So schadet Schule der Karriere unserer Kinder

So schadet Schule der Karriere unserer Kinder

Gesellschaft und Arbeitswelt ändern sich rasant, die Schule aber ist weiter von gestern - mit schwerwiegenden Folgen für die Wirtschaft. trend zeigt, wie die Schulwelt jenseits aller ideologischen Debatten eigentlich aussehen müsste, um unsere Kinder fit für die Zukunft zu machen.

Pfffff!“ Julian M. ist genervt. Der 13-jährige Bub aus Wien-Wieden ist das in letzter Zeit ziemlich häufig. Und das liegt nicht an seiner pubertären Trotzphase. Die Schule ist schuld, oder, besser: der Physik- und Matheunterricht. Julian war immer schon sehr aufgeweckt, neugierig, wollte wissen, wie die Welt funktioniert. Die Volksschule verließ er mit lauter Einsern im Zeugnis, auf neue Fächer wie Physik freute er sich schon richtig. Und jetzt das!

Der Anfang der Physikstunde begann oben links auf der Tafel, am Ende der Stunde war der Lehrer mit seinen unverständlichen Formeln zwar unten rechts angelangt, hängengeblieben war bei Julian jedoch so gut wie nichts. Er war nicht der einzige. Eltern liefen beim Klassenvorstand Sturm, der dröge Pädagoge aber blieb. Julian bleibt nur noch die Hoffnung, dass er irgendwann einmal an einen jungen, engagierten Lehrer gerät, der seine Lust auf Physik wieder zu wecken weiß.

Die Gymnasiast Julian M. existiert wirklich - und ist gleichzeitig nur eines unter hunderttausenden Kindern in Österreich, denen die Schule den Rest gibt. Er beißt sich zwar durch, hat auch nach wie vor gute Noten, aber die pure Lust am Entdecken ist ihm längst vergangen. Vielleicht wäre aus ihm ein toller Techniker geworden, vielleicht hätte er einst sogar einen Nobelpreis nach Österreich geholt. Möglicherweise wird er das immer noch, aber sicher nicht wegen seiner Schulbildung, sondern trotz dieser.

Schule von gestern

Das ist fatal, sozial und ökonomisch. Menschen wie Julian werden Unternehmen dringend brauchen. Acht von zehn Betriebe haben schon jetzt Probleme, qualifiziertes Personal zu finden, moniert die Industriellenvereinigung. Viele seien gezwungen, bei ihrer Suche ins Ausland auszuweichen. Trotzdem bleibt am Ende jeder fünfte hochqualifizierte Arbeitsplatz unbesetzt. Die Folge: Wirtschaftskraft geht verloren, weil potenzielle Berufskarrieren am Bildungssystem scheitern.

Beispiel OMV: "Wir müssen mehr junge Menschen für Naturwissenschaften begeistern“, sagt OMV-Chef Gerhard Roiss: "Wir suchen 1600 Ingenieure und Geologen und würden uns wirklich freuen, wenn wir diese innnerhalb Österreichs finden würden.“ Probleme mit den Absolventen des heimischen Schulsystems hat auch Silvia Buchinger, Personalchefin der Telekom Austria Group: "Wir sehen vor allem beim Lehrlingsrecruiting, dass es da Defizite gibt, und steuern mit umfangreichen internen Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen dagegen.“ Böhler hat schon vor Jahren pensionierte Pädagogen engagiert, um bei Lehrlingen wenigstens Grundkenntnisse bei Rechnen und Deutsch nachzuholen.

Kein Wunder, dass Österreichs Wirtschaft um Hilfe schreit. Das Bildungsvolksbegehren von Hannes Androsch 2011 war ein Anfang. Die Industriellenvereinigung macht sich Gedanken zur "Schule 2020“, die Wirtschaftskammer fordert "Mut zur guten Schule“. Der Aufsichtsratschef der Dornbirner Zumtobel-Gruppe, Fritz Zumtobel, sagt: "Wir fordern ein Bildungssystem, das mit den neuen Herausforderungen der Gesellschaft Schritt halten kann und in dem unsere Kinder gemäß ihrer Neigung die schulische und berufliche Laufbahn wählen können.“ Voestalpine-CEO Wolfgang Eder assistiert: "Wir brauchen einen umfassenden, modernen und radikalen Denkansatz bei der Bildungsreform. Eine Detailbereinigung reicht nicht aus.“ Oder, wie Kapsch-CEO und IV-Präsident Georg Kapsch trommelt: "Wir brauchen Bildungspflicht, und nicht Schulpflicht: ein völlig neues Konzept mit einer anderen Art des Unterrichts, mit einer Hinwendung zu den Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen. Es muss leistungsorientiert sein, braucht innere Differenzierung und viel Autonomie. Das heutige Bildungssystem ist bei Weitem nicht mehr zeitgemäß.“

