18 Milliarden € - Italiener füllen Montis klamme Kasse

18 Milliarden € - Italiener füllen Montis klamme Kasse

Private Anleger flohen noch vor kurzem in Scharen aus dem italienischen Staatsanleihemarkt. Die Euro-Schuldenkrise trieb sie in sicherere Anlagen in Deutschland oder der Schweiz. Nun fließen plötzlich wieder Milliarden in die heimische Staatskasse.

Der italienische Premier Mario Monti hat einen milliardenschweren Vertrauensbeweis aus dem Sparvermögen italienischer Kleinanleger erhalten. Mit Hilfe von "Patrioten-Anleihen" füllte die krisengeplagte drittgrößte Volkswirtschaft im Euroraum ihre Staatskasse in dieser Woche um 18 Mrd. Euro auf.

Die Papiere wurden extra für Privatinvestoren aufgelegt. Normalerweise versteigern Staaten ihre Anleihen ausschließlich unter ausgewählten Geschäftsbanken. Es war bereits das dritte Mal, dass Italien in diesem Jahr an das Pflichtgefühl der eigenen Bevölkerung appellierte, um diese bei der staatlichen Schuldenfinanzierung am Kapitalmarkt anzupumpen. Insgesamt hat die Regierung auf diese Weise 2012 bereits 27 Mrd. Euro eingesammelt.

Hohe Nachfrage - "großer Erfolg"

"Es ist ein Zeichen dafür, wie groß das Vertrauen der Italiener in ihr Land ist", sagte Vermögensverwalter Mario Spreafico von der Fondsgesellschaft Schroders. Die hohe Nachfrage sei zudem eine starke Antwort auf Finanzspekulanten, die Italien in den vergangenen Monaten immer wieder ins Visier genommen hatten. Luca Cazzulani, Experte der italienischen Großbank Unicredit, bezeichnete die Auktion als "großen Erfolg", der den Finanzierungsdruck bis zum Jahresende deutlich lindere. Mittlerweile hat Italien fast 90 Prozent seines Kapitalbedarfs in diesem Jahr gestillt.

Die Chefin der italienischen Schuldenagentur, Maria Cannata, schloss weitere Anleihe-Versteigerungen für Kleininvestoren bis Ende 2012 bereits aus. Sie zeigte sich überrascht von der großen Kauflaune der Kleinsparer: "Sicherlich hat die Bestätigung des Spanien-Ratings durch Moody's den Optimismus gestärkt, trotzdem habe ich mit einer solchen Nachfrage ehrlich gesagt nicht gerechnet." Die Ratingagentur Moody's hatte dem krisengeschüttelten Euro-Schwergewicht Spanien eine befürchtete Herabstufung der Kreditwürdigkeit auf Ramschniveau aufgrund vornehmlich der Reformanstrengungen erspart.

Bereits im März und Juni hatte sich das italienische Schatzamt mit eigens auf Privatanleger zugeschnittenen Anleihe-Emissionen an diese Zielgruppe gewandt. Damals spülten die Papiere nicht mal halb so viel frisches Geld in die Staatskasse. Kein Wunder: Bis Mitte des Jahres flohen internationale Großinvestoren noch in Scharen aus dem italienischen Bond-Markt, was auch Kleinsparer verunsichert haben dürfte. Die Schuldenkrise in der Eurozone drohte zu eskalieren, und der Zinsdruck in Spanien und Italien hatte soweit zugenommen, dass Experten ernsthaft fürchteten, die beiden Euro-Schwergewicht könnten den Zugang zu privatem Anlagekapital völlig verlieren.

Blatt hat sich gewendet

Mittlerweile scheint sich das Blatt zu wenden: Erstmals seit über einem Jahr ist der Anteil ausländischer Investoren am italienischen Anleihemarkt der Zentralbank zufolge wieder gestiegen. Die Anleger kehrten zurück, und das "in allen Laufzeiten", erklärte die oberste Schuldenmanagerin Cannata. Dieser Trend werde durch aktuellsten verfügbaren Daten belegt, die sich auf den Juni beziehen.

Das internationale Finanzkapital dauerhaft zurückzugewinnen wäre für Italien noch wesentlich wichtiger als die Erfolgserlebnisse mit heimischen Kleinanlegern. Deshalb dürfte man in Rom hoch erfreut registrieren, dass die Zeichen auch hier auf Entspannung stehen.

Als Hauptgrund für das wieder erstarkte Vertrauen der Finanzmärkte gilt die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), notfalls unbegrenzt Anleihen kriselnder Euro-Länder aufzukaufen. Die Risikoaufschläge für italienische Staatspapiere, also die Prämie, die Investoren gegenüber als ausfallsicher geltenden Titeln verlangen, sind seit der in Aussicht gestellten EZB-Offensive massiv zurückgegangen. Erstmals seit Mitte März fiel die Rendite für zweijährige Staatstitel aus Italien in dieser Woche vorübergehend wieder unter die Marke von 2,0 Prozent. Im richtungsweisenden zehnjährigen Laufzeitbereich ist sie seit Ende Juli von mehr als 6,5 auf zuletzt 4,7 Prozent gesunken.

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