Alles oder nichts?

Alles oder nichts?

Sollte er damit scheitern, die hohen Erwartungen der Märkte zu erfüllen, wird die Enttäuschung groß sein. Mit seinen Äußerungen in den vergangenen Wochen hat Draghi die Messlatte für sich selbst sehr hoch gehängt, Experten warnen jedoch davor, den EZB-Chef zu unterschätzen.

Vor mehr als einem Monat hat Draghi versprochen, alles Notwendige zu tun, um die Gemeinschaftswährung zu bewahren. Jetzt ist der Druck auf ihn hoch, den Worten Taten folgen zu lassen und Details zum geplanten Kauf von Staatsanleihen angeschlagener Euro-Staaten bekannt zu geben. Dadurch sollen die Kreditkosten von Spanien und Italien reduziert und letztendlich ein Auseinanderbrechen der Einheitswährung verhindert werden.

Die Erwartungen sind mittlerweile so hoch, dass Draghi riskiert, seine Glaubwürdigkeit zu verlieren, wenn er nach der Zinsentscheidung heute vor die Presse tritt, sagen Volkswirte und Investoren.

“Draghi hat seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel gesetzt”, sagt Julian Callow, Chef-Volkswirt für Europa bei Barclays Capital in London. “Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Euro zu retten, und genau daran wird er auch gemessen werden.”

Der EZB-Chef erklärte in dieser Woche vor dem Europäischen Parlament, die EZB müsse an den Anleihemärkten intervenieren, um die Kontrolle über die Zinsen in der fragmentierten Wirtschaft der Eurozone wieder zu erlangen und das Überleben des Euro zu sichern. Das geht aus der Aufnahme einer nichtöffentlichen Sitzung hervor, die Bloomberg News vorliegt. Draghis Plan sieht den unbegrenzten Kauf von Staatsanleihen mit kurzfristigen Laufzeiten von bis zu drei Jahren vor, erklärten zwei damit vertraute Personen, die namentlich nicht genannt werden wollten. Der vor zwei Tagen an die EZB-Ratsmitglieder gesandte Entwurf dürfte wohl von der Bundebank abgelehnt werden.

Zinsentscheidung nebensächlich

Die EZB wird ihre Zinsentscheidung heute um 13.45 Uhr bekannt geben. Von Bloomberg befragte Volkswirte sind sich im Vorfeld über den Ausgang der Zinsberatungen uneins. Von 58 Befragten rechnen 30 mit einer Reduzierung auf ein neues Rekordtief von 0,5 Prozent. Die verbleibenden 28 hingegen sehen keine Veränderung voraus.

Sollte die Zentralbank tatsächlich die Leitzinsen senken, müsste sie auch den Einlagensatz auf negatives Territorium herabsetzen - vorausgesetzt sie hält an daran fest, dass der Abstand zwischen Leitzinsen und Einlagensatz bei 75 Basispunkten konstant bleibt. Ein negativer Einlagensatz hätte zur Folge, dass Banken die EZB bezahlen müssten, damit sie ihr überschüssiges Geld bei ihr parken dürfen.

Der Fokus wird jedoch auf dem Bonds-Plan Draghis liegen, sagt Andrew Bosomworth, Deutschland-Chef von Pacific Investment Management Co. (Pimco), dem Verwalter des weltgrößten Anleihefonds. Der EZB-Chef habe “die Messlatte für die Markterwartungen sehr hoch gehängt”, sagt er. “Um nicht zu enttäuschen, muss die EZB ihre Reaktionen transparent machen und zumindest klarstellen, welche Laufzeiten sie kaufen wird.”

Der Anleihekaufplan von Draghi sieht unbegrenzte Käufe von Staatsanleihen vor, berichten zwei mit dem Plan vertraute Notenbankvertreter am Mittwoch. Die Käufe sollen neutralisiert werden, um Befürchtungen zu zerstreuen, die EZB drucke Geld, hieß es weiter. Die Zentralbank werde wohl auch keinen Vorrang bei den von ihr erworbenen Anleihen besitzen, hieß es weiter.

Draghi vollführe einen Drahtseilakt, sagt Ken Wattret, Chef-Volkswirt für die Eurozone bei BNP Paribas in London. In Erwartung der EZB-Aktion seien die Renditen italienischer und spanischer Bonds deutlich gesunken, so dass die beiden Länder möglicherweise keinen Grund sehen um Hilfe zu bitten. Sollte der Plan allerdings enttäuschen, könnte dies einen Ausverkauf hervorrufen, der Spanien dazu zwingen könnte, Hilfe anzufordern, warnt Wattret.

Der Bondkaufplan von Draghi wird die Schuldenkrise Europas wohl nicht lösen, erwartet Erik Nielsen, weltweiter Chef- Volkswirt bei UniCredit Bank AG in London. “Aber er hat genug davon, dass die Märkte einen Euro-Zerfall einpreisen, und ich würde mich nicht mit ihm anlegen, wenn ich ein Händler wäre.”

Das Online-Portal Bondcube vermittelt Anleihenhändler untereinander. Die deutsche Börse sieht darin ein lukratives Geschäftsmodell.
 

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