Wirklich zeitgemäße Bildung sollte Menschen dazu befähigen, in der Innovationsgesellschaft zu bestehen und diese voranzubringen. Das passiert aber nicht. Österreichs Schulsystem gehört zwar zu den Top fünf weltweit - allerdings nur, was seine Kosten betrifft. Gleichzeitig sind die Leistungen seiner Schüler seit Jahren unverändert Mittelmaß. Schule, die ihre Zöglinge auf die Anforderungen von morgen nicht adäquat vorbereitet, hat ihre Ziele verfehlt. Oder, wie es der deutsche Bildungsökonom Ludger Wößmann im Interview formuliert: "Schulen, die keine Kompetenzen vermitteln, schaden den Menschen, und damit der Wirtschaft“.

Und obwohl das Bildungsthema spätestens seit den ersten PISA-Studien Anfang der Nullerjahre in der Öffentlichkeit dauerpräsent ist - im Moment auch wegen der miserabel abgewickelten Zentralmatura -, fehlt weiter der große Wurf. "Visionäre Bildungspolitik gibt es nicht“, wettert Andreas Salcher , Österreichs bekanntester Schulkritiker: "Es regieren ideologische Grabenkämpfe und engstirnige Lehrergewerkschaften.“

Künftig hält der Arbeitsmarkt zudem noch größere Herausforderungen bereit, die erst recht vollkommen andere Lern- und Lehrmethoden erfordern als die heute praktizierten. "Viele Schulen sind noch auf die Anforderungen der Industriegesellschaft zugeschnitten und wie Fabriken organisiert“, kritisiert der renommierte britische Bildungsexperte Ken Robinson.

Das heißt nicht, dass es nicht seit Jahren intelligente - und großteils auch erprobte - Ansätze gäbe, wie die vielen Best-Practice-Beispiele in dieser Titelgeschichte zeigen. Und ebenso müssen für eine Lösung der Problematik weder die x-te Ideologiedebatte geführt noch die Lehrer und ihre vermeintliche Unfähigkeit an den Pranger gestellt werden. Die wichtigsten Fragen lauten vielmehr: Wie muss sich Schule ändern, damit Julian M. und die kommenden Schülergenerationen nicht plötzlich ohne Job und ohne Zukunft dastehen? Wohin werden sich Gesellschaft und Arbeitswelt entwickeln? Welche Fähigkeiten erfordert das? Und wie kann das Schulsystem die entsprechenden Kernkompetenzen am besten vermitteln?

Rasender Wandel

Schon in den vergangenen Jahrzehnten haben Globalisierung und Automatisierung Millionen Jobs verlagert und vernichtet. Doch nun sind intelligente Maschinen zunehmend in der Lage, auch kognitive Arbeit zu übernehmen. Forscher von der ehrwürdigen Oxford University glauben, die Automatisierung des Denkens mache in den USA in den kommenden zwei Jahrzehnten jeden zweiten Job obsolet. Relativ sicher seien nur solche Jobs, die Empathie und Kreativität erfordern. "Künftig wird jeder in seinem Leben ganz verschiedene Berufe ausüben. Sich darauf immer neu einstellen zu können, ist vor allem eine Frage der Persönlichkeit“, warnt Erziehungswissenschafter Peter Zellmann.

Um dafür gerüstet zu sein, darin sind sich die Experten einig, muss die Schule der Zukunft auf Talente statt auf Schwächen fokussieren, muss die Schüler viel selbstständiger forschen lassen und Teamarbeit fördern. Das wiederum können aber nur gute Pädagogen. Diese müssen besser ausgebildet werden, passgenauer ausgewählt und bei ihren Arbeitgebern wesentlich mehr Freiräume und Aufstiegsmöglichkeiten vorfinden.

