Beckham-Verschnitt und Klischee-Wikinger in Islands Team

Die Mannschaft weist interessante Biografien auf

Die Mannschaft weist interessante Biografien auf

Ein isländischer Beckham, einer, der vom Hobbygoalie zum Teamtorhüter aufgestiegen ist, und ein Kapitän, der alle Klischees erfüllt. Islands Fußball-Nationalmannschaft weist durchaus interessante Biografien auf. Im EM-Viertelfinale gegen Frankreich am Sonntag (21.00 Uhr) im Stade de France von Saint-Denis wollen die Nordländer ihren Erfolgslauf weiterführen.

Hannes Halldorsson (Torhüter, 32 Jahre, Verein Nijmegen): Bis 2005 noch Hobby-Goalie und 105 kg schwer, bis vor zwei Jahren überaus kreativer Filmregisseur. Fertigte 2012 den Videoclip zu Islands Beitrag am Eurovision Song Contest. Ein Jahr später als Familienvater, Fußball- und Videoprofi am Rande eines Burnouts. "Meine Geschichten haben immer nach langem Anlauf einen kurzen Stopp nach zwei Dritteln. Dann geht es weiter", sagte er vor der EM.

Birkir Saevarsson (Rechtsverteidiger, 31, Hammarby): Vierfacher Familienvater, aufgrund seiner Läufe auf der rechten Außenbahn mit dem Übernamen "Wind". Wollte als 17-Jähriger Berufspilot werden, weil er es nicht in die erste Mannschaft von Valur Reykjavik geschafft hatte. Verschob den Plan auf das Ende der Karriere.

Kari Arnason (Innenverteidiger, 33, Malmö FF): Vermutlich gebildetster Stammspieler. Schloss via Fernstudium eine Master-Ausbildung in Business Studies mit dem Thema "mögliche Korruption in Englands Fußball" ab. In der vergangenen Saison mit Malmö mit einem Torverhältnis von 1:21 als Gruppenletzter in der Champions League ausgeschieden. Zuvor in der Qualifikation Salzburg-Schreck.

Ragnar Sigurdsson (Innenverteidiger, 30, FK Krasnodar): Eisenharter Innenverteidiger, mag keine halben Sachen und erst recht nicht die Erscheinungen des modernen Fußballs, in dem es ihm zufolge um das Zeigen von Muskeln und schönen Frisuren und um das Schinden von Elfmetern geht. Verdient sein Geld in Russlands höchster Liga. Hat als einziger jede Minute in der EM-Qualifikation bestritten.

Ari Skulason (Linksverteidiger, 29, Odense BK): Temperamentvoller Linksverteidiger, war Kapitän von Sundsvall und ist es aktuell auch bei Odense. Seine Nerven hat(te) der Hitzkopf nicht immer im Griff. Wurde nach einem Ausraster in einem Ligaspiel ins Juniorentraining versetzt, musste einen Anti-Aggressions-Kurs besuchen.

Johann Berg Gudmundsson (Mittelfeld, 25, Charlton Athletic): Wird seit eines Triplepacks im WM-Qualifikationsspiel gegen die Schweiz "Joey Bern" genannt. Absolvierte als Teenager Probetrainings bei Fulham und Chelsea, stieg in der letzten Saison mit Charlton Athletic in die dritthöchste Liga Englands ab.

Aron Gunnarsson (Mittelfeld, 27, Cardiff City): Bärtiger, volltätowierter, mit einem Fitness-Model verheirateter Klischee-Isländer, beim "Huh" mit den Fans als Teamkapitän der Vorklatscher. Bei Cardiff City in der englischen Championship nicht Stammspieler. Hätte wie sein älterer Bruder Arnor (Bergischer HC in Deutschland) Handball-Profi werden können. Die weiten Einwürfe sind der Vergangenheit geschuldet.

Gylfi Sigurdsson (Mittelfeld, 26, Swansea City): Zog als 15-Jähriger mit seiner Familie nach England, um Profi werden zu können. Besitzt eine Immobilien-Firma in Island und ist Vorstandsmitglied im Fischerei-Betrieb seines Vaters. Dürfte in der Premier League im Sommer für viel Geld den Verein wechseln. Mit der Miss Island 2008 liiert, das Paar gilt als die "isländischen Beckhams".

Birkir Bjarnason (Mittelfeld, 28, FC Basel): Wechselte als 11-Jähriger nach Norwegen. Entschied sich ab der U17, Islands Farben zu vertreten. Wird in Anlehnung an sein typisch nordisches Aussehen "Thor" genannt, gilt als Frauenschwarm. Bereits sein Vater Bjarni Sveinbjörnsson war Nationalspieler.

Jon Dadi Bödvarsson (Stürmer, 24, 1. FC Kaiserslautern): Setzt sich, initiiert von seiner Mutter, für finanziell benachteiligte und fußballbegeisterte Kinder in seinem Heimatstädtchen Selfoss ein. Erzielte eines seiner bis dato zwei Teamtore in der EM-Gruppenphase beim 2:1 gegen Österreich.

Kolbeinn Sigthorsson (Stürmer, 26, Nantes): Vor der EM bei Nantes für "zu langsam" und "zu dick" befunden. Im Nationalteam zweitbester Torschütze der Verbandsgeschichte. Zum Rekord des ebenfalls im EM-Kader stehenden Eidur Gudjohnsen (26) fehlen noch fünf Treffer. Sein älterer Bruder Andri ist sein Berater, die Bäckerei-Kette seines Vaters ist einer der Hauptsponsoren des Verbandes.

Fanmeile am Eiffelturm zählte 1,2 Mio. Besucher

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