Anleihen-Notstand

Anleihen-Notstand

Für Anleihen-Käufer sieht es düster aus. Denn die Verzinsung von sicheren Staatsanleihen ist real – unter Berücksichtigung von Inflation und Zinsen-Kest – ein Verlustgeschäft.

Martha Oberndorfer ist als Geschäftsführerin der Oesterreichischen Bundesfinanzierungsagentur die oberste Staatsschulden-Managerin des Landes. Sie durfte sich am 6. November über einen neuen Rekord freuen: Mit einer durchschnittlichen Emissionsrendite von 1,888 Prozent für die Aufstockung einer zehnjährigen Bundesanleihe und 1,218 Prozent bei der Auktion einer siebenjährigen Emission wurde ein neues Allzeit-Rekordtief bei den Zinsen markiert. Trotzdem wurden ihr beide Emissionen förmlich aus der Hand gerissen.

Obwohl die Ratingagentur Standard & Poor’s Österreich am Freitag, dem 13. Jänner 2012, das Triple-A gekappt hat, kann sich die Republik so günstig wie noch nie refinanzieren. Mehr noch: Die Zinsaufschläge gegenüber dem Musterschüler Deutschland haben sich seit damals sogar von 171 auf 35 Basispunkte reduziert. Auch die Anleger konnten davon profitieren und mit ihren österreichischen Bundesanleihen dank hoher Kursgewinne - trotz niedriger Zinsen - auf Jahressicht eine Performance von knapp zehn Prozent erzielen.

Aber die Kehrseite der Medaille ist: Für Neueinsteiger sieht es dagegen düster aus. Denn die Verzinsung von sicheren Staatsanleihen ist real - unter Berücksichtigung von Inflation und Zinsen-Kest - ein Verlustgeschäft.

Wer höhere Zinsen lukrieren will, muss bei der Bonität des Schuldners Abstriche machen, also bei der Verlässlichkeit, dass Zinsen und Kapital pünktlich beglichen werden. Das heißt: Er muss ein höheres Risiko eingehen. Die Palette solcher Emittenten ist bunt und breit gefächert: Sie reicht von Schuldnern aus den gebeutelten Euro-Peripherie-Staaten über Corporate Bonds und Schwellenländer-Anleihen bis hin zu High-Yield-Bonds.

Doch je schlechter die Bonität, desto riskanter die Veranlagung und dementsprechend größer die Gefahr, seinen Kapitaleinsatz zu verlieren. Anleger sind deshalb gut beraten, nicht auf Einzeltitel zu setzen, sondern auf gut diversifizierte Fonds - oder, noch besser, auf globale Rentenfonds, deren Fondsmanager sich aktiv und völlig flexibel in sämtlichen Assetklassen, also Staats-, Unternehmens- und Hochzinsanleihen, bewegen dürfen.

Euro-Peripherie

Seit der Ankündigung der Europäischen Zentralbank, unbeschränkt Staatsanleihen zu kaufen, ist den meisten Anleihenexperten klar, dass die Zinsen vorerst niedrig bleiben. Robert Senz, Chief Investment Officer (CIO) für Globale Anleihen bei Raiffeisen Capital Management (RCM), erwartet angesichts der flauen Konjunktur gar noch eine weitere Leitzinssenkung um 25 Basispunkte auf 0,50 Prozent. Daher lautet seine Prognose: "Die ungewöhnlich niedrigen Renditen entlang der Zinskurve von Emittenten bester Bonität werden 2013 prolongiert.“ Ähnlich die Situation jenseits des Atlantiks, wo die US-Notenbank die Zinsen gar bis 2015 auf Tiefststand halten will.

Während man sich bei fünfjährigen deutschen Bundesanleihen also bis auf Weiteres mit 0,6 Prozent Zinsen begnügen muss, werfen Anleihen aus den Euro-Peripherie-Staaten deutlich mehr ab. "Fünfjährige Staatsanleihen aus Spanien bieten 4,3 Prozent und jene aus Italien 3,2 Prozent mehr an Rendite“, betont Alexander Fleischer, Leiter Anleihenfonds Erste-Sparinvest. Das Risiko bleibe überschaubar - unter der Annahme, dass der Euro nicht zerbricht.

Josef Falzberger, Geschäftsführer der Investment Partner Wertpapierdienstleistungen, meint dazu aber, die Eurokrise gehe bereits ihrem Ende zu: "Die Fortschritte sind größer als in der Öffentlichkeit wahrgenommen.“ Die Zinsabstände der Euro-Peripherie-Staaten sollten daher weiter massiv zurückgehen. "Nach sieben Jahren Divergenz, nämlich 2005 bis 2012, erwarte ich eine Konvergenz wie in den Jahren 1998 bis 2005.“ Falzberger ist deshalb überzeugt, dass die Performancechancen dank möglicher Kursgewinne (durch Reduzierung der Zinsaufschläge) bei Anleihen mit höheren Kupons deutlich größer sind als die Risken weiterer Marktturbulenzen.