Talente statt Schwächen

Andreas Salcher, der zusammen mit internationalen Experten die wichtigsten Kriterien der Schule von morgen ermittelt hat, ätzt: "Kindern wird seit Jahrzehnten Risikobereitschaft, Kreativität und Unternehmergeist ausgetrieben, um sie zu braven Sachbearbeitern zu erziehen.“ Ein System, das die Schüler nach wie vor mittels Frontalunterricht stumpf mit Wissen zuschüttet. Das sie zu früh zwingt, sich auf eine Bildungs- und Berufslaufbahn festzulegen. Das stets die "richtige“ Lösung fordert statt Lösungswege. Das versucht, Schwächen auszumerzen, statt Talente zu entwickeln. "Das ist wirklich eines der größten Probleme vieler Schüler“, bestätigt Bundesschulsprecherin Angi Groß: "Sie konzentrieren sich darauf, irgendwie durchzukommen. Stattdessen müssten doch ihre Stärken gefördert werden!“ Die 18-Jährige ist zwar zufrieden mit ihrer HAK Waidhofen, hätte sich aber ein flexibleres System aus Kursen gewünscht, um sie gemäß ihrer Interessen zusammenzustellen.

Für den Genetiker Markus Hengstschläger ist die Zeit längst reif für eine neue Definition von Elite. Jeder könne Spitze sein, argumentiert der heimische Vorzeigeforscher in seinem Buch "Die Durchschnittsfalle“, wenn man die in jedem Menschen schlummernden Talente nur zulassen würde.

Der beste Beweis für diese These ist Jack Andraka. Der Amerikaner war erst 15, als er vor drei Jahren die Krebs-Früherkennung revolutionierte. Im Schulfach Biologie kam ihm die Idee eines Urin-Teststreifens. Danach recherchierte er mittels Wikipedia und Google, schrieb einen Forschungsplan inklusive Budget und schickte diesen an 200 Uni-Professoren. Einer davon ließ das Wunderkind forschen. Das Ergebnis: Ein Verfahren, das nur ein paar Cent kostet, nur fünf Minuten dauert, dabei aber 90 Prozent zuverlässiger ist als das nächstbessere Verfahren zur Früherkennung von etwa Lungen- und Pankreaskrebs. Ein erstaunliches Beispiel für die vollkommen selbstbestimmte Aneignung von Wissen.

Selbstständig und frei

Selbst etwas zu erforschen, ist eines der wichtigsten Kernelemente der Bildung von morgen. "Schulen stecken in einem Dilemma“, erklärt der Linzer Bildungsforscher Herbert Altrichter, "historisch gesehen hatten sie bekanntes Wissen zu vermitteln. Jetzt jedoch müssen sie ihre Schüler auf eine unbekannte Zukunft vorbereiten und sie anleiten, sich ihr Wissen selbst zu erarbeiten.“

Genau damit haben aber viele Schüler noch Schwierigkeiten, wie die aktuelle PISA-Studie zum Thema Problemlösungskompetenz zeigt. Österreich liegt bei den Gesamtergebnissen im Mittelfeld, unterdurchschnittlich sind die Schüler aber, wenn sie nicht alle zur Lösung benötigten Informationen vorliegen haben und deshalb intuitiv und hypothetisch vorgehen müssen. Bemerkenswert ist dabei, dass Teenager aus den Reformschulen wie etwa Waldorf- und Montessorischulen, die mit eigens entwickelten Konzepten arbeiten, überdurchschnittlich gut abschneiden.

Jeder zehnte Schüler besucht schon innovative Bildungseinrichtungen wie diese. Weil immer mehr dem öffentlichen System den Rücken kehren, übersteigt die Nachfrage das Angebot bei Weitem. So könnte Schule von morgen aussehen. Oft verzichten die Alternativen auf Noten und die Einteilung in herkömmliche Fächer, in denen Kinder gleichen Alters im 50-Minuten-Takt via Frontalunterricht beschult werden. Die Schüler arbeiten meist projektorientiert und selbstverantwortlich. Die Pädagogen sehen sich eher als Lernbegleiter denn als Vermittler eines starren Bildungskanons und unterstützen sich gegenseitig. Teamarbeit ist ein Kernelement der Schule der Zukunft. "Peer Learning“ wird das im Fachjargon genannt, "Lernen unter Gleichen“. Gerade das ist die "wirkungsvollste Art des Lernens, die wir kennen“, sagt der Innsbrucker Bildungsforscher Christian Kraler. Gleich muss dabei aber nicht das Alter der Schüler sein, sondern vielmehr ihre Interessen.

