Das boomende Geschäft mit Unternehmensanleihen

Das boomende Geschäft mit Unternehmensanleihen

Weil die bisher vorherrschende Geldbeschaffung über Bankkredite immer schwieriger und teurer wird, weichen die Firmen zunehmend auf die Anleihenmärkte aus.

Vorreiter sind die USA, wo Experten zufolge bereits 75 bis 80 Prozent der Unternehmensfinanzierungen über Anleihen und nur 20 bis 25 Prozent über Banken laufen. In Europa ist es traditionell genau umgekehrt. "Wir erwarten in Europa eine allmähliche Angleichung der Anleihen- an die Kreditvolumen. Es ist schwierig zu sagen, wie schnell das passieren wird, aber die Richtung ist klar," prognostiziert Goldman Sachs -Manager Francois-Xavier de Mallmann.

Im dritten Quartal 2012 haben europäische Unternehmen Daten von Thomson Reuters zufolge bisher über Anleihen 266 Milliarden Dollar aufgenommen. Das ist deutlich mehr als die 203 Milliarden Dollar des Vorquartal oder die 160 Milliarden des Vorjahresquartals. Vor allem Industrieunternehmen decken sich ein. Während sich die Finanzunternehmen im bisherigen Jahresverlauf über die Notenbanken finanzieren konnten und deshalb weniger auf die Finanzmärkte angewiesen waren, schossen die Volumen bei Anleihen von Industrieunternehmen hoch.

Besonders groß war die Nachfrage von südeuropäischen Unternehmen wie Telefonica, Iberdrola oder Santander aus Spanien und Enel oder Buzzi Unichem aus Italien. Aber auch die britische Vodafone oder die französische Total griffen zu.

Ein Treiber dieser Mittelbeschaffung über die Anleihenmärkte ist die Geldschwemme der US-Notenbank Fed und vor allem der Europäischen Zentralbank. Nach Einschätzung von de Mallmann, der bei Goldman Sachs den Bereich Investmentbanking Services für Europa, den Mittleren Osten und Afrika (EMEA) leitet, machen es die sehr niedrigen Zinsen und geringen Risikozuschlägen für Unternehmen attraktiv, die Anleihenmärkte anzuzapfen. Er erwartet daher, dass die Anleihen-Emissionstätigkeit auch in den nächsten Wochen auf hohem Niveau bleiben wird.

Anleihen billiger als Kredite

In der Vergangenheit waren gerade die Großbanken, die auf Spargelder zurückgreifen konnten, sehr freigiebig in der Bereitstellung von Kapital über Darlehen. Im Zuge der Finanzkrise haben aber die meisten Banken ihre Top Ratings verloren. Die Refinanzierungskosten der Institute liegen deshalb deutlich über den Zinsen, die Industriefirmen mit Anlagequalität am Anleihemarkt bezahlen müssen. Zudem fordern die Regulatoren, dass Kredite mit mehr Eigenmitteln unterlegt werden, um das Geschäft sicherer zu machen. Beides verteuert die Kreditvergabe für die Banken. Sie reagieren, indem sie weniger Geld zur Verfügung stellen oder mehr dafür verlangen.

Zumindest für Firmen mit einem guten Rating sind Anleihen deshalb günstiger als die gegenwärtige Hauptfinanzierungsquelle, nämlich Kredite von Bankenkonsortien. "Eine Industriefirma kann je nach Rating Geld für dieselbe Laufzeit rund zwei Prozentpunkte billiger über den Kapitalmarkt beschaffen als über ein syndiziertes Darlehen", rechnet Felix Weber, Leiter des Investmentbankings von Nomura in der Schweiz, vor.

Viele Industriefirmen haben Weber zufolge Mühe, von den Banken überhaupt noch Kredite zu erhalten. Das beobachtet auch Jürg Fedier, Finanzchef des Schweizer Anlagenbauers Oerlikon: "Die Banken sind bei der Vergabe von Krediten restriktiver geworden. Das bedeutet für die Unternehmen, dass sie nicht mehr so einfach und günstig zu Krediten kommen." Oerlikon selbst hat kürzlich die erste Anleihe der Unternehmensgeschichte aufgelegt. Der Traditionskonzern will damit auch die Abhängigkeit von den Banken verringern, die Oerlikon zusammen mit dem schlechten Geschäftsgang 2010 in Bedrängnis gebracht hatte. Gegenwärtig hat Oerlikon eine Anleihen von 300 Millionen Franken und einen Kreditrahmen von 800 Millionen Franken. "Das wird sich in Zukunft sicher zugunsten des Kapitalmarktes verschieben."

Wenn sich die europäischen Unternehmen in den kommenden Jahren tatsächlich verstärkt direkt über den Kapitalmarkt finanzieren, dürfte dies nicht spurlos an den Banken vorbei gehen: In den USA entspricht das Volumen der Bankbilanzen Angaben des Internationalen Währungsfonds zufolge insgesamt ungefähr dem Bruttoinlandsprodukt des Landes. In Europa summieren sich ie Bankaktiven dagegen auf das dreifache der Wirtschaftsleistung. Dies deutet darauf hin, dass die Branche auf dem alten Kontinent beträchtliche Überkapazitäten hat.

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