Giroud vom Buhmann zu Frankreichs Hoffnungsträger

Nach dem Sieg gegen Island feierte Giroud mit den Fans

Nach dem Sieg gegen Island feierte Giroud mit den Fans

Nicht einmal fünf Wochen ist es her, als Olivier Giroud von seinen Landsleuten ausgepfiffen worden war. Der Arsenal-Stürmer hatte in Frankreich lange Zeit keinen leichten Stand. Ein Tor im EM-Eröffnungsspiel gegen Rumänien (2:1) und einen Doppelpack im Viertelfinale gegen Island (5:2) später ist der 29-Jährige einer der neuen französischen Fußball-Helden.

Große Hoffnungen setzen die Franzosen auch am Donnerstag (21.00 Uhr/live ORF eins) im Halbfinal-Schlager in Marseille gegen Deutschland auf Giroud. Der bullige Mittelstürmer soll die nach der Sperre von Mats Hummels neu formierte Abwehr des Weltmeisters beschäftigen. "Deutschland ist ein bisschen unser Angstgegner. Wir wollen diese Tendenz ändern", betonte Giroud im französischen EM-Camp in Clairefontaine.

Nach dem Viertelfinal-Triumph gegen Island hatte Giroud mit der französischen Fahne auf den Schultern gefeiert. Bei seiner Auswechslung feierten ihn seine Landsleute mit stehenden Ovationen. Beim Testspiel am 30. Mai gegen Kamerun (3:2) war der Angreifer noch mit Pfiffen bedacht worden - als ob er etwas dafür könnte, dass er statt des wegen seiner Sex-Video-Affäre nicht berücksichtigten Real-Madrid-Stars Karim Benzema im Sturmzentrum agiert.

Mit einem Doppelpack bei der EM-Generalprobe gegen Schottland (3:0) brachte Giroud seine Kritiker zum Schweigen. Mittlerweile hält er bei 20 Toren für "Les Bleus". "Ich werde immer kritisiert", sagte der lange Ungeliebte einmal in einem Interview. Ob er womöglich für Benzemas Abwesenheit bezahlen muss? "Ich denke schon, da muss man sich nichts vormachen."

Bei der EM sei er nun aufgeblüht, erklärte Giroud. Er ist ein Kämpfer. "Gladiator" zählt nicht umsonst zu seinen Lieblingsfilmen. Mit seinem Bart ist der 1,90-Meter-Mann dem Titelhelden auch optisch nicht unähnlich. Er hatte einige Hürden zu überwinden, um die Gunst der Fans zu erlangen. "Olivier ist kein Roboter, er ist auch nur ein Mensch", meinte Teamchef Didier Deschamps. Aber einer, auf den er sich verlassen kann. Kein Spieler hat in seiner Amtszeit mehr Tore für Frankreich erzielt.

Die Frage, ob er mit Benzema besser bedient wäre, stellt sich der Trainer nicht. "Der eine ist da, der andere nicht", begründete Deschamps vor Turnierbeginn. Neben Benzema fehlt als Folge der Erpressungsaffäre im französischen Team auch Mathieu Valbuena. Nach dem Durchbruch von Dimitri Payet spricht aber kaum noch jemand vom 1,63 m kleinen Mittelfeld-Turbo. Wie Giroud hält Payet bereits bei drei EM-Toren. Nur Teamkollege Antoine Griezmann (4) hat öfter getroffen.

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