"Die Grundlagen für eine neue Krise sind gelegt"

"Die Grundlagen für eine neue Krise sind gelegt"

Zwar gebe es wegen der schwachen Konjunktur in vielen Euro-Ländern und der geringen Teuerung aktuell noch keinen Anlass für eine Zinswende der Währungshüter, erklärte Joachim Massenberg von der Hauptgeschäftsführung des Bankenverbandes BdB am Mittwoch in Frankfurt. Sollte aber die EZB den Fuß nicht rechtzeitig vom geldpolitischen Gaspedal nehmen, drohten massive Probleme.

"Die Grundlagen für eine neue Krise sind gelegt", so Massenberg. Deshalb müsse die EZB wachsam bleiben und das Ende ihrer Geldschwemme schon heute vorbereiten.

Massenberg bereiten unter anderem die von der Geldschwemme der Notenbanken getriebene Rally an den Aktienmärkten und die Anzeichen für Überhitzungen der Immobilienmärkte in deutschen Ballungsräumen Sorgen: "Viele Indikatoren, die auf eine künftige Krise hindeuten können, sind vorhanden."

An den Weltbörsen hatte das billige Geld der Notenbanken in den vergangenen Wochen für einen rasanten Kursanstieg gesorgt. In Frankfurt erklomm der Dax am Mittwoch das höchste Niveau seit fünf Jahren und ist nur noch wenige Zähler von seinem vor der Krise Mitte 2007 erreichten Allzeithoch entfernt. An der Wall Street hatte der Dow Jones am Dienstag den höchsten Stand in seiner Geschichte erreicht.

Aktuell kein Handlungsbedarf

Der Ausschuss für Wirtschafts- und Währungspolitik des BdB glaubt allerdings nicht, dass die Notenbanken wegen der Gefahr einer neuen Krise das Ruder schnell herumreißen werden. Der Vorsitzende des aus einem guten Dutzend Bank-Chefvolkswirten bestehenden Gremiums, Stefan Schilbe, erwartet, dass die EZB noch bis ins Jahr 2014 an ihrer Niedrigzinspolitik festhalten wird. "Eine Zinserhöhung würde im gegenwärtigen Umfeld ein zu frühes Signal geben. Aktuell gibt es keinen Handlungsbedarf", sagte der Chefökonom der Privatbank HSBC Trinkaus & Burkhardt. Genauso wenig kann Schilbe einer weiteren, von einigen Ökonomen geforderten EZB-Zinssenkung, abgewinnen: "Die konjunkturellen Effekte eines solchen Schritts würden äußerst gering ausfallen." Der EZB-Rat entscheidet am Donnerstag über seinen Leitzins, der seit Juli vergangenen Jahres bei 0,75 Prozent liegt.

Wenn es nicht zu einer neuen Krise kommt, dann sieht es nach Einschätzung des BdB für die deutsche Konjunktur in diesem und dem nächsten Jahr nicht schlecht aus. "Nach einer kurzen Atempause ist die deutsche Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs", sagte Massenberg. Allerdings dürfte das Plus in diesem Jahr mit 0,7 Prozent recht schwach ausfallen. 2014 rechnet Schilbe dann mit 1,7 Prozent. Weniger gut sieht es für die Euro-Zone insgesamt aus, da viele Länder weiter von Schuldenkrise, Rezession und teils rekordhoher Arbeitslosigkeit gebeutelt werden. 2013 sei daher allenfalls mit Stagnation in der Währungsunion zu rechnen, sagte Schilbe. Erst im kommenden Jahr kann er sich dann ein mageres Plus von einem Prozent vorstellen.

Keine Inflation in Sicht

Die gute Nachricht lautet allerdings: trotz der Geldschwemme der Zentralbanken droht nach Ansicht der BdB-Volkswirte vorerst kein Inflationsschub. 2013 und 2014 werde die Teuerung nur bei 1,9 beziehungsweise 1,8 liegen und damit exakt auf dem Niveau, dass die EZB anpeilt. Und auch vom Euro -Wechselkurs droht für die Exporteure wohl kein Ungemach. Laut BdB-Prognose soll der Außenwert der Gemeinschaftswährung in den beiden kommenden Jahren um das aktuelle Niveau von 1,30 Dollar schwanken - aber wohl mit je nach Lage kräftigen Ausschlägen zwischen 1,20 und 1,40 Dollar. Und wieder sind laut Schilbe EZB, Federal Reserve & Co. die entscheidenden Akteure: "Maßgebliche Einflussfaktoren werden dabei die weitere Entwicklung der europäischen Staatsschuldenkrise sowie die Erwartungen über die weitere geldpolitische Ausrichtung beiderseits des Atlantiks sein."

Das Online-Portal Bondcube vermittelt Anleihenhändler untereinander. Die deutsche Börse sieht darin ein lukratives Geschäftsmodell.
 

Anleihen

Die Deutsche Börse beteiligt sich an einem Dating-Portal für Anleihenhändler

Die Diskontairline Ryanair will eine Anleihe zur Finanzierung neuer Flugzeuge ausgeben.
#Ryanair
 

Anleihen

Ryanair nimmt Kurs auf die Börse: Anleihe zur Finanzierung neuer Jets

Deutschlands zweitgrößte Airline hat eine Anleihe aufgestockt, um die Schrumpfkur bezahlen zu können
#Air Berlin
 

Anleihen

Air Berlin holt sich 75 Millionen