Coole Schule

Georg Neuhauser hat damit bereits Mitte der 90er-Jahre begonnen. Gemeinsam mit einem "subversiven Lehrergrüppchen“ (Neuhauser) an der HAK Steyr rief der Biologielehrer die Initiative "Cool“ ("Cooperatives offenes Lernen“) ins Leben, ein Konzept, das Schüler und Lehrer gleichermaßen zu Selbstständigkeit und Eigeninitiative erziehen will. Wenn in der Klasse etwa das Projekt "Energie und Umwelt“ ansteht, wird erst einmal diskutiert, welche Schwerpunkte darunter fallen, wer sich womit beschäftigen möchte und ob er das lieber alleine oder im Team macht. Steht das Grundkonzept, schließt der Lehrer mit jedem Schüler einen Lernvertrag ab, der Arbeitsaufträge und Ziele der nächsten Zeit enthält. Ab da erarbeiten die Eleven ihr Wissen selbstständig, der Lehrer fungiert nur als Begleiter. "Solchermaßen selbst erworbenes Wissen bleibt wirklich hängen“, fasst Neuhauser die Erfahrungen der letzten zwei Jahrzehnte zusammen, "und die sozialen Kompetenzen der Schüler stärken wir auch.“

"Cool“ fordert auch die Lehrer: Sie sind gezwungen, sich auf die Vorschläge der Schüler einzulassen und damit ihr Wissen und ihre Methoden ständig in Frage zu stellen. Und sie müssen sich im Team über den Fortschritt des Projektes verständigen. Will sich eine Schule mit dem Prädikat "Cool“ zertifizieren lassen - was in Österreich und dem deutschsprachigen Ausland bereits mehr als 150 Lehranstalten gemacht haben -, ist ein gemeinsames Team aus Schulleitung und Lehrer Voraussetzung. So setzt die Initiative innerhalb der Schule vielfältige Kooperationsprozesse zwischen allen Beteiligten in Gang: Lernen, Lehren und Management werden durchlässiger, nachvollziehbarer und damit besser steuerbar.

Für Lehrer und Direktoren bedeutet das einen radikalen Paradigmenwechsel. Einen, zu dem sie erst befähigt werden müssen. Bildungsexperten fordern deshalb seit Langem, Schulen künftig wesentlich autonomer agieren zu lassen. Denn wie sollen Kinder zu mehr Eigenverantwortung erzogen werden, wenn auf den Hierarchieebenen darüber noch Planwirtschaft herrscht? Wenn Schulleiter nicht nach Eignung, sondern politischen Vorlieben besetzt werden? Wenn Lehrern, so katastrophal ihre Leistungen auch sind, keine Konsequenzen drohen? Wenn die Engagierten unter ihnen keine Aufstiegschancen haben?

Karriereberuf Lehrer

Die Wiener Bildungsexpertin Christiane Spiel fordert daher: "Wir brauchen ein differenziertes Personalsystem an der Schule mit einem mittleren Management wie in Unternehmen.“ Lehrer könnten Führungsaufgaben übernehmen, verantwortlich sein für die Kommunikation mit den Eltern, für neue Unterrichtsformen oder die weitere Entwicklung ihrer Schule. Die Übernahme von Verantwortung müsse sich lohnen, auch monetär, wodurch innerhalb des Schulwesens endlich ein leistungsorientiertes Anreizsystem geschaffen wäre. Am liebsten wäre Spiel ein klassisches Jahresarbeitszeitmodell für Lehrer: "Das würde sie mit Angestellten der Wirtschaft gleichstellen und auch den Status des Berufes heben.“ Und Schüler würden automatisch besser mitbekommen, wie Wirtschaft funktioniert.

