"Die japanische Notenbank wird alles tun, um gegen die Deflation vorzugehen"

"Die japanische Notenbank wird alles tun, um gegen die Deflation vorzugehen"

Bei einer Anhörung im Unterhaus in Tokio machte Haruhiko Kuroda am Montag deutlich, dass die für 2014 in Aussicht gestellten unbegrenzten Anleihenkäufe unter seiner Ägide vorgezogen werden dürften. Zugleich will Kuroda, der noch vom Parlament bestätigt werden muss, in den Kauf von Staatstiteln mit längerer Laufzeit einsteigen und so die langfristigen Zinsen drücken.

Das Anwerfen der Notenpresse sei nicht ausreichend, um die Spirale aus fallenden Preisen und sinkenden Investitionen zu brechen, mahnte Kuroda: "Einfach nur die Geldbasis auszuweiten, wäre nicht allzu effektiv."

Der künftige Notenbankchef will den Hebel bei den Anleihenkäufen ansetzen: Umfang und Art der Schuldtitel reichten nicht aus, um das Inflationsziel von zwei Prozent zu erreichen. Daher müssten auch langlaufende Staatsanleihen ins Auge gefasst werden, um die Konjunktur anzukurbeln. "Die Bank von Japan muss ganz deutlich machen, dass sie alles tun wird, um gegen die Deflation vorzugehen." Kuroda ist wie Ministerpräsident Shinzo Abe ein Freund der lockeren Geldpolitik. Die Regierung nominierte ihn vorige Woche als neuen Chef der Bank von Japan. Die Personalie muss von beiden Kammern des Parlaments abgenickt werden. Die Opposition hat schon Zustimmung signalisiert.

Unabhängigkeit der Notenbank hängt am seidenen Faden

Abe sagte vor dem Parlament, er erwarte eine beherztere Geldpolitik. Sollte Kuroda die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen, ist Abe auch zu Gesetzesänderungen bereit, mit denen die Unabhängigkeit der Notenbank kassiert würde. Ex-EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark und Bundesbank-Präsident Jens Weidmann haben angesichts des wachsenden politischen Drucks auf die Notenbank in Tokio bereits mahnend den Finger gehoben. Kritiker befürchten, dass durch die Politik des billigen Geldes langfristig Vermögenspreisblasen in Japan aufgepumpt werden.

Kuroda trat allerdings Befürchtungen entgegen, die Zentralbank wolle mit ihrer Geldpolitik gezielt die Landeswährung Yen schwächen, um damit die Exportchancen des Landes zu erhöhen. Es gehe ihm darum, das Inflationsziel zu erreichen. Dabei könne es auch zu Auswirkungen auf die Wechselkurse kommen. Unter dem scheidenden Amtsinhaber Masaaki Shirakawa, der am 19. März abtritt, hatte die Notenbank den geldpolitischen Kurs moderat gelockert. Unter dem Druck der Regierung stellte Shirakawa in Aussicht, ab 2014 Anleihen ohne Limit aufkaufen zu wollen. Experten erwarten nun, dass Kuroda nach seiner Bestätigung bei erster Gelegenheit den geldpolitischen Schalter umlegt: möglicherweise bereits auf der Zinssitzung Anfang April.

In der Hoffnung auf ein noch stärkeres Engagement der Notenbank am Bondmarkt griffen Anleger am Montag bei japanischen Anleihen beherzt zu: Die Rendite der 20-jährigen Papiere fiel auf bis zu 1,505 Prozent, den tiefsten Stand seit 2003. Die 30-jährigen Titel markierten mit 1,715 Prozent ein Zweieinhalb-Jahres-Tief.

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