Die Märkte fürchten sich vor Silvio Berlusconi

Die Märkte fürchten sich vor Silvio Berlusconi

Sollte Silvio Berlusconi in der kommenden Woche tatsächlich einen Wahlsieg erringen, wäre die Reaktion wohl eindeutig. "Italien dürfte an den Märkten brutal abgestraft werden", sagt Martin Lück, Volkswirt bei der UBS.

Ein Erfolg Berlusconis, der zuletzt mit Sexskandalen für Furore sorgte, würde Kopfschütteln in Europa auslösen, erklärt der Experte. Groß sei vor allem die Furcht, dass dann das Land von seinem bisherigen Sparkurs abrücken und die Euro-Krise damit erneut verschärfen könnte.

Im Ergebnis hieße das wohl: die Aktienmärkte und die Kurse - gerade italienischer Staatstitel - dürften in den Keller rauschen, die Renditen am Bondmarkt entsprechend anziehen. Die Analysten der Nordea-Bank rechnen für zehnjährige italienische Papiere mit Niveaus um die sechs Prozent, sollte sich der Medien-Mogul mit seinem Mitte-Rechts-Bündnis durchsetzen. Das hart erarbeitete Vertrauen in Italien wie auch in die gesamte Euro-Zone wäre dann wieder auf den Prüfstand gestellt, prophezeiten die Experten der DZ Bank.

Monti als Garant für Reformen

Unter Ministerpräsident Mario Monti, der im November 2011 das Ruder das Ruder von Berlusconi übernommen hatte, sind die Renditen für das hoch verschuldete Land deutlich zurückgegangen. Der frühere EU-Kommissar setzte Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen durch, um die Schuldenlast zu senken. Zugleich initiierte er eine Reihe von Reformen, die die Wettbewerbsfähigkeit des Landes steigern sollen. Derzeit liegen die Renditen zehnjähriger Anleihen Italiens bei 4,4 Prozent. In den letzten Zügen von Berlusconis Amtszeit hatte sich das Land nur noch zu Rekordzinsen von knapp 7,5 Prozent am Markt Geld leihen können.

Doch mit den Neuwahlen nach Montis Rücktritt im Dezember werden die Karten neu gemischt: Berlusconi kündigte bereits an, zahlreiche Reformen zurückdrehen und unter anderem die unpopuläre Immobiliensteuer wieder abschaffen zu wollen. In den letzten Umfragen Anfang Februar lag die Mitte-Links-Allianz von Pier Luigi Bersani zwar weiterhin in Führung, das Mitte-Rechts-Bündnis hatte zuletzt aber an Zustimmung gewonnen. Wegen des großen Anteils unentschlossener Wähler sei ein Wahlsieg Berlusconis nicht auszuschließen, warnt Lück von der UBS. Laut "Corriere della Sera" ist - auch kurz vor der Parlamentswahl am Sonntag und Montag - ein Viertel der Wahlberechtigten noch immer unentschieden.

Knappe Mehrheitsverhältnisse werden vor allem im Senat erwartet, der zweiten Kammer neben den Abgeordnetenhaus. Sollte es im Abgeordnetenhaus und im Senat zu unterschiedlichen Mehrheiten kommen, wäre das sicherlich einer der ungünstigsten Wahlausgänge, meint Johannes Mayr von der BayernLB. "Eine Spaltung des Parlaments würde die Bildung einer stabilen Regierung - die das Vertrauen beider Parlamentskammern benötigt - erschweren."

Die meisten Analysten gehen jedoch davon aus, dass künftig eine Koalition aus Sozialdemokraten und Montis Block der Mitte die Geschicke Italiens lenken werden. Der begonnene Reformkurs Montis sollte sich damit fortsetzen, sagt Mayr. Wichtig für Italien sei, dass die Arbeitsmarktreformen in der Fläche griffen, sagt Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. Die immer noch sehr hohen Lohnstückkosten müssten weiter gesenkt werden. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone steckt derzeit in der längsten Rezession seit 20 Jahren.

Bersani-Monti als Wunschkonstellation der Märkte

An den Märkten dürfte die Konstellation Bersani-Monti mit Erleichterung aufgenommnen werden. Zu erwarten sei eine Rally am italienischen wie auch an anderen Aktienmärkten, prophezeit Alberto Chiandetti, Manager des Fidelity Italy Fund. Die Börsen in der Euro-Zone haben zuletzt stark unter der wachsenden Unsicherheit gelitten. Allein der Mailänder Leitindex kommt inzwischen nur noch auf ein Plus von 0,8 Prozent seit Jahresbeginn - in den ersten vier Wochen des Jahres hatte er noch einen Aufschlag von neun Prozent verbucht.

Nach Einschätzung von UBS-Experte Lück birgt aber auch eine Regierung unter Beteiligung der Sozialdemokraten ihre Risiken. Die Frage sei, ob Bersani in Sachen Sparkurs langfristig dem Druck der Gewerkschaften standhalten könne, sagt der Ökonom. "Monti hatte es da als Parteiloser und Technokrat einfacher, Bersani steckt dagegen tief im System der politischen Verflechtungen drin." Sollten sich Reformen stauen, könnte ein langsamer Vertrauensschwund einsetzen und Italien - auch ohne ein Comeback Berlusconis - wieder ins Visier der Märkte rücken.

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