Auch adäquates Unterstützungspersonal brächte die Schulen weiter nach vorn. Finnland ist unter anderem deshalb in internationalen Bildungstests führend, weil sich hier nicht nur Lehrerteams, sondern auch Sonderpädagogen, Psychologen, Logopäden oder Krankenpfleger um die Bedürfnisse der Schüler kümmern - und Bürokräfte um die Administration. Zwei Zahlen verdeutlichen den Nachholbedarf: Der OECD-Schnitt für das Verhältnis zwischen Unterstützungspersonal und Lehrer liegt bei eins zu neun. Österreich ist Schlusslicht mit eins zu 29. 13.500 zusätzliche Posten wären notwendig, so rechnet die Gewerkschaft vor, um nur einmal den OECD-Schnitt zu erreichen.

Eine Aufstockung wäre schon wegen der offensichtlichen Überforderung von Österreichs Lehrkräften Gebot der Stunde. Oft hat diese mit dem Alter zu tun, fast jeder zweite Lehrer ist hierzulande über 50 Jahre alt. Ein Lehrer einer Wiener AHS, der ungenannt bleiben möchte, schildert das so: "In unserer Schule gibt es zwei Gruppen: Die jüngeren, bis maximal Mitte 40, die noch engagiert in der Klasse stehen. Die anderen zählen nur noch die Tage bis zur Pension.“ In Summe, so schätzt man, sind in Österreich rund 30 Prozent der Pädagogen ausgebrannt oder kurz davor.

Doch das Alter ist für die emotionale Erschöpfung nicht ausschließlich verantwortlich. Die Ursachen dafür liegen bereits in der Ausbildung. Bislang wurde vor allem an den Universitäten viel zu wenig Wert auf Unterrichtspraxis und Didaktik gelegt. Genau dieses Wissen befähigt einen Lehrer aber dazu, Schülern nicht nur roboterhaft Fachwissen zu vermitteln, sondern sich im Dialog mit ihnen auseinanderzusetzen. Glücklicherweise soll sich das mit dem neuen Lehrerdienstrecht ändern; die entsprechenden universitären Lehrpläne werden gerade erarbeitet.

Ein zukunftsfähiges Schulsystem muss aber noch einen Schritt früher beginnen: bei der Auswahl der Lehramtsstudenten. Aktuell werden schriftliche Aufnahmetests an den Unis eingeführt, die Eignung und Kenntnisse der Aspiranten vor Beginn des Studiums abklären sollen. Ein Schritt vorwärts, aber zuwenig.

Wesentlich weiter ist man da schon an der Universität Passau. Norbert Seibert vom dortigen Lehrstuhl für Schulpädagogik hat das Eignungsverfahren "Parcours“ entwickelt, mit dem Studienanfänger rigoros ausgesiebt werden sollen. Parcours läuft ab wie ein Assessmentcenter in Unternehmen. Die Bewerber müssen verschiedene Aufgaben bewältigen und werden dabei von einem Gremium aus Experten wie Schulleitern und Lehrstuhlmitarbeitern beobachtet. Vor allem fünf charakterliche Grundeigenschaften stehen dabei auf dem Prüfstand: Extraversion, Neugier, Gewissenhaftigkeit, Offenheit und "geringer Neurotizismus“ - sprich: starke Nerven. Noch ist der eintägige Test freiwillig, doch: "Jedem Fünften, der das bei uns durchläuft, raten wir ganz klar vom Studium ab“, sagt Seibert, der damit rechnet, dass er mit einem obligatorischen Test bis zu 40 Prozent der Aspiranten eine Absage erteilen müsste. Das Ergebnis: Nur die Besten werden auch Pädagogen.

Wäre all das umgesetzt, eine effektivere Auswahl der Studienanwärter, eine stärker an Didaktik orientierte Ausbildung, selbstbestimmte Arbeit im Team, Personalhoheit und -entwicklung an den Lehranstalten sowie Entpolitisierung - dann wäre die Schule eine großen Schritt weiter. Julian M. wird freilich zu diesem Zeitpunkt seine Matura längst in der Tasche haben. Hoffentlich hat ihm die Schule von heute bis dahin noch nicht Interessen und Kreativität ausgetrieben.

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