Der sagenhafte Boom bei Unternehmensanleihen

Österreichische Konzerne nützen die gute Stimmung und holen sich Milliarden von Anlegern. FORMAT zeigt, bei welchen Corporate Bonds Anleger dabei sein sollten.

Der sagenhafte Boom bei Unternehmensanleihen

Wer samstagabends zwei Stunden zu spät auf einer Party erscheint, hat Folgendes sicher schon erlebt: Die Stimmung ist auf dem Höhepunkt, die Gäste haben bereits das eine oder andere Gläschen Wein getrunken und man fragt sich: Habe ich das Beste schon verpasst?

Auf dem Markt für Unternehmensanleihen ist die Lage ziemlich ähnlich. Die Rally ist schon weit fortgeschritten, das Angebot groß, und ob die Renditen wirklich noch so attraktiv sind, ist fraglich. In Österreich gab es zuletzt jedenfalls einen regelrechten Boom bei Unternehmensanleihen: Andritz, OMV, Voest, Spar, Egger, Cross Industries und viele mehr platzierten bisher bereits Anleihen. Denn die Stimmung am Markt ist gut - vielleicht zu gut. FORMAT geht der Frage nach, ob sich der Kauf von Unternehmensanleihen wirklich lohnt.

Das Beispiel eines deutschen Mittelstandsbetriebs zeigt, dass sich Unternehmen schon sehr viel einfallen lassen, um für Investoren attraktiv zu sein: Die Identec Group, Spezialist in der Radio-Frequency Identification, begibt erstmals eine Unternehmensanleihe - den "RFID Technology Bond“. Doch das Identec-Papier hat Eigenheiten. Es hat eine Laufzeit von fünf Jahren und wird jährlich mit 7,5 Prozent verzinst. Zusätzlich erhalten Investoren 25 Prozent Bonusvergütung auf den Nominalbetrag am Ende der Laufzeit - sofern die Kontrollverhältnisse im Unternehmen sich bis dahin nicht ändern. Weitere Spezialität: Das Wertpapier ist seit dem 24. September 2012 werktags telefonisch direkt bei der Emittentin erhältlich. Und die Zeichnungsfrist läuft voraussichtlich bis 6. September 2013, vorzeitige Schließung vorbehalten. Abgesehen von dem für das aktuelle Niedrigzinsumfeld unfassbar hohen Kupon , hat die Anleihe noch etwas Gutes. Interessenten haben ein ganzes Jahr Zeit, sich über die Finanzlage von Identec zu informieren, bevor sie die Kaufentscheidung treffen müssen.

Gute Deals

Zurück nach Österreich, wo der Ölkonzern OMV im September gleich zwei Anleihen emittiert und 1,5 Milliarden Euro eingesammelt hat. Die beiden Neuemissionen haben Laufzeiten von zehn und 15 Jahren und bieten den Investoren Kupons von 2,625 bzw. 3,5 Prozent. Für die OMV ist das ein ausgezeichneter Deal. Denn gleichzeitig unterbreitete der Konzern seinen Gläubigern ein Rückkaufangebot für die 2014er-Anleihe, die einen Kupon von 6,25 Prozent aufweist. Dem Unternehmen ist es aktuell also möglich, sich günstig zu refinanzieren und gleichzeitig das Fälligkeitenprofil zu verlängern. Für Anleger bleibt nur, zur Kenntnis zu nehmen, dass die OMV-Neuemissionen zwar eine höhere Rendite abwerfen als vergleichbare heimische Staatsanleihen, damit aber gerade einmal Inflation und Steuern abgegolten werden. Mehr als der Kapitalerhalt ist mit den Anleihen bonitätsstarker Unternehmen im derzeitigen Umfeld einfach nicht drin.

Warum die Nachfrage nach Unternehmensanleihen dennoch hoch ist, weiß Christoph Klaper, Leiter des Unternehmensanleihen-Research der Raiffeisen Bank International: "Die Stimmung ist gut, Liquidität ist ausreichend vorhanden, und es mangelt auch an Alternativen.“ Die Rendite von Investment-Grade-, also guten, Papieren liegt deshalb im Schnitt nur bei 2,1 Prozent.

Nur mit europäischen Hochzinsanleihen waren heuer laut der Ratingagentur Fitch 20 Prozent Performance zu erzielen. Selbst da ist die Nachfrage so hoch, dass Unternehmen niedrigster Bonität sich günstig finanzieren können. Sie bieten Investoren im Schnitt einen Kupon von sechs Prozent. Aber selbst diese Kupons sind vor dem Hintergrund des Ausfallsrisikos noch attraktiv. In den vergangenen zwölf Monaten wurden laut Fitch-Daten gerade einmal 1,15 Prozent der ausstehenden "Junk“-Bonds nicht bedient.

Freilich muss das nicht so bleiben. Denn gerade von einer globalen Konjunkturabschwächung, wie sie derzeit ansteht, werden Junk-Papiere am härtesten getroffen. "Um die Ausfallsrate bei Corporate Bonds zu prognostizieren, ist die Zahl der Erstemittenten ein Indikator“, erklärt RBI-Mann Klaper. Entsprechend kritisch sollten Anleger beim Kauf von Junk-Bonds schon vorgehen. Auf dem österreichischen Markt sind attraktive Papiere jedenfalls Mangelware, wenn das Anlegerziel mehr als nur der Kapitalerhalt ist. Wer dennoch Corporate Bonds in sein Portfolio aufnehmen möchte, kann in einen Anleihen-Fonds (siehe Tabelle ) investieren.

Einstieg ab 500 Euro

Für risikoscheue Anleger kommt die Andritz-Neuemission infrage. Der Anlagenbauer sammelte im Juli mit einer siebenjährigen Anleihe 350 Millionen Euro ein. Die Anleihe ist mit einer Stückelung von 500 Euro attraktiv für Kleinanleger, auch der Kupon von 3,875 Prozent kann sich sehen lassen. Wer jetzt einsteigt, sichert sich vor Steuern und Inflation aber nur eine Rendite von drei Prozent, da der Kurs des Papiers auf 104 Prozent geklettert ist. Deshalb bleibt auch beim Andritz-Papier ein schaler Beigeschmack. Die KESt von 25 Prozent und eine Inflationsrate von über zwei Prozent fressen die Rendite fast ganz auf. Auch auf eine Performance durch Kursanstiege sollten sich Investoren wegen des Hypes nicht mehr verlassen.

Die Neuemission der Handelskette Spar ist nur minimal attraktiver. Die Rendite ist mit 2,9 Prozent ähnlich hoch wie jene des Andritz-Papiers. Das Rennen unter den Neuemissionen 2012 macht aber ein anderer Titel: der siebenjährige Bond des Spanplattenherstellers Egger. Die Anleihe hat einen Kupon von 4,5 Prozent. Mit der Stückelung von 500 Euro ist sie für Kleinanleger interessant. Schon in den ersten Handelstagen schoss der Kurs des Papiers auf 105 Prozent. Wer jetzt einsteigt, sichert sich nur mehr eine Rendite von rund 3,8 Prozent vor Steuern.

Immerhin: Gemessen an der August-Inflationsrate, geht sich etwas mehr als der Kapitalerhalt aus. Anleger sollten sich aber keine Illusionen machen, summiert Klaper: "Langfristig ist es zu spät, sich zu positionieren.“ Mit anderen Worten: Die Party ist in vollem Gange, die letzte Weinflasche bereits geleert.

Die besten Fonds mit Corporate Bonds

Welche österreichischen Konzerne heuer bereits Anleihen begeben haben