Aktionäre entscheiden heute über Schicksal von Bene - Aktie stürzt ab

Aktionäre entscheiden heute über Schicksal von Bene - Aktie stürzt ab

Seit 225 Jahren befindet sich Bene in Familienbesitz. Heute wird in Waidhofen an der Ybbs fällt die Entscheidung, ob die Tradition fortgeführt wird oder nicht.

Tag der Entscheidung für den angeschlagenenen Büromöbelhersteller Bene: Gibt die Hauptversammlung am Montag grünes Licht für den Einstieg von Sanierer Erhard Grossnigg sowie Ex-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein, wäre das Unternehmen gerettet. Sonst droht die Insolvenz. Im ersten Quartal 2015 stieg der Umsatz um 10 Prozent auf 38,5 Millionen Euro, das Eigenkapital ist aber nach wie vor tiefrot. Die Bene-Aktie stürzt am Montag um 28 Prozent ab.

Heute entscheiden Aktionäre des Büromöbelherstellers Bene in einer zukunftsweisenden Hauptversammlung (HV) über das Schicksal des niederösterreichischen Unternehmens. Das Okay der HV ist notwendig, um dem Sanierer Erhard Grossnigg sowie Ex-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein den Einstieg bei Bene zu ermöglichen. Nach 225 Jahren in Familienbesitz hätten erstmals Fremde das Sagen. An der Börse stürzte die Bene-Aktie Montagmittag um satte 28 Prozent auf 0,11 Euro ab.

Der angeschlagene Büromöbelhersteller hat im ersten Quartal 2015/16 im Jahresabstand seinen Umsatz um 10 Prozent auf 38,5 Mio. Euro gesteigert und den Verlust vor Steuern um 1,2 Mio. Euro auf 2,1 Mio. Euro gesenkt. Das Eigenkapital von Bene war per Ende April mit minus 40,9 Mio. Euro tiefrot. Die Nettofinanzverbindlichkeiten der Gruppe sanken per Ende April laut Bene gegenüber Ende Jänner um 2,0 Mio. auf 72,6 Mio. Euro. Die Liquidität zum Bilanzstichtag belief sich auf 7,9 Mio. Euro.

Erneut Personal abgebaut

Bene hat in den vergangenen Monaten erneut Personal abgebaut. Per Ende April hatte der Büromöbelhersteller 973 Mitarbeiter, Ende Jänner waren es 1.048 und Ende April 2014 waren es noch 1.064.

Auf der HV-Tagesordnung stehen eine Kapitalherabsetzung bei gleichzeitiger Kapitalzufuhr, außerdem soll der Aufsichtsrat ausgetauscht und um eine Person reduziert werden. Sowohl Neo-Eigentümer Grossnigg als auch Bene-Chef Rudolf Payer haben bereits klargemacht, dass Bene ohne Einstieg der Investoren pleite ist.

"Eine Verhinderung der Beteiligung des Investors führte zur Insolvenz der Gesellschaft. Dies hätte zur Folge, dass die Bene-Aktien keinen Wert mehr hätten und sich die Aktionäre in einer noch schlechteren wirtschaftlichen Situation befänden als durch den Bezugsrechtsausschluss", schreibt der Vorstand als Erläuterung zur HV. "Wenn es die Zustimmung der Aktionäre im Juni nicht gibt, geht Bene in Konkurs. Das ist schlicht und einfach der Fall", sagte Grossnigg kürzlich.

Bene-Aktie massiv an Wert verloren

Noch gehört Bene zu 42,5 Prozent der Bene Privatstiftung, hinter der als Stifter die Familie Bene steht. 57,5 Prozent befinden sich im Streubesitz. Ihnen winkt als Abfindung sechs bis acht Cent je Aktie. Zwar ist das Bene-Papier derzeit nicht einmal mehr 20 Cent wert, allerdings zahlten viele Aktionäre einst mehrere Euro pro Aktie. 2006 ging Bene zu einem Preis von 5,50 Euro/Aktie an die Börse. Zu seinen besten Zeiten war das Papier über 7 Euro wert. Für den Deal sind 75 Prozent der Stimmen nötig.

Die geringe Abfindung für die Kleinaktionäre ruft Anlegerschützer Wilhelm Rasinger auf den Plan, dem angesichts eines solchen Angebots das "G'impfte aufgeht". Es ist jedenfalls mit Widerstand bei der Hauptversammlung zu rechnen.

Laut Einladung zur Hauptversammlung ist nun folgendes geplant: Das Grundkapital soll von derzeit 24,3 auf 1,9 Mio. Euro herabgesetzt werden. Dies soll geschehen, indem jeweils 25 bestehende Stammaktien zu zwei zusammengelegt werden. Zugleich wollen die Investoren 18 Mio. Euro an frischem Kapital zuführen, die in neuen Aktien zu einem Preis von 1 Euro je Stück ausgegeben werden.

7 Euro notierte die Bene-Aktie zu ihren besten Zeiten, derzeit ist das Papier lediglich 15 Cent wert.

Aufsichtsrat soll schrumpfen

Ebenfalls auf der Tagesordnung stehen Wahlen in den Aufsichtsrat. Der derzeitige Aufsichtsrat soll von fünf auf vier Personen gekürzt und komplett ausgetauscht werden. Als neue Mitglieder werden Martin Bartenstein, Peter Funder, Alexander Isola und Michael Schur vorgeschlagen. Derzeit besteht das Kontrollgremium aus Manfred Bene (Vorsitzender), Armenak Utudijan (Stellvertreter), Andreas Bierwirth, Andrea Gaal und Gerhard Peller. Als Arbeitnehmervertreter sitzen noch Martin Hönickl, Reinhard Gleiss und Brigitte Spitzer im Aufsichtsrat.

Bene wurde 1790 als Familientischlerei gegründet. Ab den 1950er-Jahren spezialisierte sich die Firma auf Büromöbel. Noch heute sind der Hauptsitz und die Produktion von Bene in Waidhofen an der Ybbs (NÖ). 2006 erfolgte als weiterer Meilenstein der Börsengang. Mit Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008 ging es für Bene steil bergab. Das Unternehmen fuhr Verluste ein, baute Personal ab und setzte die Dividende aus. 2012 zog der Aufsichtsrat die Bremse und tauschte nach anhaltenden Verlusten den Vorstand aus.

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