"Die Erholung der Eurozone wird wieder ins Stocken geraten"

"Die Erholung der Eurozone wird wieder ins Stocken geraten"

Die Renditedifferenz zwischen zwei- und zehnjährigen deutschen Bundesanleihen hat sich am 19. August auf 169 Basispunkte, den höchsten Wert seit März 2012, ausgeweitet. Investoren fordern höhere Erträge bei längerfristigen Papieren, um für eine mögliche Beschleunigung der Inflation bei einem Anziehen der Wirtschaft entschädigt zu werden. Laut den Experten der Deutschen Bank müsste sich der Spread aufgrund der Fundamentaldaten der Eurozone noch ausweiten. Unglücklicherweise orten andere Strategen den einen oder anderen Haken.

Die steilste Renditekurve für deutsche Bundesanleihen in 18 Monaten spiegelt nach Ansicht von Analysten der Deutschen Bank das Wachstumspotenzial im Euroraum unzureichend wider. Die Experten des größten deutschen Kreditinstituts rechnen mit einem weiteren Anstieg der längerfristigen Papiere.

Die Renditedifferenz zwischen zwei- und zehnjährigen Papieren hat sich am 19. August auf 169 Basispunkte, den höchsten Wert seit März 2012, ausgeweitet. Der Spread liefert einen Anhaltspunkt zu den Erwartungen der Anleger bezüglich der Konjunkturaussichten. Investoren fordern höhere Erträge bei längerfristigen Papieren, um für eine mögliche Beschleunigung der Inflation bei einem Anziehen der Wirtschaft entschädigt zu werden. Selbst nach einem Anstieg um 40 Basispunkte bei den zehnjährigen Bund-Renditen seit Ende April ist die deutsche Renditestrukturkurve flacher als die der USA oder Großbritanniens.

"Deutsche Renditekurve ist zu flach"

“Die deutsche Kurve ist ein wenig flach angesichts der Fundamentaldaten”, sagt Abhishek Singhania, ein Stratege bei der Deutschen Bank in London. “Es gibt zunehmende Anzeichen, dass die Erholung breit gefächert ist und diesmal ist sie unserer Einschätzung zufolge nachhaltig. Da die Eurozone sich weiter erholt und das Geld wieder in die Volkswirtschaften an der Peripherie und weg von Deutschland fließt, dürfte die Kurve noch steiler werden.”

Europa zeigt Zeichen einer beginnenden Konjunkturerholung, nachdem die Produktion im verarbeitenden Gewerbe im Juli erstmals in zwei Jahren expandierte und sich das Geschäftsklima verbessert hat. Die Wirtschaft des Euroraums wuchs in den drei Monaten bis Juni um 0,3 Prozent und beendete damit eine Schrumpfungsphase von sechs Quartalen.

Die Renditedifferenz zwischen zwei- und zehnjährigen deutschen Bundesanleihen lag zuletzt bei 162 Basispunkten, verglichen mit 238 Basispunkten für US-Treasuries und 236 Basispunkten für britische Gilts. Die Deutsche Bank erwartet eine Ausweitung des Spreads auf 174 Basispunkte bis Dezember und 185 Basispunkte zum Ende des ersten Quartals. Analysten in einer Bloomberg-Umfrage sahen den Renditeunterschied bei 151 beziehungsweise 155 Basispunkte.

Target2-Ungleichgewichte

Unterstützung erhalten die deutschen Papiere teilweise durch Zuflüsse aus den Peripherieländern, über das so gennante Target2-System, das grenzüberschreitende Zahlungssystem des Euroraums. Da Kapital aus den krisengeplagten Ländern wie Griechenland und Italien in die sicheren Häfen im Norden wie Deutschland und die Niederlande strömte und Banken aus den Südländern Geld bei der Europäischen Zentralbank ausliehen, haben sich Ungleichgewichte aufgebaut.

Die Target2-Forderungen Deutschlands stiegen vor einem Jahr auf einen Rekordwert von 751 Mrd. Euro, sanken danach wieder ab und lagen Ende vergangenen Monats bei 576 Mrd. Euro, wie aus von Bloomberg zusammmengestellten Daten hervorgeht. Das ist fast das Dreifache des Euroraum-Durchschnitts von 194 Mrd. Euro aus den vergangenen zehn Jahren.

Hürden: Arbeitslosenquote und Kreditvergabe

Zwar signalisieren Wirtschaftsdaten, dass der Euroraum seinen bisher längsten Konjunktureinbruch hinter sich lässt. Aber die Arbeitslosenquote ist noch nicht von ihrem Rekordhoch von 12,1 Prozent gesunken. Ökonomen prognostizierten in einer monatlichen Bloomberg-Umfrage einen Anstieg auf 12,4 Prozent im vierten Quartal und durchschnittlich 12,3 Prozent für 2014.

Die Bankkredite an Unternehmen und private Haushalte sanken im Juli den fünfzehnten Monat in Folge, die bisher längste Schrumpfung bei den Krediten, schrieb die Europäische Zentralbank in Frankfurt am 28. August. EZB-Präsident Mario Draghi sagte am 1. August, dass die Kreditentwicklung hinter der Konjunktur herhinken werde.

“Die Erholung im Euroraum wird bestenfalls milde ausfallen. Tatsächlich kann möglicherweise argumentiert werden, dass die in den vorherigen Monaten zu beobachtende Erholung wieder ins Stocken geraten wird”, sagte Salman Ahmed, weltweiter Stratege bei Lombard Odier Investment Managers. “Der nicht funktionierende Kreditübertragungsmechanismus und die hohe Arbeitslosigkeit bleiben wichtige Strukturprobleme. Es gibt eine gewisse Stabilisierung des Wachstums auf einem niedrigen Niveau, aber kein nennenswertes Aufholen.”

Ahmed geht davon aus, dass eine weitere Versteilung der Renditekurve begrenzt ist, da der jüngste Anstieg bei den zehnjährigen Bundesrenditen von Spekulationen der Investoren getrieben werde, dass die Federal Reserve bald die Bondkäufe reduzieren wird.

Die Differenz zwischen zwei- und zehnjährigen Bundrenditen werde sich auf 180 Basispunkte ausweiten, wenn letztere steigen, sagt Richard McGuire, leitender Stratege Festverzinsliche bei Rabobank International in London. Ein weiterer Anstieg des Spreads dürfte begrenzt sein, da die EZB wohl Maßnahmen ergreifen werde, bevor ein unerwünschter Renditeanstieg die Konjunkturerholung in der Region gefährdet, argumentiert er.

“Gegenwärtig scheint die EZB angesichts einer gewissen Verbesserung der Konjunkturdaten recht zufrieden”, so McGuire. “Europa wird für externe Schocks anfällig bleiben und daher wird die EZB auf der Hut vor einer de facto Straffung der Geldpolitik sein.”

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