"Ben ist da, bis sich die Lage bessert"

"Ben ist da, bis sich die Lage bessert"

Ben Bernanke, der Vorsitzende der US-Notenbank, hat seine unorthodoxe Geldpolitik zuletzt im vergangenen Monat in einer Rede in Jackson Hole verteidigt. Im Bestreben, die Konjunktur und den Arbeitsmarkt zu stärken, könnte er auf ein neues Instrument zurückgreifen: in Zeit und Volumen unbegrenzte Bondkäufe.

Ökonomen von Barclays, BNP Paribas und Goldman Sachs erwarten, dass der Offenmarktausschuss der Federal Reserve (FOMC) bei seiner Sitzung in dieser Woche unbegrenzte Bondkäufe beschließen wird. Bislang hatte die Fed einen Betrag und ein Enddatum für die Bondkäufe festgesetzt. Das führte dazu, dass Anreize abrupt abbrachen und später erneut eingeführt wurden, wenn die Fed ihre Ziele nicht erreicht hatte.

Im Gegenteil dazu wäre ein unbegrenztes Ankaufprogramm für Anleihen an eine nachhaltige Verbesserung der Konjunktur gebunden, sagt Michael Gapen, leitender USA-Ökonom bei Barclays in New York und früher im Bereich Geldpolitik bei der Federal Reserve. “Einem Vorsitzenden der Fed kann mit zwei Prozent Wachstum und acht Prozent Arbeitslosigkeit nicht gedient sein - sie brauchen mehr Beschleunigung - also lautet die Entscheidung: Okay, treten wir aufs Gaspedal”, sagt Gapen.

Barclays sagt voraus, dass der Offenmarktausschuss der Fed am 13. September monatliche Bondkäufe im Volumen von 50 Mrd. Dollar ankündigen wird, um die Arbeitslosenrate zu drücken und die Inflation gleichzeitig bei zwei Prozent zu halten.

Unterstützung von den regionalen Fed-Präsidenten

Bereits drei regionale Fed-Präsidenten haben Zustimmung zu unbegrenzten Bondkäufen signalisiert: John Williams aus San Francisco, Eric Rosengren aus Boston und Charles Evans aus Chicago. James Bullard vor der Federal Reserve in St. Louis sagte, er unterstütze zwar die Strategie, wolle zunächst aber weitere Konjunkturdaten sehen, bevor gehandelt werde.
Nachdem das US-Arbeitsministerium am 7. September Zahlen vorlegte, aus denen ersichtlich war, dass die Zahl der neuen Arbeitsplätze weniger rasch zunimmt als erwartet, sind die Kurse von Treasuries, Aktien sowie der Goldpreis gestiegen. Die Investoren erhöhten ihre Wetten darauf, dass die Fed in dieser Woche ihre Anreize erhöhen wird.

In der ersten Runde der “QE1” genannten quantitativen geldpolitischen Lockerung hatte die Fed ab März 2009 Hypothekenanaleihen im Volumen von 1,25 Billionen Dollar, Anleihen von staatsnahen Emittenten im Volumen von 175 Mrd. Dollar und Treasuries im Volumen von 300 Mrd. Dollar gekauft. Zuvor hatte sie im Dezember 2008 ihren Leitzins auf null gesetzt.
Im November 2010 kündigte die Fed das Programm “QE2” an, das bis zum Juni 2011 andauerte und in dessen Rahmen Treasuries im Volumen von 600 Mrd. Dollar gekauft wurden. Im September 2011 begann die “Operation Twist”. Hierbei verlängerte die Fed die Laufzeit der Bonds in ihrem Portfolio, indem sie Kurzläufer im Umfang von 400 Mrd. Dollar durch Papiere mit längeren Laufzeiten ersetzte. Ursprünglich sollte diese Operation im Juni 2012 auslaufen, sie wurde später bis Ende dieses Jahres verlängert.

"Strom an Käufen"

Bei unlimitierten Käufen könnte die Federal Reserve “dieses Programm im Zuge der fortschreitenden Entwicklung anpassen - entweder um es zu erhöhen oder zu verringern, es schneller zu beenden oder länger laufen zu lassen”, beschrieb Williams, der Fed-Präsident von San Francisco am 31. August auf dem Symposium der Fed in Jackson Hole, Wyoming, in einem Interview. So könne die Zentralbank einen “Strom an Käufen” durchführen, sowohl bei Hypothekenpapieren als auch bei längerfristigen Treasuries, ergänzte er.

“Es macht mehr Sinn, sich stärker auf die konjunkturelle Lage zu konzentrieren und darauf, wo man im Hinblick auf sein Mandat steht”, sagte Jan Hatzius, Chefökonom von Goldman Sachs in New York, vergangene Woche in einem Interview. Goldman rechnet mit monatlichen Käufen von rund 50 Mrd. Dollar, die hauptsächlich Hypothekenpapiere staatsnaher Emittenten umfassen, möglicherweise auch Treasuries.

Nach Einschätzung von Julia Coronado, Chefökonomin Nordamerika bei BNP Paribas in New York, hat die Fed möglicherweise ihre Ansicht darüber modifiziert, wie eine quantitative Lockerung das Wirtschaftswachstum ankurbelt. Bislang habe die Fed gesagt, indem sie Anleihen kaufe und das Angebot langfristiger Investments reduziere, helfe sie dabei, die Zinsen von Unternehmensanleihen und anderen festverzinslichen Wertpapieren zu drücken, führt Coronado aus. Jetzt dürfte die Fed auch sehen, dass eine nachhaltige Verpflichtung im Hinblick auf eine Verbesserung der Wirtschaftsleistung wichtig sei, um “Unsicherheit abzumildern”, sagt sie.

BNP Paribas erwartet, dass die Fed am 13. September einen unbegrenzten Bondkaufplan ankündigt, der Treasuries und Hypothekenpapiere umfasst. Das Kaufprogramm dürfte 600 Mrd. Dollar umfassen und auf neun Monate ausgerichtet sein, sagt Coronado. Dann könne die Fed entscheiden, ob sie das Programm ausweitet oder zurückfährt - je nachdem wie stark das Wirtschaftswachstum sei. Ein solches Programm gäbe den Finanzmärkten mehr Sicherheit, “dass die Fed da ist, bis sich die Lage bessert”, so Coronado.

Die Bedenken mancher Fed-Vertreter, dass eine weitere quantitative geldpolitische Lockerung nicht wirksam wäre oder die Inflation anheizen könnte, “würden mit einem Programm, das an die tatsächliche Inflationsrate und tatsächliche Messwerte für die wirtschaftliche Aktivität geknüpft wäre, abgemildert werden”, sagt Karen Dynan, Vice President für volkswirtschaftliche Studien bei der Brookings Institution in Washington.
“Es hört sich zwar alles einfach und im Prinzip gut an, es gibt aber einige große praktische Probleme”, erläutert sie. So gehe es darum, welche Messwerte für Inflation und wirtschaftliche Aktivität die Fed auswählen und welche Zielwerte das Programm ansteuern solle. Insbesondere im Arbeitsmarktbereich könnte es große Diskussionen geben, so Dynan.

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