511 Zinssenkungen sind nicht genug...

511 Zinssenkungen sind nicht genug...

Nach einer Welle von Zinssenkungen von Indien bis Polen stehen die weltweiten Zentralbanken davor, ihre Geldpolitik noch weiter zu lockern. Volkswirte von Morgan Stanley und Credit Suisse prognostizieren, dass die Entscheidungsträger angesichts des schwachen Wachstums, der niedrigen Inflation und von Währungsgewinnen zu weiteren Konjunkturmaßnahmen greifen werden.

“Die meisten Zentralbanken in unserem Beobachtungsfeld neigen immer noch zu Lockerungen”, erklärten Morgan-Stanley- Volkswirte um Joachim Fels in einer Einschätzung vom Donnerstag. “Angesichts dieser Disposition braucht es nicht viele negative Überraschungen bei Wachstum oder Inflation, um Zentralbanken zu weiteren Lockerungen zu bewegen.”

511 mal berührt, 511 mal ist nichts passiert

Die Bank of America etwa eruierte im Zuge von Berechnungen, dass Südkoreas Zinssenkung vergangenen Donnerstag mittlerweile die bereits 511. aller bisherigen Zinssenkungen von Juni 2007 bis zum 9. Mai war. Am 10. Mai kamen dann noch Vietnam und Sri Lanka hinzu und am Montag Israel.

Die zusätzliche Liquidität hat zwar zu einer Rally am Aktienmarkt geführt, es bleibt allerdings noch offen, ob dadurch auch das Wachstum effektiv angetrieben werden kann. “Die Zentralbanken sind unsere besten Freunde - nicht, weil sie die Märkte so gerne mögen, sondern weil ihnen gar nichts anders übrig bleibt, als ihre Makro-Ziele über die Märkte zu erreichen”, sagte Mohamed El-Erian, Konzernchef von Pimco, gegenüber Bloomberg. “Es besteht die Hoffnung, dass sich die Fundamentaldaten bessern und dadurch gerechtfertigt wird, was die Zentralbanken getan haben.”

Hinter der Vielzahl an Konjunkturmaßnahmen steckt, dass die Weltwirtschaft keine fünf Jahre, nachdem sie in die tiefste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg abgerutscht war, erneut ins Stocken geraten ist. Daten von Citigroup belegen zudem, dass die Wirtschaftsdaten aus den wichtigsten Industrienationen seit Mitte März schwächer als prognostiziert eingehen.

“Insgesamt scheinen globale Faktoren für die Zentralbanken wichtiger geworden zu sein”, erklärten die Volkswirte von Morgan Stanley. “Es wird von ausgewählten Zentralbanken wahrscheinlich noch mehr kommen.”

Weitere Maßnahmen in Aussicht

Das Team von Fels bei der US-Bank nennt hierbei unter anderem einen möglichen Schritt in Europa, nachdem EZB-Chef Mario Draghi erklärt hatte, falls notwendig zu weiteren Maßnahmen bereit zu sein. Zudem könne ein Vorstoß der Bank of England kommen, nachdem Mark Carney im Juli neuer Zentralbankchef wird. Weitere Zinsschritte könnten Morgan Stanley zufolge in Australien, Polen, der Türkei, Russland und vielleicht Ungarn erfolgen.

Mit Blick auf Asien erklärte Credit-Suisse-Volkswirt Robert Prior-Wandesforde Kunden in der vergangenen Woche, dass Indien und Taiwan vielleicht weitere Lockerungen vornehmen würden. Möglich seien auch Maßnahmen der Philippinen. Zudem bestehe eine wachsende Wahrscheinlichkeit, dass China die Kreditkosten bald senke, erwartet Australia & New Zealand Banking Group.

Änderungen der Geldpolitik nur langsam vornehmen

Durch die Vielzahl der eingeführten Maßnahmen ist der Druck auf die Zentralbanken gewachsen. Jetzt gilt es mögliche Schritte in Richtung einer Änderung der derzeitigen Geldpolitik langsam und gut abgestimmt vorzunehmen. Vor einem übereilten Ausstieg ohne eine gut abgestimmte Kommunikation unter den Zentralbanken, warnt indes Julian Callow, leitender internationaler Volkswirt bei Barclays in London.

“Es ist wie mit einem Kind auf einem Karussell, das auch nicht plötzlich angehalten werden kann. Der Ausstieg muss langsam eingeleitet werden”, erklärte Callow. “Sie dominieren die Märkte regelrecht, es besteht also die große Gefahr, dass es zu Störungen kommt, selbst wenn scheinbar moderate Schritte unternommen werden.”

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