Der Countdown läuft: Fed leitet das Ende der Geldschwemme in den USA ein

Der Countdown läuft: Fed leitet das Ende der Geldschwemme in den USA ein

Die Tage der großen Geldschwemme in den USA sind gezählt. Über den genauen Zeitpunkt wird noch gerätselt, doch spätestens im September dürfte es soweit sein. Immerhin hat Fed-Chef Ben Bernanke die Märkte bereits behutsam darauf vorbereitet, dass die Notenbank den Umfang ihrer Anleihenkäufe herunterfahren wird.

Die Fed steht jedoch vor einer Gratwanderung: Sie darf die Gesundung der US-Wirtschaft nicht durch ein zu frühes Absetzen der Geldspritzen gefährden und muss zugleich die Nebenwirkungen im Auge halten. Kritiker warnen vor Preisblasen und langfristigen Inflationsgefahren durch die Politik des billigen Geldes.

Analystin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank hält die Strategie des Fed-Chefs für flexibel genug, um die Wirtschaft in der Spur zu halten. "Bernanke hat ausdrücklich darauf hingewiesen, dass, selbst wenn die Fed einen Gang zurückschalten würde, dies nicht das automatische Ende der Anleihekäufe bedeuten wird." Sollte sich die Lage wieder verschlechtern, könne die Fed auch wieder einen Gang hochschalten.

Um die Wirtschaft und vor allem den Arbeitsmarkt in Schwung zu bringen, hat die Fed in den vergangenen Jahren die Geldschleusen sperrangelweit geöffnet und Wertpapiere im Volumen von insgesamt 2,5 Billionen Dollar gekauft. Im September 2012 beschloss sie, die Notenpresse schneller rotieren zu lassen und zum Ankurbeln der Wirtschaft Monat für Monat 85 Milliarden Dollar in die Hand zu nehmen - in Form von Staatsanleihen und Immobilienpapieren.

Juni oder erst September – wann handelt Bernanke?

Die Medizin hat offenbar angeschlagen: Die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie seit über vier Jahren nicht mehr. Im April fiel die Arbeitslosenquote auf 7,5 Prozent. Für den tiefsten Stand seit Ende 2008 sorgten überraschend viele Neueinstellungen in den Unternehmen. Festigt sich der Trend, könnte die Fed ihr Krisenprogramm getrost etwas herunterzufahren. Bereits auf "einer der nächsten Sitzungen" könne es soweit sein, orakelte der Fed-Chef jüngst vor dem Kongress-Ausschuss. Im für die Zinspolitik entscheidenden Offenmarktausschuss (FOMC) der Fed scharren einige Mitglieder bereits mit den Hufen, wie aus den Protokollen der jüngsten Sitzung von Anfang Mai hervorgeht: Mehrere Notenbanker plädierten dafür, im Juni das Programm zum Ankauf von Anleihen und Wertpapieren zurückzufahren, falls sich starkes und nachhaltiges Wachstum abzeichne.

In dem Protokoll wird damit zum ersten Mal ein festes Datum für einen Abbau der Ankäufe genannt. "Auf der Juni-Sitzung hätte der FOMC die Arbeitsmarktdaten für Mai und die Daten zur Inflationsentwicklung im April parat und innerhalb der Pressekonferenz die Chance, die Art und Weise der Verminderung der Ankäufe zu erläutern", meint BayernLB-Expertin Christiane von Berg.

Doch die eher zurückhaltenden Äußerungen Bernankes vor dem Kongress lassen die Expertin daran zweifeln, dass er den Fuß tatsächlich so rasch vom Gas nehmen wird. Auch US-Notenbanker James Bullard rechnet nicht mit einem Schnellschuss der Fed: Der Zeitpunkt für das Zurückfahren des Programms sei nicht "so nah".

Viele Experten halten es eher für möglich, dass die Vollgasfahrt im Spätsommer endet - so auch der Vermögensverwalter Pimco: "Wahrscheinlich ist es im September soweit", sagt Pimco-Manager Bill Gross. Dann steht wieder eine Pressekonferenz Bernankes nach dem Zinsbeschluss an, den der Fed-Chef zum Erläutern des Ausstiegs-Pfads nutzen könnte. Die entscheidende Frage ist dabei, wie stark die Fed den Fuß vom Gas nehmen wird.

US-Notenbanker Bullard hat schon laut über eine Verringerung des monatlichen Ankauftempos um 15 bis 20 Milliarden Dollar nachgedacht - vorausgesetzt, die Wirtschaftslage erlaube das Bremsmanöver. Von einer Vollbremsung rät der Chefvolkswirt der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer, angesichts der fragilen Lage der US-Wirtschaft dringend ab: "Ein abrupter Ausstieg würde vergleichbar zu einem 'Cold Turkey' bei einem Junkie sein."

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