"Der Markt wird vorsichtiger"

Zurück zur "Rísk-Off"-Mentalität: Deutsche Staatsanleihen werden wieder gesucht, spanische indes verkauft. Die zehnjährige spanische Rendite stieg kurzzeitig sogar wieder über sieben Prozent.

"Der Markt wird vorsichtiger"

Eine starke Nachfrage bei der Auktion zehnjähriger Bundesanleihen hat am Mittwoch die Attraktivität der bereits gehandelten Papiere verstärkt. Einige Anleger nahmen zudem die trüberen deutschen Konjunkturaussichten zum Anlass, Kurs auf den "sicheren Hafen" zu nehmen. Der Bund-Future legte 65 Ticks auf 142,98 Punkte zu.

Die Finanzagentur verkaufte Papiere im Volumen von 3,4 Milliarden Euro. Dabei übertraf die Nachfrage das Angebot um das 1,8-fache. Die vorangegangene Auktion war lediglich 1,5-fach überzeichnet. Darüber hinaus lag der "Tail" - die Spanne zwischen dem durchschnittlichen und dem niedrigsten akzeptierten Gebotspreis - bei null Euro-Cent. Dies deutet darauf hin, dass kein Interessent versucht hat, den Preis zu drücken. Bei der Emission 30-jähriger Bundesanleihen vor zwei Wochen hatte ein gestiegener "Tail" für Spekulationen über ein schwindendes Vertrauen in Deutschland gesorgt.

"Das war eine ziemlich starke Auktion", sagte ING-Zinsstratege Alessandro Giansanti. Die Papiere hätten dabei unter anderem von den Kursverlusten der vergangenen Tage profitiert, die eine günstige Einstiegschance eröffnet hätten. Außerdem ebbe die vom Bekenntnis der Europäischen Zentralbank (EZB) zum Euro ausgelöste Rally bei den spanischen und italienischen Bonds ab. "Der Markt wird vorsichtiger und wartet auf weitere Maßnahmen der EZB und der Regierungen."

Die EZB hatte kriselnden Euro-Staaten Unterstützung in Aussicht gestellt, sobald diese unter den EU-Rettungsschirm schlüpfen und die damit verbundenen Spar- und Reformauflagen erfüllen. Anleger hoffen nun, dass damit die Schuldenkrise überwunden werden kann.

Spanien sorgt für Ungewissheit

Spanien gilt als Kandidat für einen Hilfsantrag. Da aber Unklarheit über das "Wie" und "Wann" herrscht, machten einige Investoren, die in den vergangenen Tagen bei spanischen Bonds beherzt zugegriffen hatten, Kasse. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen kletterte kurzzeitig wieder über die Marke von sieben Prozent, oberhalb der eine Staatsfinanzierung als langfristig untragbar gilt. "Es ist unklar, ob Spanien bereit für einen Hilfsantrag ist", sagte ein Börsianer. "Es sieht eher danach aus, dass es - wenn sie es tun - noch einige Wochen dauern wird."

Deutscher Wirtschaft geht die Puste aus

Angesichts des 0,9-prozentigen Rückgangs der deutschen Industrieproduktion im Juni trennten sich einige Investoren vom Euro. Er verbilligte sich auf 1,2337 Dollar, nach 1,2397 Dollar zum New Yorker Vortagesschluss. "Bereits seit mehreren Monaten offenbart die wenig dynamische Entwicklung, dass die deutsche Wirtschaft doch deutlicher unter den Konjunkturproblemen im übrigen Europa leidet als angenommen", sagte Analyst Bernd Hartmann von der VP Bank. Hoffnung auf Besserung gebe es derzeit kaum.

Gefragt war dagegen das britische Pfund. Die Bank von England (BoE) hatte ihre Wachstumsprognosen weniger stark gesenkt als befürchtet. Dadurch dämpfte sie Spekulationen auf eine baldige erneute Lockerung der Geldpolitik. Das Pfund Sterling stieg auf 1,5642 Dollar beziehungsweise 1,2674 Euro.