Basispunkte gesunken. In der ersten vollständigen Januarwoche sind mehr als 1,6 Mrd. Dollar in Junkbond-Fonds geflossen, zeigen Daten von EPFR Global. Damit setzte sich der Zustrom von Geldern, der Ende Juli begann, fort.

“Die Zuflüsse in den Hochzinssektor waren ohne Unterbrechung”, berichtet Matt Eagan, Fondsmanager bei Loomis Sayles & Co. “Das ist ein natürlicher Teil des Kreditzyklus, dass die Renditen von Papieren der Kategorie Investmentgrade so gedrückt werden, dass eine Reihe von Käufern auf andere Bereiche ausweicht, um höhere Renditen zu erzielen.”