"Die EZB wird nicht so schnell die Zinsen normalisieren"

"Die EZB wird nicht so schnell die Zinsen normalisieren"

In der vergangenen Woche haben sich Händler-Spekulationen, dass die Zinsen im Euroraum langsamer steigen werden als in Großbritannien, so stark erhöht wie seit einem Jahr nicht mehr, wie aus Terminkontrakten hervorgeht.

Das spiegelt Erwartungen von Investoren wieder, dass die niedrigen Fremdkapitalkosten ein entscheidender Faktor für die Erholung des Euroraums von der Rezession sein wird. Die Aussichten, dass die Federal Reserve die Stützungsmaßnahmen zurückfährt, treiben weltweit die Bondrenditen nach oben, wobei die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen sich in Relation zu den entsprechenden britischen Renditen auf dem tiefsten Stand seit mehr als drei Jahren befinden.

“Die Lage in Europa macht es der Zentralbank leichter, Investoren zu überzeugen, dass die Poltiik noch einige Zeit beibehalten wird”, sagt John Stopford, Leiter Festverzinsliche bei Investec Asset Management. “Es gibt immer noch Zweifel, ob das von uns zu beobachtende Wachstum mehr als eine Stabilisierung ist. Bei der EZB ist eine klarere Tendenz zu einer unveränderten oder lockereren Politik auszumachen.”

Die implizite Rendite für Euribor-Kontrakte mit Laufzeit bis September 2015, ein Indikator für den Ausblick der Drei- Monats-Geldmarktsätze, ist in der vergangenen Woche um 13 Basispunkte auf 0,91 Prozent gestiegen. Der Satz für entsprechende britische Sterling-Kontrakte ist um 28 Basispunkte auf 1,33 Prozent geklettert, womit sich die Differenz zwischen den beiden Kontrakten um 15 Basispunkte ausgeweitet hat, der größte Wochenanstieg seit Mai 2012.

Der Renditeaufschlag von zehnjährigen britischen Gilts gegenüber deutschen Bundesanleihen vergleichbarer Laufzeit liegt bei 82 Basispunkten, dem höchsten Wert seit Juni 2010 auf der Basis von Schlusskursen.

Zwar hat der britische Notenbankgouverneur Mark Carney gesagt, er gehe nicht davon aus, dass die Bank of England die Zinsen vor frühestens 2016 erhöhen werde. Jedoch haben die Anzeichen konjunktureller Stärke und die Uneinigkeit der Mitglieder der geldpolitischen Ausschusses der BoE bezüglich des Inflationsausblicks Spekulationen angeheizt, dass der britische Notenbankchef früher handeln werde. Der EZB-Rat hat den Hauptrefinanzierungssatz im Mai auf ein Rekordtief von 0,5 Prozent gesenkt, was die britischen Kollegen bereits im März 2009 getan hatten.

“Draghi hat sehr viel Glaubwürdigkeit”, sagt Allan von Mehren, Chef-Analyst bei Danske Bank A/S in Kopenhagen. “Er hat sehr klar zu verstehen gegeben, dass die Zinsen in Europa vorläufig nicht steigen werden. Bezüglich der EZB gibt es ein starkes Vertrauen, dass das was Draghi sagt, passieren wird, während in Großbritannien der Leiter des geldpolitischen Ausschusses eine Sache sagen kann, aber sich nicht unbedingt durchsetzen kann.”

Britische Anleihen deutlich schwächer

Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen hat am 15. August 1,91 Prozent erreicht, den höchsten Stand seit März 2012. Die Rendite von Gilts gleicher Laufzeit ist bis auf 2,71 Prozent geklettert, den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren.

Bundesanleihen haben in diesem Jahr bis zum 15. August bisher 2,4 Prozent verloren, wie aus den Bloomberg World Bond Indexes hervorgeht. Damit haben sie sich besser entwickelt als Gilts, die 4,6 Prozent eingebüßt haben und als US-Treasuries, die auf ein Minus von 3,4 Prozent kamen.

Zwar ist die Wirtschaft des Euroraums im zweiten Quartal erstmals seit 2011 gewachsen, aber Spanien, Italien und die Niederlande verzeichneten eine Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts, und die Arbeitslosenquote befindet sich auf einem Rekordhoch von 12,1 Prozent. Draghi hatte im vergangenen Monat eine bisher noch nie dagewesene Zusicherung abgegeben, die Zinsen für einen längeren Zeitraum niedrig zu halten, um die Konjunktur zu stützen. Er wiederholte diese Zusage auf einer Pressekonferenz nach der EZB-Sitzung in diesem Monat.

"Die Wirtschaft in Europa hinkt hinterher", sagt Michael Markovich, Leiter weltweite Zinsanalyse bei Credit Suisse in Zürich. "Die EZB wird angesichts der konjunkturellen Lage nicht so schnell die Zinsen normalisieren."

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