Die EZB wird für Verluste geradestehen

Die EZB wird für Verluste geradestehen

Das sagten zwei hochrangige Notenbanker der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch - einen Tag vor einer Sitzung des EZB-Rats in Frankfurt, bei der ein umfangreiches und in Deutschland höchst umstrittenes neues Anleihekaufprogramm als Hilfe für überschuldete Euro-Länder beschlossen werden soll.

Ein EZB-Sprecher wollte die Informationen nicht kommentieren und erklärte, es sei nicht zielführend, über noch nicht getroffene Entscheidungen zu berichten.

Die EZB werde ihren bevorzugten Gläubigerstatus bei Anleihekäufen höchstwahrscheinlich aufgeben, sagten die beiden Notenbanker. Dies sei in den Dokumenten zur Vorbereitung der Sitzung vorgeschlagen worden und werde im EZB-Rat am Mittwochabend sowie Donnerstagmorgen aber noch einmal diskutiert. "Es gibt ein Problem, wenn die Notenbanken auf dem 'preferred creditor status' bestehen - denn je stärker der öffentliche Sektor dann am Anleihemarkt interveniert, um so weniger ist der Privatsektor an Staatsanleihen interessiert", sagte der eine Zentralbanker.

Im Frühjahr hatte die Notenbank die durch die Umschuldung Griechenlands eigentlich notwendigen Abschreibungen auf von ihr gehaltene Anleihen des Landes mit einem juristischen Trick und einem vielfach kritisierten Umtausch vermieden. Seitdem war das Vertrauen privater Investoren in den Anleihemarkt noch weiter gesunken, als ohnehin schon wegen der Schuldenkrise. Bis dato hat die Notenbank Staatsanleihen von Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien im Wert von mehr als 200 Milliarden Euro in ihre Bilanz genommen.

"Gegengeschäfte" geplant

Die von EZB-Präsident Mario Draghi vergangenen Monat in Aussicht gestellten neuen Anleihekäufe werden nach Darstellung beider Insider so gestaltet sein, dass das dafür geschöpfte Geld über Gegengeschäfte wieder aus dem Finanzkreislauf gezogen werden kann, damit sich kein Inflationspotenzial aufbaut. "Es kann sterilisiert werden, aber es wird keine Muss-Bestimmung sein", sagte zudem einer der beiden Notenbanker zu Reuters. Sollte diese Option vom EZB-Rat so beschlossen werden, würde das die Tür für eine noch stärkere Lockerung der Geldpolitik offen halten, wie sie etwa die US-Notenbank Fed bereits praktiziert.

EZB-Chef Draghi werde bei der Pressekonferenz im Anschluss an die an den Finanzmärkten mit Spannung erwartete Ratssitzung keine Angaben über das mögliche Gesamtvolumen der Eingriffe am Anleihemarkt machen. Der EZB-Rat wolle den Spielraum behalten, darüber "von Fall zu Fall" zu entscheiden, sagte einer der beiden Zentralbanker. Die EZB wolle auch keine Details zu ihren Interventionen, etwa zu angepeilten Maximalzinsen für die von der Schuldenkrise besonders getroffenen Länder, nennen, sondern die Marktteilnehmer im Unklaren lassen.

Mit einer weiteren Leitzinssenkung auf dann 0,5 Prozent ist nach Angaben der Notenbanker am Donnerstag nicht zu rechnen. "Meiner Ansicht nach nicht", sagte der eine Insider. Der andere erklärte, die Ratssitzung werde sich so gut wie ausschließlich auf die Modalitäten der geplanten Anleihekäufe konzentrieren und "deshalb keine Zeit für eine Beratung des Zinses bleiben". Einer der Insider erklärte jedoch, die wirtschaftliche Lage in vielen Euro-Ländern sei so schlecht, dass früher oder später auch mit einer weiteren Leitzinssenkung zu rechnen sei.

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