Aktionäre von Zalando und Rocket Internet schreien nicht vor Glück

Die schwächsten Börsedebüts in Europa im Jahr 2014 von insgesamt 93 Börsengängen haben Zalando und Rocket Internet hingelegt. Eine Woche nach dem Börsegang ist der Absturz der Aktienkurse der beiden Börsenneulinge vorläufig gestoppt. Die Aktie des schwedischen Investors Kinnevik sowie von United Internet wurden gleich mit auf Talfahrt geschickt. Erstmals seit dem IPO notieren die beiden Börsenneulinge mit einem Kurzuwachs - weit entfernt vom IPO-Kurs. Ein kurzes Strohfeuer oder tatsächliche Trendumkehr?

Aktionäre von Zalando und Rocket Internet schreien nicht vor Glück

Frankfurt/Wien. Mit dem Werbespruch „Schrei vor Glück!“ bewirbt der Online-Versandhändler Zalando sein Geschäft. Für die Aktionäre trifft das nicht zu. Seit dem Börsendebüt der Vorwoche ist der Kurs von Zalando auf Talfahrt. Ebenso bei Rocket Internet. Hinter beiden Unternehmen stehen mit den Hauptinvestoren Oliver, Marc und Alexander Samwer sowie des schwedischen Investorengruppe Kinnevik dieselben Hauptaktionäre, die nun Kasse gemacht haben. Und gleichzeitig erklären, das von der Börse abgeholte Geld in die Expansion beider Unternehmen zu investieren.

Anlegerschützer hatten vor Börsegewinn vor der Anlage in die beiden neuen Aktien gewarnt. Und damit Recht behalten. Die Börsen schickten nach dem IPO beide Aktien auf Talfahrt. Zalando notierte zur Erstnotiz am vorigen Mittwoch gerade noch beim Ausgabekurs 21,50 Euro. Bis heute vor Börsebeginn folgte ein kapitaler Absturz um rund 19 Prozent. Erst am Donnerstag konnten die Zalando-Papiere bei schwachem Handel um 4,68 Prozent zulegen auf 17,91 Euro. Zum Ausgabepreis war das Unternehmen rund 5,35 Mrd. Euro wert – binnen einer Woche ist der Börsenwert des Unternehmens um rund Milliarde auf 4,39 Milliarden Euro gefallen. Der Börsengang hat rund 604 Millionen Euro in die Kassen des Unternehmens und der Eigentümer gespült.

Zalando hatte erst zum 1. Quartal 2014 einen operativen Gewinn verbucht, nachdem das Unternehmen massiv Kosten etwa für Marketing zurückgefahren hatte. Im zweiten Quartal 2014 seien schwarze Zahlen im operativen Geschäft erreicht worden.

Doch damit nicht genug. Der Startup-Finanzierer Rocket Internet, selbst bisher nicht profitabel, startete am 2. Oktober, ein Tag nach Zalando, sein Börsendebüt mit einem Ausgabepreis von 42,50 Euro pro Aktie. Das Unternehmen hat mit der Börsennotierung rund 1,6 Mrd. Euro vom Kapitalmarkt abgeholt. Zum Börseneinstand war das Unternehmen bis zu 6,7 Mrd. Euro wert. Eine Woche später, am 9. Oktober notiert die scherzhaft als „Rakete“ bezeichnete Aktie vor Börsenbeginn rund 22 Prozent im Minus. Der Börsenwert des Startup-Finanzierers ist somit ebenso binnen Wochenfrist um satte 1,5 Milliarden Euro abgestürzt.

Das heißt: Bei Zalando und Rocket Internet wurden binnen einer Woche 2,5 Milliarden Euro Börsenwert vernichtet.

Im Gleichschritt mit der Talfahrt der Kurse von Zalando und Rocket Internet ist auch die Aktie des Investors Kinnevik um rund 19 Prozent abgestürzt. Kinnevik konnte heute wieder ein Plus von rund einem Prozent verzeichnen. Ebenso United Internet, das mit rund 10,7 Prozent an Rocket Internet beteiligt ist, das ein Plus von 0,78 Prozent verzeichnet. Ob es sich hier um eine Trendwende handelt darf bezweifelt werden. Die Hoffnung der Börsen wurde am Donnerstag von Nachrichten der Fed genährt, die weiterhin bis Mitte 2015 Geld in den Kapitalmarkt pumpen will.

Gesteigerter Reichtum der Investoren

Die Hauptinvestoren von Rocket Internet und Zalando, die Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer, können dennoch ein wenig jubeln. Nach dem Börsengang halten die Samwers noch immer knapp 40 Prozent an Rocket Internet (vor dem Börsegang rund 53,7 Prozent). Bei Zalando sind sie noch mit knapp 14,81 Prozent (vor dem IPO: 16,7 Prozent) beteiligt. Auch der schwedische Investor Kinnevik ist an Rocket Internet noch mit 14 Prozent (zuvor: 18,5 Prozent) sowie mit rund 31,57 Prozent (vor dem IPO: 24,2 Prozent) an Zalando beteiligt.

Das Samwer-Rezept: Die Kopie von Geschäftsmodelle, die in der Internet-Hochburg im Silicon Valley in den USA von anderen Internetpionieren ausgedacht und entwickelt werden. Mit nicht zu geringem Erfolg: Das Vermögen der Investoren-Brüder hat sich durch das IPO von Zalando und Rocket Internet, das rund 2,2 Milliarden in die Kasse gespült hat, auf rund 3,5 Milliarden Euro vervierfacht - währenddessen die Anleger mit den Aktien derzeit Verluste einfahren.

Kritik hagelt es wegen der Kopier-Phantasie sowie der nicht gerade üppigen Transparenz der beiden Unternehmen, die sich mit Mitteilungen von börserelevanten Zahlen, Daten und Fakten bisher in Zurückhaltung übten - zu viel, wie die Financial Community befindet, die den "Schrei vor Glück!" noch nicht teilen möchte.