Detroit-Pleite verleiht Bond-Versicherern wieder Flügel

Detroit-Pleite verleiht Bond-Versicherern wieder Flügel

Die Branche der Bond-Versicherer bekam die Finanzkrise mit voller Wucht zu spüren. So brach der Branche fast ihr komplettes Geschäft weg. Mittlerweile hat sich der Markt wieder neu sortiert. Aktuell sorgt die Pleite der Auto-Stadt Detroit für Diskussionsstoff und neue Belastungen. Doch viele Experten betonen, die Lasten sind dieses Mal für die Anbieter verkraftbar.

Mehr noch: Vielleicht führt die Insolvenz anderen Kommunen sogar vor Augen, dass es wichtig ist, sich bei Anleihe-Emissionen abzusichern, um so mehr Investoren anzulocken. Dann könnte der Markt für die Versicherer wieder in Schwung kommen. Denn je sicherer die Wertpapiere wahrgenommen werden, wenn Kommunen sie mit entsprechenden Policen gegen Zahlungsausfälle versehen, desto größer wird die Nachfrage nach den Anleihen sein.

Investoren bekämen im Falle Detroits die Vorteile des Versicherungsschutzes vorgeführt, sagt Alan Schankel, Chefstratege für festverzinsliche Wertpapiere beim Finanzdienstleister Janney Capital Markets. "Ich denke, dass es per saldo eine positive Marketing-Story für die Bond-Versicherer ist." Der Markt hatte einst ein Volumen von 3,7 Billionen Dollar. Vor der Finanzkrise waren mehr als die Hälfte der neuen Anleihen von Kommunen mit Versicherungsschutz versehen. In diesem Jahr sind es Daten von Thomson Reuters zufolge gerade noch magere drei Prozent.

Gebrochene Versprechen

Denn die Branche sorgte in der Finanzkrise nicht für Stabilität, sondern geriet selbst ins Schlingern - was den Ruf der Spezial-Versicherer ruinierte. Sie hatten vor 2007 viele Wertpapiere im Portfolio, die mit Hypotheken besichert waren. Als die Finanzkrise mit der geplatzten Immobilienblase in den USA begann, rächte sich dies.

Vorher noch mit Spitzennoten bei den Rating-Agenturen ausgestattet, wurden die Bond-Versicherer schnell in den sogenannten Ramsch-Bereich heruntergestuft, der für eine schlechte Kreditqualität steht. Mehrere Anbieter konnten versprochene Zahlungen nicht leisten - und mit dem gebrochenen Versprechen brach das Geschäft ein. Heute sehen die Bonitätsnoten der zwei großen Bond-Versicherer wieder besser aus: BAM bekommt von Standard & Poor's (S&P) ein "AA" und Assured Guaranty's ein "AA-". Beide Noten stehen für eine insgesamt gute Kreditqualität.

Werden nach Detroit weitere Städe pleite gehen?

In Detroit werden die Versicherer Schätzungen zufolge für rund 530 Millionen Dollar geradestehen müssen. Aus Analystensicht ist das eine Summe, die für die Spezial-Anbieter zu tragen ist. Es sind aber bereits andere US-Gemeinden wie Jefferson County in Alabama sowie Stockton oder San Bernardino in Kalifornien Pleite gegangen. Insofern sehen Kommunen momentan wieder ein Nutzen, Anleihen mit einem gewissen Versicherungsschutz zu versehen. Denn ihre Emissionen werden dadurch sicherer und attraktiver.

Das kann der Branche den erhofften Schub geben. Experten schränken aber ein, dass es nur einen positiven Effekt geben wird, wenn keine Welle kommunaler Pleiten folgt. "Wenn Detroit der erste Domino-Stein ist, dann wäre das wirklich ein Problem", erklärt Mark Palmer, Analyst beim Analysehaus BTIG Research. Aus seiner Sicht ist Detroit ein Sonderfall. Es gibt aber auch kritische Stimmen. Das Geschäftsmodell der Bond-Versicherer sei nicht überzeugend, sagt Dan Berger von der Thomson-Reuters-Tochter Municipal Market Data. "Je länger die Leute ohne Versicherungen auskommen, desto weniger denken sie, dass sie diese brauchen."

Detroit hatte Mitte Juli Konkurs angemeldet. Es ist der größte Bankrott einer Stadt in der US-Geschichte. Die Schulden belaufen sich schätzungsweise auf 18,5 Milliarden Dollar. Einst war Detroit eine blühende Auto-Metropole mit starken Konzernen wie GM und Ford, heute ist es ein heruntergekommener Ort ohne Perspektive. Es gibt immer weniger Jobs, viele Bürger ziehen weg. Von einst 1,8 Millionen Einwohnern sind noch 700.000 übrig geblieben. Die Einnahmen sinken und können die Ausgaben schon lange nicht mehr decken.

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