Portugals Coach Santos: Pragmatisch und unverstanden

Santos hat immer einen Matchplan parat

Santos hat immer einen Matchplan parat

Fernando Santos hat in seinen knapp zwei Jahren als Portugals Nationalcoach noch kein Pflichtspiel verloren. Mit harter Arbeit und pragmatischem Spiel coachte er Cristiano Ronaldo und Co. bis ins EM-Finale. Doch aufgrund der teilweise unansehnlichen Spielweise fliegen ihm und seinem Team längst nicht alle Herzen zu.

Am Sonntag ist in St. Denis das EM-Endspiel zwischen Frankreich und Portugal angesetzt. Für Portugals Coach Santos ist es der "Höhepunkt meiner Karriere", wie er selbst sagt. Doch den jubelnden portugiesischen Schlachtenbummlern am Trainingsplatz im französischen Marcoussis zeigt Santos nur kurz den Daumen. Übertriebene Euphorie ist Santos' Sache nicht.

Mit harter Arbeit und einem pragmatischen wie defensiven Spielstil hat Santos die Portugiesen in ihr zweites großes Endspiel nach 2004 geführt. Seit seiner Amtsübernahme im September 2014 verlor er noch kein Pflichtspiel mit den Portugiesen. "Der Trainer hat die ganze Zeit über an uns geglaubt, wir haben immer an ihn und seine Ideen geglaubt", lobt Mittelfeldspieler Joao Mario. Und auch Renato Sanches, Neuzugang von Bayern München, bezeichnet den 61-Jährigen als "großartigen Trainer".

Unter Santos, der vor seiner Trainerkarriere als Diplomingenieur arbeitete, spielt das Team zwar nicht offensiv schön, überzeugt aber mit einen klugen Matchplan. "Wir sind nicht das beste Team in der Welt, aber es ist nicht leicht, Portugal zu besiegen", sagt Santos. "Wir haben immer einen Plan." Damit gelang es immerhin, Kroatiens hochgelobtes Team und euphorisierte Waliser aus dem Turnier zu werfen.

Sein Stil als Trainer ist auch durch seine Zeit in Griechenland geprägt, wo er mehrere Clubs und von 2010 bis 2014 das Nationalteam trainierte. 2012 bei der EM war für die Griechen im Viertelfinale Schluss, bei der WM 2014 im Achtelfinale. Durch die Erfolge mit den Hellenen hat sich Santos auch in der Heimat Respekt erarbeitet.

"Große Turniere werden von Teams gewonnen und nicht von einzelnen Spielern", sagt Santos. Unter ihm funktionieren bei dieser EM auch Stars wie Cristiano Ronaldo im Kollektiv und arbeiten defensiv, wie etwa beim 2:0 im Halbfinale gegen Wales. "Wir haben die ganze Zeit über eine sehr gute Atmosphäre im Team gehabt, haben klar definierte Ideen, denen wir folgen", sagt Joao Mario. Unter Santos versteht sich Portugals Team mehr als Orchester denn als Solo-Konzert.

Dass es für die teilweise unansehnliche Spielweise auch viel Kritik gibt, stört Kettenraucher Santos wenig. "Ich habe Portugal immer als großartiges Team gesehen, manchmal haben wir brillanter gespielt, manchmal nicht", sagt der Trainer. Joao Mario hat sich mit der Kritik arrangiert. "Es wird immer Kritik an unserer Spielweise geben, auch in Portugal." Ganz unbegründet sind die Zweifel nicht: Das Halbfinale war die erste EM-Partie, in der Portugal nach 90 Minuten vorne lag.

Santos' erstes Spiel als Nationaltrainer war im Oktober 2014 eine 1:2-Niederlage gegen Frankreich im Stade de France. "Seitdem habe ich gesagt, dass es unser Ziel ist, es in dieses Finale zu schaffen", sagt er. Nun will der Coach sein zwei Jahre altes Versprechen auf den EM-Titel wahr werden lassen: "Jemand sagte mir mal: Im Finale geht es nicht ums spielen, sondern ums gewinnen - so ist es."

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