Emerging Markets

"Staatsanleihen aus den aufstrebenden Ländern in Osteuropa, Asien und Lateinamerika werfen im Schnitt rund 4,5 Prozent Zinsen in Hartwährung und tendenziell etwas mehr in Lokalwährung ab“, berichtet Fleischer von der Erste-Sparinvest. Attraktiv sind dort vor allem die makroökonomischen Daten: Die meisten Emerging Markets punkten mit höheren Wachstumsraten, geringerer Verschuldung und besserer Demografie als der Westen. "Die Kreditqualität hat sich enorm verbessert“, meint Brett Diment, Head of Emerging Markets and Sovereign Debt bei Aberdeen Asset Management. "Knapp 60 Prozent der Auslandsschulden und mehr als 80 Prozent der Inlandsschulden haben Investment-Grade-Bonität“. Außerdem korrelieren Schwellenländer-Anleihen immer weniger mit den Industriestaaten, weil durch breitere Diversifizierung der Wirtschaft und durch steigenden Konsum die Eigendynamik dieser Länder zunimmt. Ein weiterer Pluspunkt: Aufgrund der soliden Fundamentaldaten stehen viele Währungen unter Aufwertungsdruck.

Trotzdem darf man eines keinesfalls übersehen: Mit einer Veranlagung handelt man sich politische Risken ein. Außerdem können die Währungen heftig schwanken, und obendrein sind die Papiere oft wenig liquide. Das könnte vor allem dann zum Problem werden, wenn die ausländischen Investoren ihr Kapital nach einem Schockereignis rasch wieder abziehen wollen.

Corporates

Besonders begehrt sind heute die Anleihen von Unternehmen. Das überrascht nicht: Je nach Bonitätsrating lassen sich für fünfjährige Papiere trotz der anhaltenden Kursrallye immer noch Zinsaufschläge zwischen 1,9 und 5,7 Prozent gegenüber deutschen Bundesanleihen verdienen. In den USA dürfte das Emissionsvolumen heuer den Rekord des Jahres 2007 von 1130 Milliarden US-Dollar toppen. In der Eurozone wurden mehr als 200 Milliarden Euro begeben im Vergleich zu 133 Milliarden im Vorjahr. Für die Unternehmen war die Aufnahme von Kapital nämlich so billig wie noch nie. Meist geht es dabei gar nicht um akuten Geldbedarf für die Finanzierung neuer Investitionsvorhaben. Ein Großteil der Emissionen ist einfach eine Refinanzierung: Man zahlt damit teure Kredite zurück. Oder, wie Alois Wögerbauer, Geschäftsführer der 3 Banken-Generali KAG, beobachten konnte: "Siemens emittierte eine siebenjährige Anleihe mit 1,5 Prozent Kupon und finanziert damit ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm. Damit erspart sich der Konzern, vereinfacht dargestellt, eine Dividendenzahlung von 3,8 Prozent.“

Hochprozentiges

Die ungebrochen starke Nachfrage nach Firmenanleihen lockt vermehrt Emittenten aus dem High-Yield-Segment auf den Kapitalmarkt. Ihr Bonus: Die Ausfallraten bonitätsschwacher Schuldner sind weiterhin gering und liegen nur knapp über den historischen Tiefstständen. Daran sollte sich trotz der Konjunktureintrübung grundsätzlich nichts ändern, meint Senz von RCM.

Allerdings: Die Ausfallrate in Europa wurde durch die vielen Hinabstufungen aus dem Investment-Grade-Universum in das High-Yield-Segment deutlich verzerrt. "Nachdem institutionelle Anleger meist Anleihen abstoßen müssen, wenn deren Rating von BBB- in BB+ abruscht, sind solche Papiere dann zu einem Schnäppchenpreis zu bekommen“, berichtet Constantin Veyder-Malberg, Vorstand der Grazer Capital Bank. Nachdem die Renditeaufschläge immer noch über den historisch gemessenen Tiefs rangieren, dürfte der Boom trotz bereits saftiger Kursgewinne vorerst ungebremst weitergehen, glaubt der Großteil der Experten. Schließlich bringen High-Yield-Bonds im langjährigen Vergleich ähnliche Renditen wie Aktien, aber mit dem halben Risiko.

Trotzdem sollte man ein Investment in Unternehmensanleihen nicht auf die leichte Schulter nehmen. "Zur richtigen Beurteilung muss man eine klassische Kreditanalyse machen“, mahnt Veyder-Malberg. Das ist gerade bei Firmen aus Schwellenländern mitunter kaum möglich. Die Papiere sind zudem meist weniger liquide als biedere Staatsanleihen.

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