"Der Euro ist in einem kläglichen Zustand"

„Zurzeit planen wir nicht, diese Bonds zu kaufen“, erklärte Dmitri Medwedew, wie das Handelsblatt in einer Aussendung mitteilte. Russland verfügt nach China und Japan über die größten Devisenreserven der Welt: Moskaus Reserven im Wert von gut 475 Milliarden US-Dollar seien zu 42 Prozent in Euro investiert, sagte Medwedew: „Damit teilen wir bereits die Risiken auch des Euros.“

"Der Euro ist in einem kläglichen Zustand"

„Der Euro ist derzeit in einem kläglichen Zustand“, so Medwedew. Er sehe mit Sorge, dass die Diskussionen über die Maßnahmen zur Stabilisierung der Eurozone „zu lange dauern“. „Es war natürlich von Anfang an ein kompliziertes Modell, in dem eine starke Währung unterschiedlichen Volkswirtschaften dient, darunter schwachen. So etwas hat es in der Weltgeschichte noch nicht gegeben.“ Die südeuropäischen Wirtschaften müssten „entweder stärker werden, oder sie müssen auf den Euro verzichten“.

Die russische Regierung hoffe auf ein Überleben des Euros: „Wir sind der Ansicht, dass eine Weltwirtschaft, die sich auf mehrere Reservewährungen stützt, besser ist, als wenn es nur eine Reservewährung gibt“, sagte Medwedew dem Blatt. Neben dem Dollar und dem Euro zähle für ihn auch der chinesische Yuan dazu.

Privatisierungsoffensive

Russland will indes in diesem Jahr eine Privatisierungs-Offensive starten. „Unser Ziel ist kein Staatskapitalismus oder eine Staatswirtschaft“, sagte Medwedew dem Blatt. Trotz Deals wie bei der Übernahme des bisher privaten britisch-russischen Ölförderers TNK-BP durch den vom Kreml kontrollierten Rosneft-Ölkonzern gebe es keine Verstaatlichungstendenzen in seinem Land.

Vielmehr würden nach dem Verkauf eines 7,5-prozentigen Aktienpakets des größten Geldhauses des Landes, der Sberbank, für fünf Milliarden Dollar im vorigen Jahr nun weitere Staatsanteile privatisiert. Medwedew nannte dabei den Logistikkonzern Sowkomflot sowie Anteile des zweitgrößten Finanzkonzerns, der VTB Bank.

Auch die Privatisierung der Rosneft werde „weiter forciert“, sagte Medwedew. Zugleich verteidigte er die Übernahme von TNK-BP durch Rosneft: Russen und Briten hätten mit dem Gemeinschaftsunternehmen TNK-BP, an dem beide Seiten je 50 Prozent der Anteile besaßen, einen „dämlichen Vertrag abschlossen“, so Medwedew. Am Ende hätten sie sich zerstritten und seien „ständig im Clinch“ gelegen. Da habe der russische Staat TNK-BP kaufen müssen, um die strategisch bedeutsame Firma nicht in die Hände unliebsamer Investoren fallen zu lassen, sagte Medwedew unter Anspielung auf reich gefüllte Kassen in China. „Der Ölsektor gehört zu den strategischen Bereichen. Und für Russland wäre das eine falsche Entscheidung gewesen“, verteidigte Russlands Premier das staatliche Vorgehen im Ölsektor.