Teamchef Santos glaubt an große Zukunft für Portugal

Santos sieht im EM-Titel noch nicht das Ende der Fahnenstange

Santos sieht im EM-Titel noch nicht das Ende der Fahnenstange

Der Pragmatiker hat Portugal zum bisher größten Fußball-Triumph geführt. Teamchef Fernando Santos verordnete seiner Mannschaft um Superstar Cristiano Ronaldo bei der EM ein abwartendes, auf Sicherheit bedachtes Konzept. Die Portugiesen spielten in Frankreich zwar nicht den schönsten Fußball, durften am Ende aber über ihren ersten großen Titel jubeln.

Santos hatte die Mannschaft erst während der EM-Qualifikation im September 2014 übernommen. 14 Pflichtspiele ist das Team unter seiner Führung mittlerweile ungeschlagen. "Wenn wir weiter so bescheiden auftreten, können wir große Dinge erreichen", meinte der Teamchef. Ob man auch bei der WM 2018 in Russland reüssieren könne? "Wir kennen die Zukunft nicht. Aber wir müssen an unser Talent glauben, an unsere Stärke."

In der WM-Qualifikation treffen die Portugiesen mit der Schweiz und Ungarn auf zwei EM-Achtelfinalisten. Dazu warten ab September die Färöer, Lettland und Andorra. Santos dürfte dem Verband erhalten bleiben. Der Vertrag des 61-Jährigen läuft zwar mit Monatsende aus, der Erfolgstrainer hat für nach der EM aber Gespräche angekündigt. "Zu gegebener Zeit werden wir alles entscheiden."

Der Mannschaft traut er in den kommenden Jahren jedenfalls noch viel zu. "Wir haben eine leuchtende Zukunft vor uns", meinte Santos. Dabei ist gerade die in Frankreich so zuverlässige Defensive bereits in die Jahre gekommen. Jose Fonte, der jüngste der vier Innenverteidiger, die Santos zur EM mitgenommen hatte, ist 32 Jahre alt, sein Nebenmann und Abwehrchef Pepe 33.

Superstar Ronaldo hat mit 31 möglicherweise noch einige gute Jahre vor sich. Hoffnung geben auch die Außenverteidiger Cedric Soares (24) und Raphael Guerreiro (22) sowie die Mittelfeldspieler Andre Gomes (22), Joao Mario (23), William Carvalho (24) - und Renato Sanches. Der 18-Jährige, der nach der EM bei Bayern München anheuert, wurde als bester junger Spieler des Turniers ausgezeichnet.

"Ich will den historischen Moment genießen und hoffe, dass ich noch viele Jahre wie dieses habe", sagte Sanches. Dem Sohn einer Einwandererfamilie aus Sao Tome und Principe bzw. von den Kapverdischen Inseln ist in der abgelaufenen Saison bei Benfica Lissabon der Durchbruch gelungen. Im Nationalteam debütierte er erst im März. Mittlerweile hat das gefeierte Wunderkind bereits elf Länderspiele auf dem Buckel.

Immer wusste Sanches im Turnierverlauf nicht zu überzeugen. Alleine durch seine Physis könnte sich der 18-Jährige, der im Lissaboner Armenviertel Bairro da Musgueira aufgewachsen ist, aber zum Anführer einer neuen portugiesischen Generation entwickeln. Entscheidend sei aber auch der Coach, betonte niemand geringerer als Ronaldo: "Fernando Santos war die wichtigste Person bei dieser EM."

Selbst als der Superstar mit seiner Knieverletzung vom Platz musste, verlor das Team im Finale nicht die Ordnung - im Gegenteil. Zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen herrschte sogar eine noch größere Harmonie als davor. Das Konzept von Santos, der ob seines abwartenden Spielstiles und seiner Kaderpolitik auch Kritik einstecken musste, war von Erfolg gekrönt.

"Es ist egal, ob wir gut oder schlecht spielen - wichtig ist, dass wir den Pokal nach Portugal bringen", sangen die Spieler bezeichnenderweise, als sie das Stade de France kurz vor 2.30 Uhr in der Früh verließen. Geht es nach ihnen, sollen noch viele weitere Trophäen folgen. Dem für Ronaldo eingewechselten Ricardo Quaresma schien an seiner Siegermedaille allerdings nicht sonderlich viel zu liegen. "Wenn sie aus Gold ist, verkaufe ich sie", sagte der Exzentriker scherzhaft.

Möglich gemacht hat den Titelgewinn auch der neue Modus. Nach drei Remis gegen Island (1:1), Österreich (0:0) und Ungarn (3:3) retteten sich die Portugiesen als Gruppendritter in die K.o.-Phase. Nur eines von sieben EM-Spielen gewannen sie in der regulären Spielzeit - das Halbfinale gegen Wales (2:0).

Erst im Turnierverlauf fand Santos seine beste Formation. "Richtige Zusammenarbeit bekommt man nur durch Bewerbsspiele", meinte der Teamchef. Im Endspiel überzeugten die Portugiesen dann mit Teamwork. "Wir haben ein brillantes Kapitel in der Geschichte des portugiesischen Fußballs geschrieben", erklärte Abwehrchef Pepe, der exemplarisch zum "Spieler des Spiels" gewählt wurde. "Niemand von uns wird diesen Titel jemals vergessen."

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