Belgische Staatsanleihen – die Rally kann weitergehen

Belgische Staatsanleihen – die Rally kann weitergehen

Angeschoben wurden die Bondkurse durch die von Ministerpräsident Elio Di Rupo zugesicherten Haushaltskürzungen und die Jagd der Anleger nach höheren Renditen. Als Folge sind die Fremdkapitalkosten des Landes so niedrig wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr.

“Im ersten Halbjahr haben wir eine allmähliche Zunahme des Interesses nach den Anleihen beobachtet- die höheren Renditen lockten Investoren”, erläutert Anne Leclercq, Direktorin bei der belgischen Schuldenagentur in einem Interview mit Bloomberg News in Brüssel am 9. November. “Ausländische Investoren kehren an die europäischen Märkte zurück und haben in Belgien gute Gelegenheiten gefunden.”

Die von Standard & Poor’s mit “AA” benoteten Papiere haben in den vergangenen zwölf Monaten den dritthöchsten Ertrag unter den Staatsanleihen der 17 Mitglieder im Euroraum eingefahren. Sie kamen laut den Indizes von Bloomberg und der European Federation of Financial Analysts Societies auf einen Ertrag von 19 Prozent, während deutsche Bundesanleihen nur ein Plus von fünf Prozent aufwiesen und österreichische Staatsanleihen 14 Prozent gewannen.

Anders sah es noch in den zwölf Monaten bis November 2011 aus, als belgische Bonds den viertniedrigsten Ertrag aufwiesen, wie aus Bloomberg-Daten hervorgeht. Die Besorgnis, dass die belgische Wirtschaft in den Sog der Euroraum-Schuldenkrise gerät, sowie eine politische Hängepartie, in deren Folge das Land 541 Tage ohne Regierung war, trieben die Renditen von zehnjährigen belgischen Papieren im November 2011 auf den höchsten Stand seit elf Jahren.

Dank gebührt wieder einmal auch der EZB

Investoren haben ihre Einschätzung zu Belgien geändert, nachdem die neue Regierung am 6. Dezember ihre Arbeit aufgenommen hat. So sind die Renditen der zehnjährigen Papiere von dem Hoch von 5,91 Prozent am 28. November 2011 bis auf 2,232 Prozent gesunken, den tiefsten Wert seit Bloomberg 1993 mit der Datenaufzeichnung begann. Die Rendite im 30-Jahres-Bereich ist am Dienstag auf ein Rekordtief von 3,128 Prozent gefallen, verglichen mit 5,927 Prozent am 28. November.

Die Europäische Zentralbank habe auch dazu beigetragen, das Vertrauen in die Region wieder zu stärken, erläuterte Leclercq. Die Renditen von zehnjährigen belgischen Anleihen sind um einen halben Prozentpunkt gefallen, seit EZB-Präsident Mario Draghi am 26. Juli sagte, er würde “alles Notwendige tun”, um den Euro zu bewahren. Auch hat die EZB am 6. September ein Bondkaufprogramm in unbegrenzter Höhe für Länder, die Hilfen beim Europäischen Rettungsfonds beantragen, bekannt gegeben. Anleger haben daraufhin ihre Wetten auf einen Zerfall des Euroraums zurückgenommen.

Der Renditeaufschlag zehnjähriger belgischer Anleihen gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen hat sich von einem Euro- Ära-Hoch von 360 Basispunkte am 25. November auf 89 Basispunkte am Dienstag verringert, geht aus Bloomberg-Daten hervor. Im Januar 2008 allerdings belief sich der Spread nur auf 13 Basispunkte.

Renditevorsprung im Vergleich zu Kernländern

“Zwar befinden sich die belgischen Anleiherenditen auf einem niedrigen Niveau, sie bieten aber immer noch einen Renditevorsprung im Vergleich zu Kernländern wie Deutschland”, sagt Craig Veysey, Leiter festverzinsliche Papiere bei Sanlam Private Investments Ltd. in London. “Investoren haben sehr viel mehr Vertrauen, dass das Euro-Projekt bestehen bleibt, nachdem sie mehr sichtbare Maßnahmen von Draghi beobachten.”

Die Jagd nach höheren Renditen sei ein wichtiges Thema für Investoren, da sich die Renditen von Staatsanleihen mit einer Spitzen-Bonitätsnote auf Rekordtiefs befinden, erläutert Veysey. Zehnjährige deutsche Bundesanleihen rentieren derzeit bei 1,36 Prozent, verglichen mit 3,5 Prozent im April 2011. Inflationsbereinigt bezahlen die Investoren sogar etwa 0,8 Prozent im Jahr, um die mit “AAA” benoteten Papiere zu halten.

Von der Renditejagd haben alle Anleihen der so genannten “Halb-Kernländer” Europas, darunter Österreich, Belgien und Frankreich, profitiert, wie Piet Lammens, Leiter der Analyse bei KBC Bank NV in Brüssel, erläutert. Die Rendite von zehnjährigen österreichischen Papieren ist am Dienstag auf ein Rekordtief gefallen, während die Kurse französischer Bonds gleicher Laufzeit den neunten Tag in Folge gestiegen sind, die längste Aufwärtsbewegung seit 1997.

“Belgische Papiere bieten einen Renditevorsprung, der angesichts des niedrigen Renditeumfelds immer noch recht ansehnlich ist”, erläutert Lammens. “Bei einer Bonität wie der Belgiens ist der Renditevorteil attraktiv. Eine gewisse Kategorie von Investoren ist wirklich interessiert an dieser Halb-Kerngruppe.”

Das Online-Portal Bondcube vermittelt Anleihenhändler untereinander. Die deutsche Börse sieht darin ein lukratives Geschäftsmodell.
 

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