Wieder einmal reingefallen

Die Masse der Anleger liegt falsch und verliert regelmäßig Geld. Komisch, dass kaum jemand aus den teuren Fehlern der Vergangenheit lernt. Von Reginald Benisch

Die Geschichte wiederhole sich, wird behauptet, doch da habe ich meine Zweifel. Das hieße ja, die Menschen könnten dazulernen und Dummheiten künftig vermeiden. Beim Geldanlegen trifft das aber offenbar nicht zu.
Es ist gerade acht Jahre her, dass die New-Economy-Spekulation an den Aktienbörsen mit lautem Knall platzte. Wer damals Aktien besaß, in Fonds investiert oder Fondspolizzen gezeichnet hatte, musste saftige Verluste einstecken. Der Schock saß tief, und die meisten schworen sich, nie wieder Aktien anzurühren – ein Grundsatz übrigens, den sie nun mit anderen teilten, die Aktien schon immer für Teufelswerk gehalten hatten und das Spektakel nicht ohne Schadenfreude beobachteten.

Stattdessen kam in den Folgejahren etwas ganz anderes in Mode: Investments in Immobilien. Na ja, nicht wirklich in Immobilien, sondern in Immobilienwertpapiere, genauer gesagt in Immobilienaktien, die aber angeblich ganz sicher waren oder zumindest so verkauft wurden. 150.000 Österreicher fielen aus allen Wolken, als der Kurs von Meinl European Land im Vorjahr um fast 70 Prozent einknickte. Und für die Besitzer von Conwert, Immofinanz und CA Immo Interna­tional war’s wohl nur ein schwacher Trost, dass ihre Papiere nur zwischen 40 und 50 Prozent verloren. Faktum war halt, dass 2007 schon wieder eine große Spekulationsblase geplatzt war, nämlich auf den globalen Immobilienmärkten, und dass keiner der begeisterten Anleger das vorausgeahnt hatte.

Dummerweise sieht jede Spekulationswelle anders aus als die vorhergegangene. Prima vista lässt sich also wenig aus der Geschichte lernen. Trotzdem gibt es eine Gemeinsamkeit: Anleger, die auf einer solchen Welle surfen, sehen nur noch die Chancen, aber keine Risken. Spekulationsexzesse vernebeln die Sinne: Die Anleger merken nicht, dass sich die Werte längst von handfesten ökonomischen Realitäten entfernt haben. Im 17. Jahrhundert brach in den Niederlanden eine wahnwitzige Spekulation rund um die Tulpen aus. Die Preise schossen in den Himmel, ab 1630 gab es sogar Optionsscheine auf Tulpenzwiebelanteile, und als besonders seltene schwarze Tulpen kurzzeitig so viel kosteten wie ein Haus an den Amsterdamer Grachten, kippte der Markt. Allein 1637 verloren Anleger im Schnitt 95 Prozent, heißt es. Und wie konnte es so weit kommen? Nun, die wild gewordenen Florophilen hatten eine Kleinigkeit übersehen: Mit dem Fortschritt der Züchtungen wurden auch seltene Sorten vermehrbar.

Nicht viel weniger absurd ging es zur Jahrtausendwende an den Aktienbörsen zu: Die Kurse von Titeln junger Unternehmen stiegen in die Stratosphäre, obwohl noch gar nicht absehbar war, wann und ob sie überhaupt Gewinne ­präsentieren würden. Auch die jüngste Immobilienblase ­wurde durch fantastische Preissteigerungen aufgebläht, manche Experten meinen allerdings, sie sei eigentlich zu früh geplatzt – eine Art Betriebsunfall sozusagen, ausgelöst durch die Hypothekenkrise im Bankensektor: Plötzlich stellte sich heraus, dass Finanzkonzerne auf Tonnen uneinbringlicher Kredit­forderungen saßen, die sie in Form von bieder aussehenden Wertpapieren unter die Leute bringen wollten. Da begannen die Banken, die Kreditspirale zurückzuschrauben, womit Fremdkapital für die Wirtschaft teuer wurde, was umgehend Re­zessionsängste auslöste. Das reichte für eine Börsenbaisse, obwohl die reale Wirtschaft ja noch gar nicht heiß gelaufen war.
All das haben wieder einmal nur ganz wenige kommen ­sehen, und wer davor warnte, wurde ausgelacht. Ich gebe schon zu: Wer persönliche Verluste vermeiden will, hat’s in einem solchen Umfeld schwer. Aber es gibt eine Grundregel, mit der man einigermaßen gut fährt: Immer wenn die Gier – oder auch die Angst – die Sinne der Massen vernebelt, ist es höchste Zeit, genau das Gegenteil zu glauben – und entsprechend zu handeln. So viel darf man als Anleger getrost von der Geschichte lernen.

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