Die Bondblase – wetten, dass sie doch noch platzt?

Berkshire Hathaway, die Investment-Holding von Warren Buffett, und General Electric (GE) gehörten zu den Konzernen mit den größten Emissionen - welche sich insgesamt auf 416,8 Mrd. Dollar im Januar beliefen, wie Daten von Bloomberg zeigen. Das sind mehr als die 226 Mrd. Dollar im Vormonat und mehr als die 407,2 Mrd. Dollar im Januar 2009.

Die Bondblase – wetten, dass sie doch noch platzt?

Im vergangenen Jahr waren die Verkäufe von Unternehmensanleihen - über alle zwölf Monate hinweg gesehen - um rund 20,5 Prozent gestiegen auf 3,96 Billionen Dollar.

In den Treasury-Abteilungen vieler Konzerne steigt der Appetit auf Finanzierungen über den Anleihemarkt. Gleichzeitig spricht die Bank of America von einer “ungeordneten Umschichtung” bei Investoren, die Anleihen abstoßen und bei Aktien zugreifen - was einen Anstieg der Finanzierungskosten mit sich bringen könnte. Die Renditen für die risikoreichsten Kreditnehmer bis hin zu jenen für die kreditwürdigsten Unternehmen sind im Januar zum ersten Mal seit Mai geklettert.

“Der Markt ist ganz offensichtlich richtig heiß gewesen, und lockte jeden Emittenten hinter dem Ofen hervor”, sagte Marc Gross, ein Vermögensverwalter bei RS Investments in New York, in einem Interview mit Bloomberg News. Die Firma verwaltet Fixed-Income-Fonds im Volumen von 3 Mrd. Dollar. “Der Markt heißt Emittenten willkommen, und sie werden wohl weiter kommen - bis der Markt endgültig gesättigt ist.”

Berkshire, die von ihrem Vorsitzenden durch Übernahmen und Aktienkäufe in ein 241 Mrd. Dollar schweres Unternehmen entwickelt worden ist, hatte im Januar 2,6 Mrd. Dollar über eine Emission in vier Tranchen eingesammelt, wie aus Daten von Bloomberg News hervorgeht. Teil war ein Emission über 1 Mrd. Dollar mit 4,5-Prozent-Zinskupon und Laufzeit von 30 Jahren. Berkshire bot dafür eine Rendite, die etwa 140 Prozent über jener von US-Staatsanleihen vergleichbarer Laufzeit liegt.

GE, der größte Hersteller von Triebwerken für Flugzeuge, holte sich indes 4 Mrd. Dollar mit einem dreiteiligen Angebot am Markt, wie Daten von Bloomberg News belegen. Mit dabei waren 2 Mrd. Dollar zu 3,1 Prozent - zehnjährige Papiere mit einem Spread von 122 Basispunkten.

Es drohen "massive Abflüsse"

Im Qualitäts-Bereich “Investment-Grade” drohen in diesem Jahr “massive Abflüsse”, weil Investoren mit den steigenden Risiken höherer Zinsen ihre Allokation in Richtung Aktien verlagern, schrieben Analysten unter der Führung von Hans Mikkelsen von Bank of America Merrill Lynch in einer Studie, die am 28. Januar veröffentlicht worden ist.

Die potenzielle Umschichtung ist “das größte Risiko für den Bereich Investment-Grade in diesem Jahr - und jenes, um das wir uns immer mehr Sorgen machen”, schrieben sie.

Auch Emittenten in der Eurozone aus dem Segment der Hochzinspapiere nutzten die rege Nachfrage , die Kurse indes sind seit der Emission unter Druck geraten.

Beispiele dafür sind unter anderem Unitymedia Hessen GmbH & Co. KG die nach Bloomberg-Daten 500 Mio. Euro an 5,125-Prozent- Papieren am 16. Januar begab. Der Gesundheitskonzern Fresenius SE & Co. emittierte am 10. Januar Bonds mit 2,875 Prozent. Zwei Tage zuvor, am 8. Januar, kam der spanische Telekomriese Telefonica SA mit zehnjährigen Papieren im Volumen von 1,5 Mrd. Euro auf den Markt. Bei der Wertentwicklung seither sind die Spanier Schlusslicht im Segment Unternehmensanleihen.

Für Simon Ballard, einem leitenden Kredit-Strategen bei National Australia Bank in London, ist klar: “Wir haben Anzeichen für einen wahllosen Risiko-Appetit gesehen. Einige Leute kauften ziemlich alles, weil es das einzig verfügbare Material mit Mehr-Rendite war, auf das sie setzen konnten.”