"Die Notenbanker der Fed sollten beten"

"Die Notenbanker der Fed sollten beten"

Uneins sind sich die Notenbanker offenbar in der Frage, wie die Fed auf solche Blasen reagieren sollte. “Es gibt irgendwo eine Schwelle”, an der die Märkte überschäumen oder die Bilanzsumme ausufert und die Zentralbank reagieren muss, sagt Michael Gapen, ehemaliges Mitglied der geldpolitischen Abteilung des Fed-Boards und nun US-Ökonom von Barclays Plc in New York. “Das Problem seit Beginn der dritten Runde quantitativer Lockerung ist, dass es keine ausreichende Klarheit gibt, unter welchen Voraussetzungen aufgehört wird.”

Notenbanker und Aufseher sehen bereits beunruhigende Anzeichen. Die Fed und das Office of the Comptroller of the Currency haben den Banken empfohlen, ihre Anforderungen im Konsortialgeschäft mit Krediten für Unternehmensübernahmen zu verschärfen. Denn die Summe an hochriskanten Schuldtiteln nähert sich wieder dem Niveau von vor der Finanzkrise an, und die Kreditqualität verschlechtert sich.

Die Präsidentin der Federal Reserve Bank von Kansas City, Esther George, ist über die Entwicklung der Agrarlandpreise besorgt, und der Präsident der Dallas-Fed Richard Fisher verwies auf die steigenden Häuserpreise in Dallas und Houston als Anzeichen für eine Preisblase am Immobilienmarkt. Auch die Fed-Gouverneure Jeremy Stein und Jerome Powell haben in diesem Jahr davor gewarnt, dass die Renditen einiger Anleihen relativ zu ihrem Risiko betrachtet zu niedrig seien.

Die designierte Fed-Chefin und derzeitige Vizevorsitzende der Notenbank, Janet Yellen, hat am 9. Oktober die Finanzstabilität als das dritte Mandat der Zentralbank bezeichnet - neben Preisstabilität und Vollbeschäftigung. Ihre Nominierung muss noch vom Senat bestätigt werden, damit sie die Nachfolge von Ben S. Bernanke antreten kann, dessen Amtszeit am 31. Januar endet. Yellen wird damit aller Voraussicht nach für die Rücknahme der geldpolitischen Lockerung in den USA und den Umgang mit möglichen Preisblasen verantwortlich sein.

Kein Plan

“Die Idee von Blasen und dem Schüren der Blasen sind äußerst aktuelle Fragen”, sagte James Bullard, Präsident der St. Louis Fed am 20. September in einem Interview mit Bloomberg in New York. “Ich glaube nicht, dass sich der Ausschuss eine gute Begründung überlegt hat, was wir machen wollen oder wie wir auf Blasen reagieren wollen.”

Aus Reden der Währungshüter lässt sich folgern, dass sie sich in der Frage, wie mit Preisblasen umgegangen werden soll, nicht einig sind. Yellen und William C. Dudley, Präsident der New York Fed und Vize-Chairman des FOMC, setzen offenbar lieber auf Regulierung als auf Leitzinsänderungen.

“Die meisten Zentralbanker betrachten Geldpolitik als ein untaugliches Mittel, um Befürchtungen hinsichtlich der Finanzstabilität Rechnung zu tragen”, sagte Yellen am 16. April in Washington. “Viele teilen wahrscheinlich meine starke Präferenz, sich als erste Verteidigungslinie auf mikro- und makroprudenzielle Aufsicht und Regulierung zu verlassen.”

Dudley schloss bei einer Rede im Jahr 2010 nicht aus, schärfere Kreditbedingungen zu nutzen, um den Verschuldungsgrad im Finanzsystem zu reduzieren. Seiner Einschätzung nach ist die Geldpolitik gegenüber Regulierungsinstrumenten “unterlegen”, wenn man auf Blasen reagieren müsse.

Geldpolitik erreicht jede Lücke

Dagegen hat sich Stein dafür ausgesprochen, dass die Fed im Kampf gegen Preisblasen eine Leitzinserhöhung erwägen sollte, wenn Regulierung nicht ausreiche oder die Reichweite der Zentralbankaufsicht nicht weit genug gehe. “Auch wenn die Geldpolitik vielleicht nicht ganz das richtige Instrument für diese Aufgabe ist, hat sie verglichen mit Aufsicht und Regulierung doch einen wichtigen Vorteil: Sie erreicht nämlich jede Lücke”, sagte er am 7. Februar in St. Louis.

Die Präsidentin der Kansas-City-Fed George hat in diesem Jahr gegen alle Beschlüsse des Offenmarktausschusses (FOMC) votiert. Sie befürchtet infolge des hohen Grades an geldpolitischer Akkomodierung finanzielle und wirtschaftliche Ungleichgewichte und langfristig höhere Inflationserwartungen. Bei einer Rede in Denver am 26. September hob sie neben der Preisentwicklung bei Nutzflächen auch “einige Exzesse” am Markt für fremdfinanzierte Kredite hervor, die von den “Bären beobachtet” werden.

Die US-Notenbank hat mit den Anleihekäufen im Jahr 2008 als Notfallmaßnahme begonnen und im September 2012 eine dritte Runde quantitativer Lockerung begonnen. Von Bloomberg News befragte Analysten rechnen nicht mit einer Rücknahme der Bondkäufe vor März 2014. Die Aussicht auf weitere Stimuli hat die US-Aktienmärkte auf Rekordjagd geschickt. Der Standard & Poor’s 500 Index ist seit Jahresbeginn um rund 24 Prozent gestiegen und läuft damit auf den höchsten Jahresgewinn seit 2003 zu.

“Wir erhalten einen Einblick in die Debatten, während der Ausschuss die Risiken für die Finanzstabilität durch weitere Asset-Käufe abwägt”, sagt Laurence Meyer, ehemaliger Fed-Gouverneur und nun Senior Managing Director von Macroeconomic Advisers LLC in Washington. “Aufsicht und Regulierung sind die erste Verteidigungslinie.” Die zweite Linie “ist zu beten”.

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