"Die Blase muss platzen"

"Die Blase muss platzen"

Bei Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit gaben sie sich mit - aus Schuldnersicht traumhaften - Renditen von 1,3 Prozent zufrieden. Doch im neuen Jahr soll damit Schluss sein. Analysten sagen einen Anstieg der zehnjährigen Rendite auf über zwei Prozent voraus. Damit würde sie knapp über dem 2011er Schlussniveau von 1,84 Prozent liegen.

Hauptgrund für den Renditeanstieg ist laut Börsianern eine Entspannung in der Euro-Schuldenkrise. Ob die auch dem Euro zugute kommen kann, ist aber umstritten. Während vereinzelt ein Anstieg des Euro sogar auf über 1,40 Dollar von aktuell 1,29 Dollar erwartet wird, sehen andere die Gemeinschaftswährung unter 1,20 Dollar fallen.

"Die Krise in der Euro-Zone hat sich ein bisschen entschärft - vor allem dank der EZB, die zur Not unbegrenzt Anleihen von hilfesuchenden Staaten kaufen will", fasst Rentenanalyst Rainer Guntermann von der Commerzbank zusammen. Dass die Rettungsschirme ein Limit hätten, sei auch dadurch in den Hintergrund gerückt. Für 2013 rechnet Guntermann denn auch mit sinkenden Risikoaufschlägen für die Anleihen der Euro-Sorgenkinder.

Defizitziele als Schlüssel

Andere Börsianer sind da wesentlich skeptischer. Zwar habe die EZB durch ihre Politik die Lage an den Rentenmärkten stabilisieren können, erklärt Paul Robson, Währungsstratege bei RBS Global Banking & Markets in London. Doch die Probleme seien weiter ungelöst. "Wir glauben, dass die Länder Mühe haben werden, die versprochenen Defizit-Ziele 2013 zu erreichen", erklärte Robson. Auch nach einer von Reuters Anfang des Monats vorgenommenen Umfrage unter mehr als 60 Analysten hat der Euro wenig Chancen auf ein Comeback. Im Schnitt sagen die Experten auf Sicht von zwölf Monaten vielmehr einen etwas niedrigeren Eurokurs von 1,25 Dollar voraus.

Im nun zu Ende gehenden Jahr ist der Euro per saldo kaum von der Stelle gekommen. Ende 2011 hatte er bei 1,29 Dollar notiert - und damit auf dem aktuellen Niveau. Die Bandbreite reichte von 1,3486 Dollar am 24. Februar bis zu 1,2043 Dollar genau fünf Monate später.

Hohe Streuung bei Konjunkturprognosen

Zu den großen Skeptikern in Sachen Euro zählen in diesem Jahr die Analysten der DekaBank. Sie sagen für Ende 2013 einen Eurokurs von nur noch 1,18 Dollar voraus. Für sie ist die Glaubwürdigkeit der Gemeinschaftswährung international noch nicht wieder voll hergestellt, obwohl das Risiko eines Zusammenbruchs der Euro-Zone auf Sicht von zwei bis drei Jahren aus dem Markt genommen sei.

Auch der Chefvolkswirt der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer, sieht die Gefahr eines Zerfalls der Währungsunion in absehbarer Zeit gebannt. Doch während die DekaBank der Wirtschaft der Euro-Zone erst für 2014 wieder Wachstum zutraut, ist Hellmeyer sehr viel optimistischer. "Ich rechne für 2013 mit einem Bruttoinlandsprodukt von mindestens vier Prozent für die Weltwirtschaft, von mindestens 1,5 Prozent für Deutschland und mindestens ein Prozent für die Euro-Zone", führt Hellmeyer aus. Für den Euro erwartet er daher Kurse von 1,40 bis 1,45 Dollar. Parallel dazu dürfte die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen sogar über 2,5 Prozent klettern. Hellmeyer hält daher für 2013 schon wieder eine Zinserhöhung durch die EZB für möglich - wenn auch nur eine moderate. Wie fast alle Analysten rechnet auch er damit, dass die US-Notenbank Fed die Geldschleusen weiter aufhalten wird.

Niedrigzinsphase bleibt

"Der geringe Inflationsdruck gibt den Notenbanken freie Bahn, ihre expansive Geldpolitik fortzusetzen", stellt auch Helaba-Chefvolkswirtin Gertrud Traud fest. Die EZB werde den Leitzins vermutlich bei 0,75 Prozent festzurren und sich auf das Aufkaufprogramm von Staatsanleihen konzentrieren. Auch Traud rechnet mit einer Entspannung der Euro-Schuldenkrise, was zu einer rückläufigen Nachfrage nach den überbewerteten deutschen Staatsanleihen führen dürfte. "Die Luft für Bundesanleihen wird gleichzeitig immer dünner", stellt Traud fest.

Mit anderen Worten, die von einigen als "Blase" bezeichnete Entwicklung bei deutschen Bundesanleihen steht vor dem Ende. "Die Frage lautet nicht, ob sie platzen kann - sie muss platzen", wie Andreas Utermann, globaler Anlagechef bei Allianz Global Investors, kürzlich auf einer Reuters-Veranstaltung in London ausführte. Börsianer sehen das nicht anders. Allerdings sehen sie die Luft aus der Blase langsam entweichen. "Nur wenn sich die Krise komplett auflösen und die Konjunktur stark anziehen würde, könnte das zu Verwerfungen führen", führt ein Experte aus. Darauf deute aber nichts hin. "Das wird ein eher langsames Luftablassen."

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