Zinsenhasard

Sparbücher sind sicher? Was das dort deponierte Geld betrifft, stimmt das. Sicher ist aber auch eine wesentlich weniger erfreuliche Tatsache: Sie verlieren damit Kaufkraft.

Eigentlich interessiert im Moment doch alle nur die eine Frage: Was ist sicher? Auf den vergangenen Seiten haben Sie erfahren, dass Aktien nicht unbedingt „unsicher“ sein müssen und dass Gold nur bei Zutreffen einer ganz bestimmten Annahme ein „sicheres“ Investment darstellt. Aber wie steht es mit den Anlageformen, die landläufig als die sichersten gelten – nämlich Sparbüchern, Staatsanleihen höchster Bonität und Geldmarktfonds? Hier drohen einige unangenehme Erkenntnisse. Selbst das sicherste Investment ist nämlich zwei Risiken ausgesetzt: dem Bonitätsrisiko und dem Zinsänderungsrisiko – und beide können jederzeit schlagend werden.

Dass Bonitätsrisiken bisweilen durchaus überraschend auftreten, zählt zu den weniger erfreulichen Erfahrungen der vergangenen Jahre. Euro-Staatsanleihen galten seit Einführung des Euro vor einem Jahrzehnt als sicherer Hafen. Mit dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 reduziert sich dieses Prädikat auf gerade noch eine Hand voll EU-Mitglieder. Als „vollkommen sicher“ würde derzeit wohl niemand Staatspapiere aus Italien, Portugal, Spanien und Irland bezeichnen – von Griechenland reden wir besser gar nicht erst.

Nicht zu vernachlässigen ist derzeit aber auch das Zinsänderungsrisiko. Sollten die Zinsen wieder steigen, dann würde der Wert jeder längerfristigen Veranlagung sinken. Noch zu Jahresbeginn wies alles darauf hin, dass die Europäische Zentralbank zur Bekämpfung der Inflation von mehr als drei Prozent an der Zinsschraube drehen werde. „Das ist aus heutiger Sicht nicht mehr wahrscheinlich, aber es ist keineswegs ausgeschlossen, dass die Sparbuchzinsen nicht trotzdem angehoben werden. Die Banken buhlen derzeit um Einlagen“, beobachtet Peter Brezinschek, Chefanalyst bei der Raiffeisen Bank International und Experte für Zins- und Währungsprognosen. Wer also derzeit versucht, dem Zinsentief auf Sparbüchern durch längere Bindungsfristen zu entkommen, tappt möglicherweise in die Falle.

Sparen

Solche lauern aber auch bei den simplen Spareinlagen. Deutlich unter einem Prozent bezahlen die Großbanken für täglich fälliges Geld. Wer mehr will, muss auf Online-Sparangebote ausweichen. Mit drei Prozent führt hier die luxemburgische Advanzia Bank. Dem Kleingedruckten ist freilich zu entnehmen, dass die Superzinsen nur für den ersten Monat gelten – danach sind es 2,65 Prozent, überdies ist eine „Anpassung“ an niedrigere Marktzinsen jederzeit möglich. „Sicher“ sind Spareinlagen aber in jedem Fall: Gemäß EU-Richtlinie beträgt die Einlagensicherung 100.000 Euro pro Person.

Zu den beliebtesten sicheren Anlageformen zählt das Bausparen. Doch hier ist derzeit nicht viel zu holen: Bei einer Einzahlung von 100 Euro monatlich lässt sich eine Jahresprämie von 36 Euro erzielen – macht bei einer Laufzeit von sechs Jahren eine Verzinsung von 1,9 Prozent. Allerdings ist eine Art „Versicherung“ gegen das Zinsänderungsrisiko eingebaut. Sowohl Zinsen der Bausparkassen als auch staatliche Prämie orientieren sich nämlich am Zinsniveau. Bei der in diesem Rahmen möglichen Höchstprämie – also wenn das Zinsniveau deutlich steigt – würde die Rendite auf sechs Prozent steigen.

Für eine Veranlagung ab etwa einem Jahr sind Geldmarktfonds beliebt. Diese investieren in kurzfristig laufende Papiere und vermeiden damit das Zinsänderungsrisiko weitgehend. Auch das Bonitätsrisiko hält sich durch die Auswahl potenter Schuldner in Grenzen. Viel zu verdienen gibt es auch hier nicht: Wer in die Nähe von zwei Prozent rückt, zählt bereits zu den Vorzugsschülern – meist liegen die Renditen zwischen 1,6 und 1,9 Prozent.

Pfandbriefe

Knapp darüber liegen die Renditen der am Markt befindlichen Pfandbriefe. „Im Hintergrund eines Pfandbriefs steht ein Sondervermögen, auf das es im Ernstfall einen rechtlichen Zugriff gibt. Pfandbriefe sind mündelsicher, daher müssen die Pfandrechte das Volumen der Anleihe bedecken“, erklärt Michael Mandelburger. Mit rund zweieinviertel Prozent liegt die Rendite des „4,25% Erste Group Mortgage Backed Pfandbrief 2009–2016“ etwas über den Geldmarktfonds.

Staatsanleihen

Viel zu holen ist auch bei Anleihen nicht: Heimische Bundesanleihen bringen im Schnitt knapp zwei Prozent – etwas mehr als deutsche Papiere. Deutsche Anleihen mit einer Restlaufzeit von zwei Jahren liegen gar nur knapp über einem halben Prozent. Das Fazit für die „sicheren“ Anlagen fällt ernüchternd aus: So gut wie alle „Sicherheitsvarianten“ führen zu einem Kaufkraftverlust.

Von Franz C. Bauer

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