Anleihen: "Die Geschwindigkeit der Kursverluste wird zum Problem"

Die Börse in Frankfurt erlebt einen turbulenten Wochenstart

Die Börse in Frankfurt erlebt einen turbulenten Wochenstart

Der Anleihenmarkt stürzt in einem nie dagewesen Tempo ab, gleichzeitig ist seit Montag der deutsche Blue-Chip-Index erneut auf Talfahrt. Was die Märkte so beunruhigt.

Am Montag den 11. Mai brach der Sturm am deutschen Aktienmarkt los. Der Kurs des Dax brach binnen weniger Handelsstunden bis heute Mittag um über zwei Prozent ein. Vor allem die fast senkrecht nach unten gehenden Kurse überraschen. Noch am Freitag schien, nach einem kurzem Kurseinbruch zu Wochenmitte, wieder alles in Ordnung. Das Ende der Korrektur für viele Börsianer bereits in Sicht.

Acht Prozent Kursrückgang bei Renten

Das gleiche Bild zeigt sich am Rentenmarkt. "Die Geschwindigkeit der Kursverluste bei den Renten wird langsam zum Problem", sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. Der Bund-Future büßte am Dienstag 67 Ticks auf 153,46 Punkte ein. Damit summierte sich das Minus der vorangegangenen beiden Wochen auf acht Prozent. Nie zuvor ist er so schnell so stark gefallen. Im Gegenzug stieg die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen, auf denen der Bund-Future basiert, auf 0,645 Prozent. Im April hatte sie noch bei 0,05 Prozent gelegen.

Enttäuschung über geringe Fortschritte

Vor allem die wieder aufgeflammte Spekulationen um ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone haben die auf die Stimmung der Investoren gedrückt. Investoren zeigten sich enttäuscht, dass es bei den Beratungen der Euro-Finanzminister über den griechischen Schuldenstreit am Tag zuvor keine klaren Fortschritte gab. Zwar leistete die Regierung in Athen eine Rückzahlung von 750 Millionen Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) nach eigenen Angaben fristgerecht. Allerdings ist die griechische Regierung dringend auf weitere Kredite angewiesen, die die Geldgeber nur im Gegenzug für Reformen gewähren wollen.

21 Prozent Zitterprämie für Griechenland-Anleihen

Den Griechen läuft vor allem die Zeit davon. Aktienhändler Markus Huber vom Brokerhaus Peregrine & Black. "Um eine Insolvenz Griechenlands zu verhindern, müssen früher oder später große Schritte in Richtung einer Einigung gemacht werden." Griechische Papiere haben deshalb auch besonders gelitten. Der Athener Leitindex sackte um bis zu 3,6 Prozent und der griechische Bankenindex zeitweise sogar um neun Prozent ab. Staatsanleihen des Landes warfen Investoren ebenfalls aus ihren Depots. Dies trieb die Rendite der zweijährigen Titel um rund einen halben Punkt hoch auf knapp 21 Prozent.

Aber auch der scharfe Rückgang am Anleihenmarkt, setzt die Aktienmärkte unter Druck. Der Rückgang ist zwar gut für Anleihen, denn fallen die Kurse von Anleihen, steigen die Renditen. Doch das wiederum macht, die derzeit bereits vielfach stark gestiegenen Aktienmärkte weniger attraktiv. Die Folge: Anleger schichten in Anleihen um.

Mögliche Ursachen für den Preiverfall bei Anleihen

Doch über den tatsächlichen Grund für den Kurseinbruch am Anleihenmarkt rätseln Experten noch. Viele Börsianer werten die heftige Reaktion als starkes Indiz für eine Blasenbildung am Anleihenmarkt. In einer solchen Situation würden schon geringfügige Unsicherheiten reichen, um eine heftige Gegenreaktion auszulösen.

Als weiterer Grund nennt Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research, dass nach den Wertpapierkäufen der EZB vorerst keine weiteren Kursgewinne mehr zu erwarten seien.. Daher nähmen Anleger Gewinne mit. "Derzeit wollen alle durch die selbe Tür", fügte er hinzu. Ein weiterer Belastungsfaktor ist Börsianern zufolge der Kursverfall der US-Bonds. Dort trennen sich Investoren wegen der Aussicht auf steigende Leitzinsen von ihren Papieren und treiben dadurch die Renditen in die Höhe.
Für die Rabobank-Anlagestrategin Jane Foley wiederum sind die Kursbewegungen bei Renten und Devisen lediglich Positionsbereinigungen. Anleger hätten zu hoch auf einen steigenden Dollar und anziehende Anleihekurse gewettet.

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