"Die Frage ist, was für US-Staatsanleihen bezahlt wird, wenn die größten Käufer davon laufen"

Die Papiere sind dieses Jahr um 4,1 Prozent gefallen. Begründet wird das mit Spekulationen um eine Drosselung der Anleihekäufe der US-Notenbank Fed. Sie ist der größte Käufer von Treasuries. Gleichzeitig treiben diese Besorgnisse den Dollar seit vier Monaten gegenüber Schwellenländerwährungen in die Höhe - hier gab es bis zuletzt die längste Aufwärtsbewegung seit 2001, wie Daten von Bloomberg zeigen.

"Die Frage ist, was für US-Staatsanleihen bezahlt wird, wenn die größten Käufer davon laufen"

Indien, Brasilien, Indonesien und Russland haben mittlerweile am Devisenmarkt interveniert. Und Dollarverkäufe bedeuten die Liquidierung von US-Staatsanleihen, sagen Bondhändler bei Scotiabank und Bank of America Corp. Die Ankündigung der Fed, ihre Treasuries-Ankäufe zu verringern, führte zu einer Kapitalflucht aus den Schwellenländern.

Zwar ist der Rückgang der Treasuries-Bestände ausländischer Zentralbanken bei der Federal Reserve um 48 Mrd. Dollar seit einem Rekordvolumen im Juni weniger als halb so umfangreich wie der Abfluss aus US-Bondfonds in den letzten drei Monaten mit 113 Mrd. Dollar, doch markiert er eine Trendwende.

Der Anteil der Treasuries in Händen ausländischer Gläubiger ist im ersten Halbjahr 2013 um 0,6 Prozent zurückgegangen und wird mit Blick auf das Gesamtjahr voraussichtlich erstmals seit dem Jahr 2000 rückläufig sein. Das ist ein Abschied von den Wachstumsraten von jährlich zehn Prozent seit dem Jahre 2006: “Es gibt einen Mangel an Käufern im Treasuries-Markt”, sagt Ali Jalai, in Singapur Händler bei Scotiabank, einer Tochtergesellschaft der kanadischen Bank of Nova Scotia, in einem Telefoninterview mit Bloomberg News. “Verkäufe von Notenbanken, um ihre Währungen zu stützen, verschärfen die Situation”, fügte er an.

Die Devisenreserven der zwölf größten Schwellenländer - mit Ausnahme von China und Ländern ohne freien Wechselkurs - sind dieses Jahr um etwa zwei Prozent gesunken, wie von Bloomberg zusammengestellte Daten zeigen. Das ist der größte Rückgang seit dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers vor fünf Jahren mit elf Prozent.

Devisenreserven sinken, Treasuries werden verkauft

“Ein Großteil der Zentralbankreserven fließt in die Märkte für Festverzinsliche”, sagt Bin Gao, Leiter der Zinsanalyse für die Regionen Asien und Pazifik bei Bank of America in Hongkong. “Wenn die Devisenreserven sinken, müssen sie einen Teil ihrer Bonds verkaufen. Das beeinträchtigt die Treasuries bereits.”

In den drei Monaten bis zum 30. Juni verkauften Ausländer Treasuries im Volumen von 124 Mrd. Dollar. Brasilien, Taiwan und Russland reduzierten ihre Bestände um insgesamt 22 Mrd. Dollar. Den größten Verkauf tätige Thailand, dessen Zentralbank für 18,2 Mrd. Dollar Treasuries verkaufte - ein Drittel ihres Bestands.

Negativ-Spirale

“Zentralbanken in Schwellenländern werden unter intensiven Druck kommen, ihre Währungen zu verteidigen, indem sie Treasuries aus ihrem Bestand verkaufen”, schrieb Stephen Jen, Mitgründer des Hedgefonds SLJ Macro Partners LLP in London per E-Mail. “Durch die Devisenreserven der Zentralbanken in den Schwellenländern könnte es zu einer negativen Spirale zwischen dem Druck auf die Märkte der Schwellenländer und den US- Treasuries kommen.”

In einer Umfrage von Bloomberg News in der vergangenen Woche gehen die befragten 34 Ökonomen im Median davon aus, dass die Fed auf ihrer nächsten Sitzung am 17. und 18. September beschließen wird, ihre Anleihekäufe im Gesamtvolumen von 85 Mrd. Dollar monatlich um 10 Mrd. Dollar zu verringern. Die US- Notenbank hat 2011 China überholt und wurde zum größten Gläubiger der USA. Ihr Bestand an Treasuries summiert sich auf 2,03 Billionen Dollar.

China besitzt US-Staatsanleihen im Volumen von 1,18 Billionen Dollar. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt reduzierte ihren Bestand im Juni um 1,7 Prozent - so viel wie seit 2011 nicht mehr, obgleich das Land in der ersten Jahreshälfte sein Volumen um 4,5 Prozent erhöht hatte.

Japan stutzte seine US-Staatsanleihen im ersten Halbjahr um 2,5 Prozent auf 1,1 Billionen Dollar, wie Daten des US- Finanzministeriums zeigen, kaufte aber im Juli für netto 26,5 Mrd. Dollar hinzu.

“Die Käufer US-amerikanischer Treasuries werden künftig zu einem größeren Teil amerikanische Investoren aus dem privaten Sektor sein”, sagte Kit Juckes, globaler Stratege bei Société Générale in New York zu Bloomberg Television. Die US-Sparte der französischen Bank ist ein Primärhändler in den USA. Die Verringerung der Anleihekäufe durch die Fed nannte er “eine Übung zur Preisfindung.” Es stelle sich die Frage, was für US- Staatsanleihen bezahlt werde, “wenn die größten Käufer davon laufen.”