Die Geschichte wiederholt sich – Bernanke goes Greenspan

Die Geschichte wiederholt sich – Bernanke goes Greenspan

Der mächtigste Notenbanker der Welt schiebt den Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes völlig überraschend noch einmal auf. Damit könnte Bernanke in eine ähnliche Falle tappen wie sein legendärer Vorgänger Alan Greenspan. Der hielt die US-Wirtschaft mit seiner lockeren Geldpolitik nach der Jahrtausendwende lange bei Laune. Er schuf zugleich aber den Nährboden für eine Immobilienblase und letztlich die weltweite Finanzkrise, die zahlreiche Banken und später viele Staaten an den Rand des Zusammenbruchs brachte.

Schon jetzt lässt sich der Kurs vieler Aktien an der Wall Street nicht mehr mit den fundamentalen Daten der Firmen rechtfertigen. Das viele billige Geld sorgt zurzeit für Partystimmung an den Börsen. Doch droht der große Katzenjammer, wenn die Droge entzogen wird.

Bernanke bleiben nur noch wenige Monate im Amt, um den Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik einzuleiten, den er selbst für dieses Jahr in Aussicht gestellt hatte. Ein Hinauszögern könnte fatale Folgen haben, wie das Beispiel Greenspan lehrt: "Man muss vorsichtig mit historischen Vergleichen sein. Doch am Ende der Entwicklung stand damals die große Depression", gibt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer zu bedenken. Dass Bernanke vor der Kehrtwende zurückscheut, ist ihm unverständlich: "Die US-Wirtschaft ist doch aus der Gefahrenzone heraus. Ich verstehe nicht, warum sich die US-Notenbank nicht einmal traut, die aggressiven Anleihe-Käufe etwas zurückzufahren." Bernanke riskiere mit seiner weichen Haltung "neue Übertreibungen an den Finanzmärkten".

Auch die Aussicht, dass die Zinsen in den USA noch anderthalb Jahre so extrem niedrig bleiben, facht die Vermögenspreise an. Eine brandgefährliche Situation, wie das Kieler Institut für Weltwirtschaft warnt: "Wir befürchten, dass dieses billige Geld, das in immer größeren Mengen in die Märkte gedrückt wird, zu Verwerfungen führt", so IfW-Experte Klaus-Jürgen Gern im Deutschlandradio. Das Kardinalproblem ist aus Sicht der Kieler Forscher, dass die große Geldschwemme nicht zielgenau da ankommt, wo sie wirklich gebraucht wird.

Statt mit dem billigen Geld Investitionen in der Wirtschaft anzukurbeln und Jobs zu schaffen, treibt Bernanke mit seiner Geldflut hauptsächlich die Preise bei Aktien, Immobilien und Renten-Papieren hoch: "In dem Moment, da der Geldhahn zugedreht wird, stehen Finanzinstitutionen plötzlich mit gesunkenen Vermögenstiteln da. Und das ist im Prinzip eine ähnliche Situation, wie wir sie vor der großen Finanzkrise auch hatten."

Greenspan verpasste den Absprung

Geschichte wiederholt sich - eigentlich - nicht. Doch die Erfahrung der großen Liquiditätsschwemme unter Greenspan ist ein Menetekel: Der einst als Zauberer unter den Notenbankern gepriesene Fed-Chef hatte nach dem Platzen der Internet-Blase und den Anschlägen vom 11. September 2001 den Leitzins kräftig gesenkt. Erst Mitte 2004 straffte Greenspan die Geldpolitik. Viel zu spät, wie sich im Nachhinein herausstellte. Mit dem billigen Geld hatte die Fed einen exzessiven Immobilienboom befeuert, der auch einen Konsumrausch auf Pump auslöste. Als die Zinsen dann aber stiegen und die Häuserpreise einbrachen, war die Katastrophe nicht mehr aufzuhalten. Seit Mitte 2007, spätestens aber seit dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 hält die Finanzkrise die Welt in Atem.

Und die Notenbanken mussten wieder auf Krisenmodus schalten. So hat die Fed im Kampf gegen die Ausläufer dieses finanzpolitischen Bebens ihre Bilanz massiv aufgebläht - auf zuletzt 3,6 Billionen Dollar. Allein das im September 2012 aufgelegte Ankaufprogramm dürfte bei einer Laufzeit bis Ende 2014 Experten zufolge rund 1,3 Billionen Dollar kosten.

Hat auch Bernanke seine Chance verpasst?

Die Politik des ungehemmten Gelddruckens könnte sich bitter rächen, meint ZEW-Präsident Clemens Fuest: Es droht ein großer Absturz, wenn am Ende die Anleihe-Käufe eingestellt werden." Insgesamt dürfte Bernanke mit seinem Rückzieher die Chance verpasst haben, einen "glatten Ausstieg" zu schaffen. Statt den Märkten Führung zu geben, habe er sie verunsichert: "Viele Anleger haben auf seine Ankündigung einer Straffung vertraut und sind auf dem falschen Fuß erwischt worden. Das ist keine Kleinigkeit", meint Fuest. Der Fed-Chef, der wohl Ende Januar 2014 seinen Posten räumen wird, riskiere einen negativen Eintrag in den Geschichtsbüchern: "Das könnte sich rückblickend einmal als historische Fehlentwicklung entpuppen."

Auch wenn sich die Notenbank nun gegen Ende des Jahres doch noch zu einem kleinen Schritt durchringen könnte, dürfte es ihr nach der gründlich fehlgeschlagenen Vorbereitung der Märkte auf die September-Sitzung schwerfallen, eine zweite Überraschung zu vermeiden. Die Fed wird den Schalter aber noch rechtzeitig umlegen, hofft der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, Michael Hüther: "Es ist noch nicht zu spät. Der Einstieg in den Ausstieg muss kommen."

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