Billiges Fed-Geld auch 2014 und die große Unbekannte Bank-Bilanz

Billiges Fed-Geld auch 2014 und die große Unbekannte Bank-Bilanz

Ein überraschend guter US-Arbeitsmarktbericht erhöht die Chancen auf höhere Zinsen in den USA – wesentlich früher als erwartet. Allerdings dürfte es noch viele Monate samt guter Job-Daten benötigen, damit sich die Fed veranlasst sieht, ihr Bondkaufprogramm zurückzufahren – und der Leitzins wird wohl kaum vorher steigen.

Anders formuliert: Die Fed-Geldflut und niedrige Zinsen werden den Märkten zumindest noch bis ins nächste Jahr hinein erhalten bleiben. "Die Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt bedeutet nicht notwendigerweise, dass die Fed an den Ausstieg von ihrem Wertpapierkaufprogramm denkt", analysiert Markit Chefökonom Chris Williamson gegenüber Reuters. "Wir brauchen anhaltend starkes Job-Wachstum, um zu einer bedeutenden Reduktion der Arbeitslosigkeit zu kommen."

Die US-Privatwirschaft schuf im Februar 236.000 neue Jobs. Marktbeobachter hatten lediglich mit 160.000 neuen Stellen gerechnet. Die Arbeitslosenrate fiel auf 7,7 Prozent, der niedrigste Wert seit Dezember 2008. Nach der Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichts erhöhten Händler auf dem Markt für Zinsfutures ihre Wetten auf die erste Zinserhöhung der Fed im Dezember 2014 (Wahrscheinlichkeit stieg von 42 auf 49 Prozent). Außerdem gehen die Händler nun von einer Zinserhöhung im Jänner 2015 aus (Wahrscheinlichkeit kletterte über 50 Prozent).

Hohe Arbeitslosigkeit, trotz billigem Geld seit vier Jahren

Fed-Chef Ben Bernanke verfolgt nun bereits seit über vier Jahren eine Nullzinspolitik und hat klargestellt, dass er die Geldpolitik auch solange nicht ändern werde, solange die Arbeitslosenrate nicht zumindest auf 6,5 Prozent zurückgeht. Vorausgesetzt die Inflation ist unter Kontrolle.

Wenn die Unternehmen in den USA in dem Ausmaß neue Jobs schaffen wie sie es im Februar taten, dann könnte die Arbeitslosenrate bereits im April 2014 auf die 6,5 Prozent fallen, prognostiziert Tom Porcelli von RBC Capital Markets. "Sowohl Bernanke als auch Fed-Vizechefin Janet Yellen haben bestätigt, dass die 6,5 Prozent alleine nicht der ausschlagebende Punkt sein werden, wenn wir aber weiter nachhaltig solche Arbeitsmarktberichte sehen, wird es für die Fed schwierig werden, weiter diese exzessiv lockere Geldpolitik zu fahren", glaubt Porcelli.

Aktuell kauft die Fed monatlich 85 Milliarden Dollar an hypothekenbesicherten Wertpapieren (MBS, mortgage-backed securities) und US-Staatsanleihen, um die langfristigen Finanzierungskosten zu senken und das Wirtschafts- und Jobwachstum anzukurbeln.

"Vielleicht ist das noch nicht die Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt, die sich die Fed wünscht, aber die Dinge bewegen sich in die richtige Richtung", schätzt Paul Ashworth, Chefvolkswirt für die USA bei Capital Economics. Dennoch: Die Notenbanker haben immer wieder betont, dass sie auf mehr achten würden, als nur auf die Arbeitslosenrate, bevor sie entscheiden, dass das Quantitative Easing-Programm nicht mehr benötigt wird.

Mehr Jobs sind nötig

Der Präsident der Fed-Chicago, Charles Evans, einer der bedeutendsten Begründer der lockeren Geldpolitik in den USA, wird sich erst für ein Ende des Wertpapierkaufprogramms (Quantitative Easing, QE) aussprechen, wenn die US-Wirtschaft zumindest ein halbes Jahr lang monatlich mindestens 200.000 neue Jobs generiert und die Wirtschaft außerdem über Potenzial wächst.

"Es ist noch zu früh, um zu sagen, dass das das Ende für QE bedeutet", analysiert Omer Esiner von Commonwealth Foreign Exchange in Washington. Einzig die Chancen und damit die Erwartungen steigen, dass das Ende der lockeren Geldpolitik früher eintritt als bis jetzt gedacht.

St. Louis-Fed-Chef James Bullard hatte vorgeschlagen, dass Bondkaufprogramm um 15 Milliarden Dollar zu reduzieren – und zwar immer dann wenn die Arbeitslosenrate um einen Zehntel Prozentpunkt sinkt. Allerdings erhielt Bullard dafür wenig Zuspruch, da sich die Fed bei ihrer Beurteilung des Arbeitsmarkts eher auf qualitative Merkmale konzentriert. Fix scheint bisher nur eins zu sein: Obwohl die Bondkauf-Debatte bereits angelaufen ist, 2013 dürfte sich die Fed noch nicht bewegen. Die nächste Fed-Sitzung findet am 19. und 20. März statt.

Lediglich zwei Fed-Mitglieder haben sich bislang klar für eine Beschneidung der Bondkäufe ausgesprochen – der Präsident der Fed in Philadelphia, Charles Plosser, sowie kurz davor Richard Fisher, Präsident der Fed in Dallas. Beide hatten Bedenken zu dem Bond-Programm angemeldet. Allerdings sind beide derzeit nicht stimmberechtigt. Notenbankchef Ben Bernanke selbst hatte wiederum erst kürzlich die umstrittene Geldflut gerechtfertigt , die die US-Börsen soeben erst auf ein Allzeithoch gehievt hat, und seinen Kurs bekräftigt.

Sargnagel Haushaltsstreit

Außerdem könnte das Job-Wachstum durch den Haushaltsstreit und die damit einhergehenden Ausgabenkürzungen , die seit ersten März in Kraft sind, schnell wieder abgewürgt werden. "Der aktuelle Arbeitsmarktbericht ist nichts, dass die Perspektiven verändern wird, und schon gar nicht die der Fed", summiert Ellen Zentner, US-Ökonomin bei Nomura Securities, nüchtern.

Banken-Stresstest: Erstmals auch das Zinsrisiko getestet

Während die Debatte um Zinserhöhungen und der Ausstieg aus dem Bondkaufprogramm langsam so richtig in Gang kommt, hat die Fed einmal wieder einen Banken-Stresstest durchgeführt. Dabei zeigten sich die US-Banken allesamt (mit der Ausnahme Ally Financial) gut gerüstet für einen weiteren Wirtschaftsabschwung. Viel interessanter ist aber, dass die Fed erstmals auch die Auswirkung steigender Zinsen auf die Bank-Bilanzen getestet hat. Nur, dass das Ergebnis der Öffentlichkeit vorenthalten wird. Ob das daran liegt, dass die Banken vielleicht schlecht wegkommen, kann zunächst nur Spekulation sein.... ein Experteninterview von Reuters:

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