Die USA und ihr 11,5 Billionen Dollar-Problem

Die USA und ihr 11,5 Billionen Dollar-Problem

Sollten sich Republikaner und Demokraten bis zum nächsten Stichtag im Februar 2014 nicht auf eine erneute Anhebung der gesetzlichen Schuldenobergrenze einigen, könnte die US-Bundesregierung schon binnen weniger Tage – und nicht wie bislang allgemein gedacht nach einigen Wochen – zahlungsunfähig werden. Der Grund ist die bisherige Praxis, sich zu einem großen Teil über kurzlaufende Anleihen zu refinanzieren. Um sich etwas Luft zu verschaffen, wollen die US-Kassenwarte eine neue Gattung von Staatsanleihen ausgeben.

Durch die Ausgabe von kurzfristigen Treasuries soll die Zinsbelastung gering gehalten werden. Derzeit haben rund ein Viertel aller ausgegebenen Treasury Bonds - Gesamtvolumen 11,5 Billionen Dollar - eine Laufzeit von weniger als einem Jahr. Das ist etwa doppelt so viel wie zu Beginn der 1990er Jahre. Zum Vergleich: Der Wert der US-Kurzläufer ist zwei Mal so hoch wie derjenige sämtlicher Bundesanleihen. Dabei ist der deutsche Bond-Markt immerhin der viertgrößte der Welt.

Jeden Donnerstag werden US-Papiere im Volumen von 100 Milliarden Dollar fällig, die durch die Ausgabe neuer Bonds abgelöst werden. Sollten Anleger bei einer dieser Emissionen wegen des Streits zwischen Republikanern und Demokraten um die Sanierung des US-Haushaltes vom Kauf zurückschrecken, könnten die USA ihre Verbindlichkeiten von heute auf morgen nicht mehr bedienen. US-Finanzminister Jack Lew ist sich dieses Risikos durchaus bewusst: "Unsere Bar-Reserven könnten sich unerwartet komplett auflösen", warnte er bei einer Kongress-Anhörung im Oktober.

Kurzfristige US-Anleihen sind kein Selbstläufer

Einen Vorgeschmack auf eine derartige Krise lieferten die Wochen vor der Einigung auf eine vorübergehende Anhebung der Schuldengrenze: Im Oktober fiel das Interesse der Investoren an einmonatigen Bonds bei einer Auktion auf den niedrigsten Stand seit März 2009. Im Gegenzug kletterte die Rendite dieser Papiere auf ein Fünf-Jahres-Hoch.

Auch an den Kursen für Credit Default Swaps (CDS) ließ sich die Nervosität der Anleger ablesen. Die Kosten zur Absicherung von US-Anleihen gegen Zahlungsunfähigkeit verdoppelten sich binnen weniger Wochen. Gleichzeitig kam es am CDS-Markt zu einer sogenannten Inversion, die als Krisensignal gilt. Mit "Inversion" bezeichnen Börsianer den Umstand, dass Kreditausfall-Versicherungen mit kürzeren Laufzeiten mehr kosten als solche mit längeren. Üblicherweise ist es umgekehrt, weil bei längeren Laufzeiten das Risiko unvorhergesehener Ereignisse größer ist.

Variabel verzinste Papiere

Am Mittwoch will das US-Finanzministerium einen Plan vorstellen, um bei künftigen Etat-Streitigkeiten das unmittelbare Risiko eines Zahlungsausfalls zu verringern. Der Eckpfeiler ist die Ausgabe variabel verzinster Bonds mit einer Laufzeit von zwei Jahren. Die Rendite dieser sogenannten Floating Rate Notes (FRN) ist an diejenige der dreimonatigen Titel gekoppelt. Angaben von Insidern zufolge wird zunächst ein Emissionsvolumen von zehn bis 15 Milliarden Dollar monatlich angepeilt. Es wäre die erste Einführung einer neuen Bond-Gattung seit 1997, als die USA mit der Ausgabe von Anleihen begannen, deren Rendite von der Inflationsrate abhängt.

Mit den FRN würden zunächst bevorzugt Anleihen mit einer Laufzeit von weniger als einem Jahr abgelöst werden, fügen die US-Regierungsvertreter hinzu. Dies könnte dem US-Etatstreit etwas von seinem Schrecken nehmen, betont Volkswirt Lou Crandall vom Research-Haus Wrightson ICAP. Schließlich verringere es den Druck, jede Woche eine hohe Summe refinanzieren zu müssen.

Verkaufsschlager oder Ladenhüter?

"Es wird weltweiten Appetit nach diesen Papieren geben", prophezeit Mayra Rodriguez Valladares, Geschäftsführerin des auf Fragen der Bankenregulierung spezialisierten Beratungsfirma MRV Associates. Schließlich benötigten Geldhäuser verstärkt liquide Papiere, die sie schnell zu Geld machen oder als Sicherheiten hinterlegen könnten.

Gregory Whitely, der bei DoubleLine Capital einen 53 Milliarden Dollar schweren Staatsanleihen-Fonds managt, äußert sich dagegen skeptisch. Anleger, die auf den allgemein erwarteten Anstieg der US-Zinsen in den kommenden Jahren wetten wollten, könnten genauso gut bei den dreimonatigen Bonds bleiben. Schließlich koste dank der Automatisierung des Geschäfts die Umschichtung von alten in neue Kurzläufer fast nichts - weder die Investoren noch das Finanzministerium.

Das Risiko einer geplatzten Anleihen-Auktion hält Whitely ohnehin für sehr gering. Selbst auf dem Höhepunkt des Streits im Oktober habe zu keiner Zeit eine ernsthafte Gefahr bestanden. "Zu wenig, um eine neue Wertpapier-Gattung auf den Markt zu bringen", betont er.

Nach Aussagen von Matt Rutherford, Staatssekretär im US-Finanzministerium, spricht ein anderer Grund für die Einführung der zweijährigen FRN: "Sie gibt dem Ministerium ein neues Instrument zum Erreichen des Ziels, die durchschnittliche Laufzeit der Staatsanleihen anzuheben." Oder sie reduziert einfach nur die Wahrscheinlichkeit einer nervenaufreibenden donnerstäglichen Bond-Auktion.

Das Online-Portal Bondcube vermittelt Anleihenhändler untereinander. Die deutsche Börse sieht darin ein lukratives Geschäftsmodell.
 

Anleihen

Die Deutsche Börse beteiligt sich an einem Dating-Portal für Anleihenhändler

Die Diskontairline Ryanair will eine Anleihe zur Finanzierung neuer Flugzeuge ausgeben.
#Ryanair
 

Anleihen

Ryanair nimmt Kurs auf die Börse: Anleihe zur Finanzierung neuer Jets

Deutschlands zweitgrößte Airline hat eine Anleihe aufgestockt, um die Schrumpfkur bezahlen zu können
#Air Berlin
 

Anleihen

Air Berlin holt sich 75 Millionen